Wirecard

17.05.16
CFO

Wirecard-CFO Burkhard Ley bleibt hart gegen Zatarra

Nach den schweren Anschuldigungen durch Zatarra arbeitet sich die Wirecard-Aktie allmählich wieder aus ihrem Kurstief. Wirecard-CFO Burkhard Ley sprach mit FINANCE über die wohl schwierigsten Wochen seiner Karriere – und macht ein klares Statement in Richtung Kapitalmarkt.

Seit mehr als zehn Jahren ist Burkhard Ley inzwischen Finanzvorstand beim Zahlungsdienstleister Wirecard. Der 24 Februar 2016 dürfte ihm dennoch in besonderer Erinnerung geblieben sein: An diesem Tag veröffentlichte der bis dato unbekannte Research-Dienst Zatarra schwere Anschuldigungen geben das Unternehmen, der Aktienkurs brach dramatisch ein. Von Höchstständen deutlich über 46 Euro ging es runter auf Werte um 32 Euro. Zunächst erholte sich die Aktie nur langsam, doch seit der Vorlage guter Quartalszahlen ist die Dynamik wieder auf Wirecards Seite: Vergangene Woche knackte der Kurs erstmals seit Mitte Februar wieder die 40-Euro-Marke.

„Zatarra bringt uns nicht von unserem Kurs ab“, sagte CFO Ley dem FINANCE-Magazin. Kursierende Sorgen bezüglich steigender Kapitalkosten für das TecDax-Unternehmen versucht er zu entkräften: „Ich glaube daran, dass Kapitalmärkte sich langfristig am Wachstumspotential von Unternehmen orientieren“, sagte Ley im Gespräch mit der Mai/Juni-Ausgabe von FINANCE. „Unser Geschäft hat sich seit Februar nicht verändert, unsere Finanzierung ist komfortabel: Das operative Geschäft können wir aus dem Cashflow finanzieren, Kapitalerhöhungen sind nicht nötig.“

Wirecard-CFO Burkhard Ley: „Zatarra-Vorwürfe sind falsch“

Der Wirecard-CFO hat das Zatarra-Papier, das Wirecard unter anderem Geldwäsche und illegales Glücksspiel unterstellt, eigener Aussage zufolge genau studiert: „Ich habe mir den 101 Seiten langen Report, der plötzlich im Internet verbreitet wurde, Seite für Seite durchgelesen. Danach wusste ich, dass kein einziger Vorwurf korrekt ist“, erklärte er.

Inzwischen beschäftigt der Fall neben internen Prüfern bei Wirecard auch die BaFin. Die Finanzaufsicht prüft einerseits, ob an den Vorwürfen von Zatarra etwas dran ist, aber auch, ob ein Fall von Kursmanipulation vorliegt. Im Vorfeld der Attacke hatten mehrere Hedgefonds auf einen Kursverfall der Wirecard-Aktie gewettet.

Ley hat in den vergangenen Jahren bei Wirecard eine starke Wachstumsgeschichte begleitet. 1999 wurde das Unternehmen mit Sitz in Aschheim bei München gegründet. Als Ley CFO wurde, hat Wirecard 82 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, 2015 waren es schon 771 Millionen Euro. Ein starker Wachstumstreiber waren Zukäufe in Asien, unter anderem der Erwerb der Great Indian Retail Group im vergangenen Jahr. Als nächstes peilt Ley einen großen Zukauf in Nordamerika an, um Wirecard auch diesen Schlüsselmarkt zu erschließen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wie Wirecard den Zatarra-Vorwürfen intern nachgegangen ist, welche M&A-Strategie das Unternehmen verfolgt und wonach Wirecard entscheidet, welchen Kaufpreis es für ein Unternehmen zu zahlen bereit ist, lesen Sie im ausführlichen Interview mit Burkhard Ley im aktuellen FINANCE-Magazin, das Sie hier bestellen oder als e-Paper beziehen können.

Alles über den Werdegang des Finanzvorstands finden Sie in unserem CFO-Almanach FINANCE-Köpfe auf der Seite zu Burkhard Ley.