Was vom Blockchain-Hype bleibt, zeigt die aktuelle FINANCE-Titelgeschichte.

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07.11.19
CFO

Was bleibt vom Blockchain-Hype?

Schuldschein, Handelsfinanzierung, Zahlungsverkehr: Viele Blockchain-Projekte drohen im Teststadium zu versanden. FINANCE hat sich im neuen Magazin auf Spurensuche begeben, was Finanzchefs von der Technologie (noch) erwarten können.

Blockchain, immer wieder die Blockchain: Vor zwei, drei Jahren verging kein Tag, ohne dass ein neues Projekt im Finanzbereich an den Start ging. Viele klangen verheißungsvoll: Einen Schuldschein effizient platzieren – mit der Blockchain; Handelsfinanzierung mit der neuartigen Technologie papierlos und smart arrangieren; den Zahlungsverkehr und Wertpapierhandel effektiver abwickeln – und, und, und. Kaum ein Bereich, der damals nicht vor der vermeintlichen Blockchain-Revolution stand.

Und heute? Es gibt weiterhin zahlreiche Projekte, doch diese scheinen im Teststadium zu versanden. Was kann sie also wirklich, die vielgepriesene Technologie? In welchen Bereichen kann sie CFOs und Treasurern in absehbarer Zeit Mehrwert liefern? Zieht auch endlich der deutsche Regulator mit? FINANCE hat sich auf Spurensuche begeben und zeigt in der Titelgeschichte der aktuellen FINANCE die wichtigsten Blockchain-Entwicklungen auf. Nur so viel: Nicht alles ist negativ. Mehr dazu lesen Sie in der neuen FINANCE, die heute bereits als E-Paper erhältlich ist.

CFO Asenkerschbaumer digitalisiert bei Bosch

Dass man seinen Finanzbereich auch ganz gut ohne Blockchain digitalisieren kann, zeigt der Stuttgarter Vorzeigekonzern Bosch. Digitalisierung hat man sich dort auf die Fahnen geschrieben, auch CFO Stefan Asenkerschbaumer betont, wie wichtig derartige Initiativen auch in seinem Bereich sind: „Im Schnitt haben wir in den vergangenen fünf Jahren jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in die Digitalisierung unserer Finanzbereiche investiert.“

„Im Schnitt haben wir in den vergangenen fünf Jahren jährlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in die Digitalisierung unserer Finanzbereiche investiert.“ 

Stefan Asenkerschbaumer, Bosch

Bei gleichbleibender Mannschaft habe Bosch so bis zu 30 Prozent der Kosten einsparen können, weil Prozesse effizienter gestaltet werden konnten. „Und diese Einsparungen werden steigen, je weiter wir mit der Digitalisierung vorankommen“, ist sich Asenkerschbaumer bei seinem Premieren-Interview mit FINANCE sicher.

Allerdings agieren bei weitem nicht alle Finanzchefs so proaktiv wie der Bosch-CFO, wie unser aktuelles CFO Panel zeigt, das wir am 14. November veröffentlichen und zu dem es einen Vorgeschmack im Heft gibt. Einige überlassen Vorstandskollegen aus anderen Ressorts wie Vertrieb und Operations den Vortritt bei bereichsübergreifenden Digitalisierungsinitiativen. Das könnte ein Fehler sein, meint Horváth-Partner Achim Wenning: „Wenn CFOs nur auf Initiativen reagieren, dann droht ihnen der Verlust von Einfluss.“

Viel Geld verlieren kann der Finanzvorstand auch, wenn er Cybercrime-Attacken nicht oder zu spät erkennt. Erkenntnisse zu neuen Fake-President-Maschen finden sich ebenfalls im Magazinschwerpunkt Digitalisierung.
 

„Wenn CFOs nur auf Initiativen reagieren, dann droht ihnen der Verlust von Einfluss.“

Achim Wenning, Horváth

Digital sind seit diesem Jahr auch die FINANCE-Multiples. Mit der neuen Ausgabe gibt es auch ein Update mit neuen Multiples-Daten für sechzehn verschiedene Branchen.

