Geht die Sonne für die Energiekonzerne E.on und RWE unter? Uwe Gehrmann von Atreus sagt, es gebe Hoffnung für die Stromriesen.

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28.09.15
CFO

Warum bei E.on und RWE jetzt die CFOs gefragt sind

Die Energiekonzerne E.on und RWE stecken tief in der Krise. Um die Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, müssen die CFOs aus ihrer Rolle hinauswachsen, sagt Experte Uwe Gehrmann.

Deutschlands größte Energiekonzerne stecken im Schlamassel. Das jüngste einer langen Reihe von Problemen sind die milliardenschweren Atom-Rückstellungen, die durch das anhaltende Niedrigzinsniveau noch deutlich anwachsen könnten.

Auch die Aktionäre der beiden Dax-Konzerne nehmen mittlerweile Reißaus: Die E.on-Aktien haben 2015 fast 50 Prozent an Wert verloren. Bei RWE ist die Lage noch dramatischer –  die Wertpapiere sind mittlerweile nicht einmal mehr halb so viel Wert wie noch zu Jahresbeginn.

CFOs von RWE und E.on sollten politisch denken

Beiden Unternehmen steht ein großer Umbruch bevor. Auf die CFOs kommt dabei eine besondere Rolle zu. Denn der Rückbau der fossilen Energien ist ein sehr anspruchsvolles Vorhaben, bei dem die Politik mitreden möchte. „RWEs CFO Bernhard Günther und E.on-Finanzvorstand Michael Sen müssen jetzt stets die politischen Interessen betrachten“, sagt Uwe Gehrmann, Partner und Mitglied der Geschäftsleitung bei der Interim-Management-Beratung Atreus sowie Experte für die Bereiche Energieversorgung, Sanierung und Transformationsmanagement.

Dabei ginge es einerseits um diverse regionale Beteiligungsstrukturen der Energieversorger, unter anderem in den Kommunen, andererseits auch um die schiere Größe als Arbeitgeber mit Tausenden von Mitarbeitern. „Sie können sich nicht wie klassische Finanzchefs nur an die Märkte wenden“, sagt Gehrmann. Sie müssten sich den unterschiedlichen Interessenlagen daher stets bewusst sein und dementsprechend vorsichtig agieren.

Die CEOs Peter Terium und Johannes Teyssen sollten mit ihren Finanzchefs in der jetzigen Phase eng zusammenarbeiten, rät der Experte. Denn der Umbruch müsse vor allem finanziell durch den CFO solide unterstützt werden: „Momentan ist die CFO-Kompetenz in einer solchen Umbauphase stark gefragt“. Die Konzerne und ihre Finanzchefs müssten jetzt vor allem  ihre Beteiligungen und Rückstellungen managen und bewerten.

Energieriesen müssen Personalstruktur verschlanken

„Beide Konzerne waren nicht ausreichend auf die Energiewende vorbereitet“, konstatiert Gehrmann. „Sie haben die alternativen Energien zwar betrachtet, aber erst verhältnismäßig spät gehandelt.“

Das rächt sich nun. Insbesondere in der Personalstruktur sieht der Berater für RWE-CFO Bernhard Günther und E.on-Finanzvorstand Michal Sen großes Potential, um Kosten einzusparen. „Die neuen Themenfelder in der Energiewirtschaft werden in Zukunft sicherlich deutlich weniger Mitarbeiter beschäftigen“, sagt Gehrmann. Ein signifikanter Personalabbau scheint unausweichlich. Er führt aus: „Eine genaue Prognose ist schwierig, aber wir befinden uns hier sicherlich in einer Größenordnung von mehr als 20 Prozent“.

Atomwissen im Ausland gefragt

Uwe Gehrmann zufolge sollten RWE und E.on jedoch nicht komplett auf das Know-how ihrer Atom- und Kohle-Experten verzichten: „Das Wissen zu den Themen Atom- und Kohlekraft ist in Ländern außerhalb Europas immer noch sehr gefragt“, sagt er. Dazu gehöre insbesondere, wie man Atomkraftwerke sicher betreibt. RWE und E.on könnten daher im Ausland zum Dienstleister werden, um so den Umbruch finanziell stemmen zu können. „So könnten die Konzerne den notwendigen Restrukturierungskosten zumindest teilweise entgegenwirken.“

Von den traumhaften Renditen der vergangenen Jahrzehnte müssten sich die Konzerne bei ihren neuen Geschäftsfeldern aber verabschieden. „Die neuen Themen werden weniger Umsatz ermöglichen und auch weniger Profit“, sagt Gehrmann. Beide Konzerne bräuchten jetzt Mut, um die anstehende Transformation zu bewältigen.

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