Trainer Hannes Wolf bei der Aufstiegsfeier des VfB Stuttgart. Obwohl das Jahr in der Zweiten Liga die Schwaben 50 Millionen Euro gekostet hat, will der VfB sportlich und finanziell wieder die Bundesligaspitze angreifen. Den Plan dahinter erklärt VfB-Finanzchef Stefan Heim.

picture alliance / Pressefoto Rudel

26.09.17
CFO

VfB-CFO Stefan Heim bläst zum Angriff

100 Millionen Euro will sich der VfB Stuttgart von Investoren wie Daimler und anderen Industriegrößen besorgen. Ziel: Den Spieleretat verdoppeln und oben angreifen. Wie der Plan genau aussieht, verrät VfB-CFO Stefan Heim.

Herr Heim, warum hat der VfB Stuttgart für 41 Millionen Euro Anteile an den neuen Investor Daimler verkauft?
Weil ohne sportlichen Erfolg bei einem Fußballverein alles nichts ist, und jede erfolgreiche Mannschaft Geld kostet. Wir benötigen eine Anschubfinanzierung, um unsere Ziele zu erreichen. Die lauten, den VfB kurzfristig in der Bundesliga zu halten und mittelfristig wieder dauerhaft in die europäischen Wettbewerbe zu führen.

Und Sie glauben, dass 41 Millionen Euro reichen, um dorthin zu kommen?
Nein, das werden sie nicht. Deshalb planen wir auch mit einer weiteren Kapitalgenerierung  bis zu einer Höhe von 100 Millionen Euro.

VfB will Spieleretat auf 100 Millionen Euro mehr als verdoppeln

Mit welchen Zahlen unterlegen Sie Ihre geplante Investitionsoffensive?
Um unter die Top 6 der Bundesliga zu kommen, braucht man aktuell einen Lizenzspieleretat von rund 75 Millionen Euro. Da die TV-Einnahmen stark steigen, glauben wir, dass diese Messlatte in vier, fünf Jahren, wenn wir unser Ziel erreicht haben wollen, schon bei 100 Millionen Euro liegen wird. Einen solchen Etat wollen wir uns mittelfristig wieder leisten können. In der aktuellen Saison gehen wir aber nur mit einem Etat an den Start, der ungefähr so hoch ist wie in unserer Abstiegssaison vor zwei Jahren, also bei leicht über 40 Millionen Euro. Der Abstand zu unserem Ziel ist also noch groß.

Wo stünde der VfB, wenn die Mitglieder im Sommer das Investorenmodell abgelehnt hätten?
Dann wäre unser aktueller Etat deutlich niedriger, und wir könnten auf keinen Fall das Ziel verfolgen, mittelfristig wieder in das erste Tabellendrittel zu kommen. Der Abstieg hat den VfB 50 Millionen Euro gekostet. Dieser Ausfall wäre ohne die Ausgliederung kaum zu kompensieren gewesen.

VfB-CFO Stefan Heim: „Werden nicht mehr als 24,9 Prozent verkaufen“

Auch wenn Sie wie erhofft noch weitere 60 Millionen Euro über Anteilsverkäufe hereinholen, wird das nicht reichen, um die Lücke zu Ihrem Ziel auch dauerhaft zu schließen.
Das ist so, aber das ist grundsätzlich nicht problematisch. Wir haben eine präzise Finanzplanung für die nächsten fünf Jahre aufgestellt. Darin unterstellen wir, dass mit zunehmendem sportlichen Erfolg viele wichtige Einnahmeposten zulegen werden, allen voran die TV-Gelder, aber auch die Einnahmen aus Sponsoring, Hospitality, Catering, Stadionbetrieb und aus dem Merchandising. Hinzu kommen neue Geschäftsfelder, die wir gerade aufbauen, zum Beispiel die Internationalisierung, der wir uns verstärkt widmen müssen, oder auch der Bereich E-Sports. Abweichungen von unserem Plan könnten wir umgehend feststellen und dann auch schnell darauf reagieren.

Mit noch mehr Finanzspritzen von außen?
Zusätzliche Einnahmen aus Anteilsverkäufen über die 100 Millionen Euro hinaus wird es aus heutiger Sicht nicht geben. Die VfB-Mitglieder haben dem Verkauf von maximal 24,9 Prozent der Anteile zugestimmt. Weiteren Veräußerungen müssten die Mitglieder dann wieder neu zustimmen. Das ist auch eine Art Absicherung für unsere Mitglieder, falls einmal die 50+1-Regel fallen sollte. Der VfB Stuttgart würde auch dann kein Investorenklub werden. Wir sind gerade dabei, unser gemeinsames Haus VfB zu erweitern, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Und trotzdem sollen sich dort noch alle gut aufgehoben fühlen.  

Was der VfB anders machen will als der HSV

Auch der Hamburger SV hat sein Kapital für Investoren geöffnet, um wieder zurück an die Bundesligaspitze zu kommen. Die Folgen kann jeder sehen. Wie wollen Sie sicherstellen, dass nicht auch der VfB zum Getriebenen der Möglichkeiten wird: Immer dann, wenn etwas nicht klappt, besorgt man sich einfach neues Geld von außen?
Ganz wichtig: Wir haben Ruhe in den Gremien. Außerdem brauchen wir die Mittel der Daimler AG nicht, um Löcher zu stopfen oder Schulden abzutragen. Deshalb können wir einen Teil des frischen Kapitals auch in die Infrastruktur investieren und Rücklagen bilden. Der VfB ist ein gesunder Verein. Selbst die Lizenz für die Zweite Liga haben wir ohne Auflagen erhalten.

Wenn Ihr Plan aufgeht und der VfB sportlich Erfolg hat, würden nicht nur die Einnahmen, sondern auch die Personalkosten schnell steigen. Dann könnte es ungemütlich werden, wenn Sie mal wieder eine schwächere Saison spielen.
Im Grundsatz haben Sie Recht. Der VfB Stuttgart wird die nächsten Jahre wahrscheinlich keine Gewinne erzielen, sondern erst dann wieder, wenn wir in der Bundesliga wieder oben dran sind. Aber genau dafür bilden wir mit der Hereinnahme unserer strategischen Partner ja ein Polster. Die in den nächsten Jahren anfallenden Verluste können wir gegen unser Eigenkapital rechnen. Außerdem haben wir die Ausgliederung nicht dazu genutzt, die stillen Reserven zu heben, die in unserer Marke und unserem Spielerkader liegen. Das halten wir für eine gesunde Ausgangsbasis, um unsere ausgegebenen Ziele zu erreichen.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Wie der Milliardenregen aus den TV-Geldern und vom Transfermarkt die Finanzen der Bundesligaklubs auf ein neues Level hebt, lessen Sie in der Titelstory des aktuellen FINANCE-Magazins, als ePaper erhältlich hier.

Zahlreiche Analysen zur Finanzlage von Klubs wie Bayern München, VfB Stuttgart, dem HSV und vielen mehr gibt es in unserem FINANCE-Blog „3. Halbzeit “.