ZF Friedrichshafen investiert über Corporate Venture Capital in Start-ups. CFO Konstantin Sauer spricht über die Ziele.

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01.12.16
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ZF-CFO Sauer: „Investments sind technologisch geprägt“

Vor wenigen Wochen hat ZF Friedrichshafen ein Corporate-Venture-Capital-Programm ins Leben gerufen. CFO Konstantin Sauer spricht mit FINANCE über die strategischen Ziele dahinter.

Herr Sauer, Sie haben mit der Übernahme von TRW voriges Jahr einen Mega-Deal abgeschlossen und waren auch stark an Haldex interessiert. Seit einiger Zeit aber schaut ZF auch verstärkt auf kleinere M&A-Deals mit Start-ups und jungen Unternehmen. Was steckt dahinter?
Wir haben mit der Zukunft Ventures GmbH eine eigene Gesellschaft gegründet, die sich an Technologieunternehmen beteiligt. Zukunft Ventures hat Mitte September ihre Arbeit aufgenommen. Unsere Investments dort sind technologisch geprägt: Für uns sind Beteiligungen dann spannend, wenn die Zielunternehmen in Technologiefeldern aktiv sind, die auch für ZF vielversprechend sind. Das können Start-ups sein, aber auch kleinere, schon etablierte Unternehmen. Sie erhalten mit uns einen starken Partner, wir bekommen im Gegenzug schnellen Zugang zu neuen Entwicklungen.

Wie stark gewichten Sie den finanziellen Aspekt der Investments?

Die Venture-Investments sind grundsätzlich Finanzbeteiligungen, aber mit einer inhaltlichen Anknüpfung an unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Es ist zum Beispiel denkbar, dass die Start-ups im Auftrag unserer Forschungsabteilung Aufträge bearbeiten. Es muss aber natürlich auch bei diesen Unternehmen die finanzielle Entwicklung stimmen. 

ZF hat bei Corporate Venture Capital keine Begrenzung

Viele Unternehmen setzen sich bei ihren Corporate-Venture-Capital-Programmen eine Obergrenze. ZF auch?
Nein, wir haben keine festen Ziele, was die Anzahl der Investments pro Jahr oder das anzulegende Budget betrifft. Wir schauen uns das Angebot an und entscheiden dann von Fall zu Fall. Insgesamt aber sind die Investments natürlich kleinere Aktivitäten. Unser strategisches Hauptziel ist es, nach der TRW-Übernahme den Verschuldungsgrad konsequent zu reduzieren. Dabei kommen wir gut voran. Nach dem Closing der TRW-Transaktion im Mai 2015 hatten wir eine Nettofinanzverschuldung von rund 8,8 Milliarden Euro. Nach dem dritten Quartal 2016 waren es noch 6,3 Milliarden Euro, das bedeutet einen Schuldenabbau von 2,5 Milliarden Euro in 15 Monaten. Der Schuldenabbau hat hohe Priorität. Dabei sind aber Zukäufe in der Größenordnung wie bei Haldex, wo wir zu einer Bewertung von rund 550 Millionen Euro gekommen wären, weiterhin möglich – und damit selbstverständlich auch Venture-Investments.

ZF hat sich kürzlich an dem Technologieunternehmen Ibeo beteiligt, das Software zur Umgebungserkennung entwickelt, die für autonomes Fahren benötigt wird. Fällt das bei Ihnen noch unter ein Venture-Investment?
Ibeo ist kein klassisches Start-up mehr, sondern schon weiter. Wir werden uns im Rahmen unseres Venture-Programms aber auch mit Minderheitsanteilen an kleineren Firmen beteiligen. Bei Ibeo haben wir 40 Prozent der Anteile übernommen. Für uns ist eine solche Beteiligung eine gute Möglichkeit, die Unternehmen in ihrer weiteren Entwicklung auch inhaltlich zu führen. Wir haben uns auch mit 40 Prozent an dem Software-Unternehmen Double Slash beteiligt, das bereits ZF-Lieferant ist. Gerade die Bereiche autonomes Fahren und Software-Engineering haben für uns hohe Priorität. Solche Beteiligungen werden künftig über die Zukunft Ventures laufen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wie der CFO das Tauziehen um Haldex erlebt hat und wie sich seine Position durch die transformatorische Übernahme von TRW Automotive verändert hat, lesen Sie in einem ausführlichen Interview in der aktuellen FINANCE-Ausgabe November/Dezember 2016, die Sie hier bestellen oder hier als E-Paper beziehen können.

Mehr über die Karriere-Highlights des ZF-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Steckbrief zu Konstantin Sauer.

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