Firmenkundenstrategien von CoBa und BNP Paribas

Digitalisieren müssen auch die Banken. Die Commerzbank, nach dem Votum der FINANCE-Leser wichtigste deutsche Firmenkundenbank, kämpft um die verlorengegangene Profitabilität. CEO Martin Zielke hat Ende September neue Maßnahmen und Ziele verkündet.

Was bedeuten sie für das Firmenkundengeschäft? Der scheidende Firmenkundenvorstand Michael Reuther traf sich mit FINANCE-Redakteuren Ende Oktober im Commerzbank-Tower am Frankfurter Kaiserplatz, um aufzuzeigen, welche Wege aus der Profitabilitätsfalle die Commerzbank sieht. Einiges klang plausibel, konkrete Planzahlen blieb Reuther indes schuldig. Zu groß ist inzwischen wohl die Angst, den Kapitalmarkt mit erneuten Planverfehlungen zu verschrecken.

„Wir sind primär auf organisches Wachstum ausgerichtet. Das ist meiner Meinung nach die intelligenteste Form, um in Deutschland zu wachsen.“

Lutz Diederichs, BNP Paribas

Mit Zahlen wirft die BNP Paribas in Deutschland auch nicht gerade um sich. Aber immerhin konnte Deutschlandchef Lutz Diederichs im Interview darauf verweisen, durchaus im Plan seiner Wachstumsambitionen zu sein: Von den Erträgen, die Diederichs sich für Ende 2020 vorgenommen hat, sind die Franzosen in Deutschland ein Jahr zuvor nicht mehr weit entfernt. Die BNP gilt bei FINANCE-Lesern als aktivste Auslandsbank, ist hierzulande aber deutlich kleiner als die Platzhirsche Deutsche, Commerzbank und HVB. Auf die Frage, ob er sich nicht vielleicht doch die Commerzbank als Akquisitionsziel vorstellen könnte, winkte Diederichs schmunzelnd ab: „Organisches Wachstum ist meiner Meinung nach die intelligenteste Form, um in Deutschland zu wachsen.“

Sonderbeilage SF und grüne Finanzierungen

Ihren ganz eigenen großen Bankenvergleich können CFOs und Treasurer auf der 15. Structured FINANCE machen, die am 27. November wieder in Stuttgart ihre Pforten öffnet: Dort sind nahezu alle relevanten Finanzhäuser auf engstem Raum vertreten. Als Vorgeschmack auf die Konferenz liegt dem aktuellen Magazin eine hundertseitige Sonderbeilage bei. Fast alle Konferenzthemen werden dort in kurzen, gut verdaubaren Artikeln angerissen.

Dieses Mal zeigen sich als besondere Schwerpunkte die Digitalisierung des Finanzbereichs inklusive neuartiger Kreditplattformen. Der Megatrend grüne Finanzierung via Green Bonds, grüne Schuldscheine und ESG-linked-Loans schlägt sich in zahlreichen Beiträgen wider.

Als großer Verfechter von grünen Finanzierungen entpuppte sich im FINANCE-Interview übrigens auch Thomas Kusterer. Der CFO hat mit dem Energiekonzern EnBW schon 1,5 Milliarden Euro in Form von Green Bonds und Hybridanleihen platziert. Der Finanzchef, der sich auf EU-Ebene in einer wichtigen Arbeitsgruppe auch persönlich für das Thema engagiert, ist sich sicher: „Viele Investoren werden erhebliche Summen in Green Finance umschichten.“ Das sollte auch den Skeptikern zu denken geben, die von grünen Finanzierungen bislang nicht viel halten.
  
markus.dentz[at]finance-magazin.de

„Viele Investoren werden erhebliche Summen in Green Finance umschichten.“

Thomas Kusterer, EnBW

Wie Private-Equity-Manager ihren (Un)-Ruhesstand gestalten, wie Sixt-CFO Jörg Bremer den Konzern auf Wachstum einstellt und wie Kühne + Nagel Talente im Finanzbereich fördert – diese und viele weitere Themen finden Sie ebenfalls in der neuen FINANCE-Ausgabe, die Sie hier bestellen oder heute schon als E-Paper beziehen können.