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09.10.18
CFO

Wirecard greift nach den Sternen

Wirecard setzt sich extrem ambitionierte Ziele: Bis 2025 will der Dax-Neuling seinen Umsatz fast verfünfachen und sein Ebitda auf nahezu das Sechsfache steigern. Die Wirecard-Aktie reagiert deutlich auf die Pläne.

Der bayerische Zahlungsdienstleister Wirecard will sein aggressives Wachstum weiter forcieren und hat sich für die Zukunft enorm hohe Ziele gesteckt. Unter dem Namen „Vision 2025“ will der Dax-Neuling bis zum Jahr 2025 seinen Umsatz auf über 10 Milliarden Euro und seinen operativen Gewinn (Ebitda) auf mehr als 3,3 Milliarden Euro steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, soll das Volumen der von Wirecard abgewickelten Zahlungen auf über 710 Milliarden Euro steigen. In der ersten Jahreshälfte 2018 wickelte Wirecard noch ein Volumen von gut 56 Milliarden Euro ab.

Wie weit der geplante Sprung ausfällt, zeigt der Vergleich mit den jüngsten Jahreszahlen: 2017 erwirtschaftete Wirecard einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro und ein Ebitda von rund 413 Millionen Euro. Fünf Jahre davor, im Jahr 2013, standen noch ein Umsatz von 216 und ein Ebitda von 56,2 Millionen Euro zu Buche. 

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Alexander von Knoop, Wirecard AG

Alexander von Knoop startet seine Karriere 2001 als Investment Management Associate bei PricewaterhouseCoopers in Frankfurt.

2005 wechselt er als Interner Revisor zu der Wirecard Bank in Grasbrunn, wo er später im Jahre 2014 zum Vorstandsmitglied wird. Im Jahr 2016 wird er neben seiner Tätigkeit bei Wirecard auch Non-Executive Director bei GI Technology in Chennai, Indien.

Seit dem 1. Januar 2018 ist Alexander von Knoop CFO des Zahlungsdienstleisters Wirecard.

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Getragen werden sollen die ehrgeizigen Wachstumspläne von dem Trend hin zu digitalen Zahlungen über Mobiltelefone und E-Commerce-Plattformen. Dafür will das Unternehmen an zwei Punkten ansetzen: Zum einen soll die Verschmelzung von Online-, Mobile- und Point-of-Sale-Transaktionen beschleunigt werden. Zum anderen will Wirecard seine Wertschöpfungskette weiterentwickeln, um einen größeren Teil der Provisionen selbst zu kassieren. Neben Wirecard profitieren auch andere Zahlungsdienstleister von diesen Trends, was sich auch in interessanten M&A-Aktivitäten widerspiegelt.

Wirecard will Umsatz bis 2020 verdoppeln

Kurs auf seine neuen Langfristziele nimmt Wirecard mit großem Schwung: Im ersten Halbjahr konnte Wirecard mit starken Zahlen aufwarten. Der Dax-Neuling sieht sich auf Kurs, im laufenden Jahr ein Ebitda von 530 bis 560 Millionen Euro zu erzielen. Dies ist eine Anhebung der ursprünglichen Prognose, die noch auf einen operativen Gewinn von 520 bis 545 Millionen Euro abgezielt hatte. Den Umsatz konnte Wirecard im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 um gut 40 Prozent auf 477 Millionen Euro steigern.

Auch bei seinen mittelfristigen Prognose, der „Vision 2020“, sieht Wirecard-Chef Markus Braun das Unternehmen auf Kurs: Diese sieht eine Verdopplung des Umsatzes von 1,5 auf 3 Milliarden Euro und eine Ebitda-Marge von 30 bis 35 Prozent vor. Außerdem soll das Transaktionsvolumen auf mehr als 215 Milliarden Euro angehoben werden. Braun bestätigte diese Vorgaben als Zwischenziel seiner Vision 2025.

„Vision 2025“ bremst gestrigen Kursrückgang

Wirecard Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Für Wirecard kommt Brauns offensive Ankündigung zur richtigen Zeit. Am gestrigen Dienstag war die Wirecard-Aktie stark eingebrochen, der enorme Kursanstieg der vergangenen Monate schien sein Ende gefunden zu haben. Zeitweise büßte das Papier bis zu 13 Prozent ein. Am heutigen Dienstagmorgen kann sich die Aktie aber wieder um 5 Prozent erholen. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Wirecard-Aktie verdoppelt und dabei beim Börsenwert selbst die Deutsche Bank eingeholt.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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