BCG-Studie: Warum IT-Outsourcing so oft scheitert

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26.07.13
CFO

Wenn IT-Outsourcing zum Reinfall wird

Dass IT-Outsourcing Kosten spart, galt noch vor Jahren als Binsenweisheit. Heute ist man klüger: Denn CFOs, die beim IT-Outsourcing die Machbarkeit aus den Augen verlieren, verbrennen sich schnell die Finger.

Vorgestern die Fertigung, gestern das Rechnungswesen, und heute die IT? – Wie FINANCE berichtete, wird die Auslagerung von Prozessen auch für CFOs immer wichtiger. Doch einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) zufolge ist gerade im IT-Bereich Vorsicht angebracht. Unflexible Verträge, sich ändernde Rahmenbedingungen und verschleierte Risiken können dazu führen, dass IT-Outsourcing die eigentlichen Ziele verfehlt und sogar teurer als geplant ausfällt. BCG-Berater Peter Burggraaff macht gegenüber FINANCE mehrere Faktoren für das Scheitern verantwortlich: so sollen 70 Prozent aller gescheiterten Outsourcing-Deals keinen Stresstest zur Machbarkeit des Outsourcings beinhaltet haben. Fehlende Transparenz bei der Kostenstruktur, falsche Ziele und Unkenntnis der Vertragsinhalte seien weitere Gründe für das Scheitern von Auslagerungsprojekten.

Viele CFOs verrechnen sich beim IT-Outsourcing

Wenn Kosteneinsparungen nicht wie geplant eintreten, ist das eine schmerzhafte Erfahrung für den CFO. Und negative Erfahrungen haben CFOs zur Genüge gemacht. Die Liste der Fehlschläge ist lang:

So hatte Daimler seine IT-Systeme schrittweise zunächst an die Tochterfirma Debis Systemhaus, dann ab 2000 vollständig an die Telekom-Tochter T-Systems ausgelagert. Mit dem Ergebnis, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis irgendwann nicht mehr stimmte.Resultat: Der Automobilhersteller holte am Ende alle SAP-Systeme zurück in den Konzern. Otto-CFO Schulte-Laggenbeck musste sein groß angelegtes IT-Projekt ganz begraben, Heraeus setzt bei seinem IT-Projekt Magellan vorsorglich auf eine ganz neue Infrastruktur. Auch Burggraaff rät, Verträge mit IT-Dienstleistern regelmäßig zu überprüfen: „Wenn der Nutzen geringer als erwartet ausfällt, sollten Unternehmen reagieren.“ Insourcing sei dann ebenfalls ein Thema – offenbar auch für Daimler: Durch die Zurücknahme der Outsourcing-Maßnahmen will Daimler nun Einsparungen in Höhe von 150 Millionen Euro erzielen. Im Rahmen der Eingliederung werden auch IT-Kompetenzzentren in Indien und der Türkei aufgebaut.

Rolle rückwärts: Wenn Insourcing billiger ist

Im einst Outsourcing-begeisterten Amerika sind ebenfalls Zeichen einer Wende erkennbar: Mit dem neuen CIO Randy Mott hielt auch eine neue IT-Strategie bei General Motors Einzug. So regelt GM seine IT-Infrastruktur wieder in-house. Durch die Auslagerung der IT 1996 war ursprünglich der Service-Provider EDS aus dem Konzern ausgegliedert worden. Das Modell hat sich aber offenbar nicht bewährt. „Das Outsourcing-Modell bei GM für IT war teuer, wenig effizient, und hat sich überholt“, urteilte GM-CEO Dan Akerson.

Der Trend zum Insourcing hat auch in einem Land Einzug gehalten, von wo aus die Outsourcing-Welle ursprünglich nach Kontinentaleuropa schwappte: Groß-Britannien. So ließ Barclays einen Outsourcing-Vertrag mit Accenture auslaufen, und brachte die IT-Verwaltung und Entwicklung zurück in die direkte Kontrolle der Bank.

Von diesen negativen Erfahrungen hat sich ein anderes britisches Unternehmen jedoch nicht entmutigen lassen. So arbeitet British Airways mit mehreren IT-Dienstleistern zusammen, wie die Fluggesellschaft gegenüber FINANCE bestätigt. Und offenbar war das Vertrauen auf beiden Seiten groß: Die IT-Sicherheit wurde ebenfalls an den IT-Dienstleister WNS ausgelagert.

timur.cetin[at]finance-magazin.de