Wie geht die BASF-Finanzabteilung Digitalisierungsprojekte an? Markus Steigner, Vice President Global Finance Transformation, gibt einen Einblick.

BASF

17.08.17
CFO

„Wir schauen in der BASF-Finanzabteilung stark auf Robotics“

Mehr als drei Dutzend Projekte umfasst der Digitalisierungsfahrplan für die BASF-Finanzabteilung, und es können noch mehr werden. Markus Steigner, Vice President Global Finance Transformation, verrät, wie der Dax-Konzern seine Digitalisierungsinitiativen plant.

Praktiker aus der Finanzabteilung arbeiten im Arbeitskreis „Digital Finance“ der Schmalenbach-Gesellschaft daran, die Digitalisierung der Finanzfunktion mit Hilfe einer „Digital Finance Roadmap“ in eine einheitliche Struktur zu bringen.

Für den Dax-Konzern BASF ist Markus Steigner in dem Arbeitskreis engagiert. Als Vice President Global Finance Transformation betreut er mit seinem Team bereits seit mehreren Jahren Transformationsprojekte in der Finanzabteilung – viele davon sind inzwischen Digitalisierungsprojekte. Derzeit steht das Thema Robotics weit oben auf seiner Agenda.

Roadmap-Struktur hilft der BASF-Finanzabteilung

Herr Steigner, Sie engagieren sich im Arbeitskreis „Digital Finance“ der Schmalenbach-Gesellschaft und haben für die BASF-Finanzabteilung eine „Digital Finance Roadmap“ erstellt. Was ist die Idee dahinter?
Dank der Roadmap haben wir einen Gesamtüberblick über unsere vielen Einzelprojekte. Die Roadmap umfasst alle Digitalisierungsprojekte der Finanzabteilung bis 2025 – sowohl die bereits begonnenen als auch die künftig noch anstehenden Initiativen. Wir haben im Arbeitskreis fünf Handlungsstränge definiert, auf die wir unsere Projekte aufteilen – für die Finanzabteilung sind dies die Themen Prozessoptimierung, Planungen und Prognosen, Unternehmenskultur und Mitarbeiter, Governance und Compliance und alles, was den Finanzbereich als Dienstleister und Partner für andere Unternehmensbereiche betrifft, das sogenannte Business Partnering. Diese Übersicht hilft uns auch im Gespräch mit dem CFO oder mit Kollegen aus anderen Bereichen, da wir sehr schnell aufzeigen können, wo wir stehen und was wir planen.

Können Sie uns ein konkretes Beispiel für ein Projekt geben, an dem Sie gerade arbeiten?

Derzeit schauen wir in der BASF-Finanzabteilung stark auf Robotics. Dieses Thema zählt in der Roadmap zum Handlungsstrang Prozessoptimierung. Wir wollen in der Finanzabteilung repetitive Tätigkeiten noch stärker automatisieren und dafür in den kommenden Monaten mehrere Roboter in Betrieb nehmen. Wir werden einige unserer Mitarbeiter dazu ausbilden, diese Roboter selbst zu programmieren und zu warten. Wenn wir diese Expertise einmal im Haus haben, können wir in einem nächsten Schritt über die Finanzabteilung hinaus einen Mehrwert für andere Bereiche leisten – etwa indem die Kollegen Robotics-Anwendungen für den Personalbereich programmieren.

BASF plant bereits rund drei Dutzend Digitalisierungsprojekte

Repetitive Tätigkeiten werden automatisiert, dafür sind neue Kompetenzen wie Programmieren gefragt. Das klingt, als würden die Digitalisierungsprojekte für viele Mitarbeiter auch Veränderungen im Arbeitsalltag mit sich bringen.
Das ist so. Deswegen ist der Aspekt „Unternehmenskultur und Mitarbeiter“ in der Roadmap auch als eigener Handlungsstrang abgebildet. Uns ist es wichtig, dass die Kollegen jederzeit darüber informiert sind, welche Projekte es gibt, was sich durch sie verändert und wie sie mitarbeiten können. Wir informieren über wichtige Digitalisierungsprojekte in aller Regel über eine Telefonkonferenz, an der jeder teilnehmen kann. Diese Informationsangebote auch wahrzunehmen liegt dann in der Eigenverantwortung jedes Mitarbeiters.

Die Roadmap umfasst den Zeitraum bis 2025. Können Sie schon absehen, wie viele Projekte in dieser Zeit auf Sie und die Kollegen zukommen werden?

Unsere Roadmap umfasst bis 2025 bereits heute rund drei Dutzend Projekte. Das ist allerdings kein finaler Wert. Wir können neue Initiativen jederzeit ergänzen, wenn wir es für sinnvoll halten. Andere wandern auf dem Zeitstrang nach vorn oder nach hinten. Für manches Digitalisierungsprojekt müssen wir Vorarbeit leisten, was Kapazitäten bindet und entsprechend eingeplant werden muss.

Konzernweite Digitalisierungsinitiative BASF 4.0

Wie sehen diese Vorprojekte aus?
Nehmen Sie beispielsweise den gesamten Themenkomplex Big Data: Damit kommt man nicht weit, wenn die Bestandsdaten nicht gut gepflegt sind. Der erste Schritt wäre in solch einem Fall, die Datenbasis auf Vordermann zu bringen, bevor man sich die Möglichkeiten von Big-Data-Analysen näher anschaut. An dieser Stelle müssen klassische Projekte, wie sie in der Finanzabteilung seit jeher anfallen, und Digitalisierungsprojekte ineinander greifen.

Lässt sich Ihre „Digital Finance Roadmap“ auch auf andere Unternehmensbereiche jenseits der Finanzabteilung übertragen?
Die Handlungsstränge unterscheiden sich natürlich von Bereich zu Bereich, aber die grundsätzliche Struktur der Roadmap ist gut übertragbar. Bei BASF sind die Digitalisierungsprojekte des Finanzbereichs ein Teil unserer konzernweiten Digitalisierungsinitiative BASF 4.0, in der die Projekte aus allen Bereichen zusammenlaufen. Wir beschäftigen uns in allen Bereichen des Konzerns mit dem Thema. Das Modell der Roadmap habe ich deshalb schon Kollegen aus anderen Einheiten vorgestellt. Um voneinander zu lernen, stellen wir ganz bewusst übergreifende Projektteams zusammen. Darin sind dann neben Fachexperten auch Kollegen vertreten, die bereits Digitalisierungsprojekte in einem anderen Konzernbereich begleitet haben und einen externen Blick mitbringen – auf die Herausforderungen solcher Projekte, aber auch auf mögliche Lösungen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de


Ein Interview über die inhaltlichen Schwerpunkte, die der Arbeitskreis „Digital Finance“ der Schmalenbach-Gesellschaft für seine Roadmap erarbeitet hat, finden Sie hier.