Merz Pharma

11.12.12
CFO

„Wir planen eine Neuaufstellung unseres Asset Managements“

Der Frankfurter Konzern Merz Pharma hat hervorragende Zahlen für das Geschäftsjahr 2011/2012 vorgelegt. Der Umsatz stieg um 17 Prozent auf 913 Millionen Euro, das Ebit um 56 Prozent auf 260 Millionen Euro. CFO Matthias Vogt im FINANCE-Interview über Wachstumspläne, Anlageschwierigkeiten des Treasury und die Rolle der Finanzabteilung beim Umbau des Geschäfts.

Matthias Vogt, Merz Pharma hat eine sehr gute Jahresbilanz vorgelegt. Wie lange hält diese Entwicklung noch an?
Wir möchten auch in diesem Jahr wieder an ein zweistelliges Umsatzwachstum heranreichen und in die Nähe der 1 Milliarde Euro Umsatz kommen, und das obwohl unser wichtigstes Produkt Axura gegen die Alzheimer Demenz in Deutschland den Patentschutz verloren hat. Auch im Ebit möchten wir noch einmal zweistellig wachsen auf ca. 300 Millionen Euro Natürlich ist der Ablauf des Axura-Patents, das 2015 auch in den USA und 2019 in Japan auslaufen wird, eine große Herausforderung. Aber darauf haben wir uns seit Jahren vorbereitet. Wir sehen deshalb keine „Patent Klippe“, sondern eher eine Abflachung des Wachstums in den nächsten Jahren.

Sie haben über 430 Millionen Euro liquide Mittel. Was machen Sie mit all dem Geld?

Das ist in der Tat eine Herausforderung, die wir mit vielen solide finanzierten Unternehmen teilen. Wir haben frühzeitig in Corporate Bonds umgeschichtet und konnten bei relativ geringen Risiken in Investment-grade Assets noch ansehnliche Renditen erwirtschaften. Das ist nun leider auch vorbei. Momentan überlegen wir, zusammen mit unserem Gesellschafterrat und unseren Kernbanken, ob wir die Anlagetätigkeit im Unternehmen ganz neu aufstellen und in größerem Umfang outsourcen, zum Beispiel in Form einer Kapital Anlage Gesellschaft.

Wo kann man als CFO heutzutage Geld überhaupt noch anlegen und ändert sich hier Ihre Strategie?
Zunächst muss man sich vom Aufsichtsrat bzw. Gesellschafterrat ein klares Mandat geben lassen: Was sollte die Philosophie der Treasury Aktivitäten sein? Ist das Corporate Treasury als Profit Center zu verstehen, wobei gegebenenfalls auch Risiken eingegangen werden, oder steht die Anlagesicherheit im Vordergrund und die operative Finanzierung von internen und externen Wachstumschancen? Auf dieser Basis muss dann ein Risikobudget definiert werden, welches wieder zu verschiedenen Handlungsalternativen führt. Diese Strategie sollte unter Berücksichtigung der Risiken im operativen Cash Flow erfolgen: Wer operativ hohe Cash-Flow-Volatilität oder -Risiken hat, sollte seine finanziellen Cash Flows eher risikoavers aufstellen.

Merz internationalisiert sein Geschäft rapide, und der künftige Fokus auf Beauty-Produkte verstärkt diesen Trend noch weiter. Was heißt das für die Finanzabteilung?
Wir diskutieren in der Geschäftsleitung seit einiger Zeit, was die Veränderung zur „ästhetischen Dermatologie“ für die Unternehmenskultur bedeutet. Und auch in der Finanzabteilung haben wir uns vorgenommen, den Wandel unseres Unternehmens aktiv mitzugestalten, inhaltlich wie kulturell. Dazu gehören zum Beispiel schlanke, einfache Prozesse und ein starkes „outside-in“ Denken, das den Markt stark einbezieht. Zudem möchten wir als Business Partner den Wandel aktiv vorantreiben: Preisgestaltung, Marketing- und Life-Cycle-Management sind in einem Markt für ästhetische Produkte beispielsweise anders als in der traditionellen Pharmawelt.

Ist bei solch einem Wandlungsprozess die mittelständisch geprägte Eigentümerstruktur von Merz Ihrer Ansicht nach eher hilfreich oder manchmal eher hinderlich?
Veränderungen anzugehen benötigen Mut und Entschlossenheit, nicht nur auf Seite des Managements, sondern auch auf Seiten der Eigentümer des Unternehmens. Aber auch kurze Entscheidungswege helfen. In dieser Hinsicht sehe ich uns eindeutig im Vorteil!

armin.haeberle[at]cfo-insight.com

Das Unternehmen...
Merz Pharma ist ein internationales Healthcare-Unternehmen mit eigener Forschung und Entwicklung (F&E). Das Unternehmen bündelt die Aktivitäten seiner Tochterunternehmen Merz Pharmaceuticals, Merz Consumer Care, Merz Dental und Merz Hygiene mit Produkten, die von verschreibungspflichtigen Medikamenten über freiverkäufliche Produkte bis hin zu Hygienepräparaten zur Infektionsprävention reichen. Im Geschäftsjahr 2011/12 erzielte Merz bei einem Umsatz von 913 Millionen Euro ein Ebit von 263 Millionen Euro.

Und sein CFO…
Matthias A. Vogt ist promovierter Wirtschaftsingenieur und Diplomkaufmann. Nach dem Studium arbeitete er zunächst bei der Lürssen Werft in Bremen und als Research Associate für das Finance Department der Harvard Business School. Er kam 1997 zu Novartis nach Basel. Bei Novartis bekleidete er verschiedene CFO-Positionen in der Schweiz, Lateinamerika und den USA. 2008 kam er zurück nach Deutschland als CFO der Merz-Gruppe in Frankfurt am Main.