11.10.12
CFO

Windreichs Finanzierung bröckelt

Alleinaktionär Willi Balz liebäugelte schon mit dem Börsengang. Angesichts der aktuellen Finanzzahlen dürfte diese Vision erst einmal ausgeträumt sein. Auf den künftigen CFO Karl-Gerhard Eick warten mehr Baustellen, als zunächst angenommen.

Karl-Gerhard Eick, früherer Telekom-CFO und künftiger Windreich-Finanzvorstand, dürfte bei dem schwäbischen Unternehmen noch schwierigere Verhältnisse vorfinden als bislang erwartet. Die finanzielle Lage von Windreich wird zunehmend heikler. In seinem Halbjahresbericht musste das Unternehmen jetzt einen Fehlbetrag nach Steuern von knapp 27 Millionen Euro bekannt geben, im Vorjahreszeitraum konnte Windreich hier noch ein Plus von fast 1 Million Euro verbuchen. Der Löwenanteil der Verluste entfällt auf die Abschreibung der Beteiligung an dem Windkraftanlagenbauer Fuhrländer, der Ende September Insolvenz angemeldet hatte. Windreich war an Fuhrländer zuletzt mit 9,45 Prozent beteiligt.

Auch die Finanzierung des anstehenden Riesenprojekts MEG 1 in der Nordsee ist noch keineswegs in trockenen Tüchern. Der Grundstein soll 2014 gelegt werden, die bislang eingesammelten 700 Millionen Euro reichen für die Finanzierung aber noch lange nicht aus. Alleinaktionär Balz, der derzeit in Personalunion auch das Finanzressort leitet, verhandelt mit den Ländern Niedersachsen und Bremen über Bürgschaften – allerdings nicht für Windreich, sondern für die Projektgesellschaft, wie er gegenüber der F.A.Z. sagte. Zu konkreten Inhalten wollten jedoch weder Balz noch die beteiligten Behörden Stellung nehmen.

Schlechte Verhandlungsposition für Windreich

Aber auch Windreich selbst braucht dringend frisches Geld. Wie aus dem Halbjahresbericht weiter hervorgeht, hat die Gruppe zwar in diesem Jahr bereits eine neue Bankenfinanzierung über 15 Millionen Euro unter Dach und Fach gebracht, es laufen aber weitere Verhandlungen, zum Teil auch zur Umschuldung der bestehenden Verbindlichkeiten.

Für das Management wird die Verhandlungsposition immer ungünstiger, denn die Alternativen schrumpfen: Zwar hat Windreich in den Jahren 2010 und 2011 zwei Bonds in den Mittelstandsegmenten der Stuttgarter und der Frankfurter Börse begeben, die auch vollständig gezeichnet wurden. Doch angesichts der miserablen Performance, aktuell notieren die Bonds bei 64 bzw. 55 Prozent des Nominalwertes, dürfte der Anleihemarkt für weitere Emissionen verschlossen sein. Am Bondmarkt gelten Emissionen in Erneuerbare Energien ohnehin als schwierig bis unmöglich, wie Experten gegenüber FINANCE regelmäßig bestätigen. Ähnliches muss auch Solarworld-CFO Philipp Koecke erleben.

Karl-Gerhard Eick, der Windreich seit dem vergangenen Monat bereits als externer Finanzberater zur Verfügung steht und im nächsten Frühjahr als CFO antritt, muss da wohl sein Netzwerk bemühen, um nicht mit Windreich buchstäblich auf hoher See Schiffbruch zu erleiden. Ein Börsengang des Windparkprojektierers, mit dem CEO Willi Balz liebäugelt, dürfte im Moment jedenfalls nicht höchste Prioritäten genießen. Ansonsten läuft Eick Gefahr, in seinem Lebenslauf nach dem Arcandor-Untergang die zweite Insolvenz verbuchen zu müssen.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de