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Showdown bei der Aareal Bank

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Das "finale Angebot" für die Aareal Bank liegt auf dem Tisch - wie gehen die Hedgefonds damit um? Foto: Aareal Bank

Auf den letzten Metern könnte es noch eng werden: Nachdem der aktivistische Investor Petrus Advisers sich bereits in der vergangenen Woche öffentlich gegen das Übernahmeangebot für die Aareal Bank gestellt hatte, wettert nun auch Mitaktionär Teleios Capital gegen die Offerte der beiden Private-Equity-Investoren Advent und Centerbridge. Das Konsortium hatte Ende November die Finger nach dem Wiesbadener Geldinstitut ausgestreckt und 29 Euro je Aktie geboten. Das entspricht einem Eigenkapitalwert von 1,74 Milliarden Euro.

„Für die Aktionäre der Aareal Bank wäre es besser, dieses Übernahmeangebot zu ignorieren und eine faire Gegenleistung zu fordern, die unserer Meinung nach 40 Euro je Aktie übersteigen könnte“, sagte Teleois-Gründer Adam Epstein der Nachrichtenagentur Bloomberg. Ihm sei Interesse anderer potenzieller Bieter für die Aareal Bank bekannt, so der Investor. „Aber Aareal, Advent und Centerbridge scheinen entschlossen zu sein, einen fairen Wettbewerb um jeden Preis zu vermeiden.“ Aktuell notiert das Papier bei rund 27 Euro.

Petrus Advisers: „In keiner Weise am Angebot interessiert“

Auch dem Hedgefonds Petrus Advisers ist die Offerte zu niedrig: „Wir sind weiterhin überzeugt, dass es substanziellen unentdeckten sowie unterentwickelten Wert sowohl bei Aareon, der Softwaretochter von Aareal, als auch im Bankgeschäft der Aareal gibt“, zitierte das „Handelsblatt“ den Petrus-Manager Till Hufnagel. Seine Rechnung: Alleine der Wert der IT-Tochter beliefe sich auf 1,7 bis 2,3 Milliarden Euro. Hinzu käme dann noch der Wert der Aareal Bank, den er auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro beziffert.

Petrus Advisers sei daher „in keiner Weise am Angebot von Advent und Centerbridge interessiert“, so Hufnagel gegenüber der Zeitung. Der Investor fordert sogar, die drei erst vor kurzem durch ein Gericht berufenen Aufsichtsratsmitglieder Friedrich Munsberg, Holger Giese und Ulrich Theileis wieder abzuwählen. Sie ersetzten in dem Gremium Marija Korsch, Christof von Dryander und Dietrich Voigtländer, die in einer außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Dezember abgewählt wurden. Die Kandidaten von Petrus Advisers verfehlten damals knapp die Mehrheit – auch wegen einer Panne bei der Abstimmung.

Die IT-Tochter Aareon, die erst in der vergangenen Woche einen Vorstandswechsel vermeldete, ist offenbar der zentrale Streitpunkt bei der Bewertung des Instituts. So zeigen etwa Dokumente, die Bloomberg vorliegen, dass Advent innerhalb nur weniger Monate nach dem Einstieg einen Wertzuwachs 45 Prozent bei Aareon ermittelt hat. Der Finanzinvestor ist seit August 2020 mit 30 Prozent an der IT-Tochter beteiligt. Schon beim Einstieg bewertete Advent das Geschäft mit 960 Millionen Euro und einem Ebitda-Multiple von 14x.

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Aktivisten bringen Aareal-Offerte ins Wanken

Was die Kritik der Aktivisten brisant macht: Sie kommen gemeinsam auf rund 21 Prozent der Anteile an der Aareal Bank und sind damit gewichtige Gegner. Auch der tschechische Investor Daniel Kretinsky, der 2019 vergeblich versuchte, den Handelskonzern Metro zu übernehmen, ist mit knapp 8 Prozent an den Wiesbadenern beteiligt. Damit entfallen insgesamt fast ein Drittel der Anteile auf Investoren, die das Übernahmeangebot voraussichtlich ablehnen werden.

Sollte sich Kretinsky tatsächlich mit den beiden Hedgefonds verbünden, wäre es für Advent und Centerbridge praktisch ausgeschlossen, die selbstgesteckte Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent zu erreichen. Wie aus einer heute veröffentlichen „Wasserstandsmeldung“ hervorgeht, wurden den Finanzinvestoren bis zum gestrigen Montagabend erst 2,9 Millionen Aareal Aktien angedient. Das entspricht knapp 5 Prozent der Stimmrechte. Somit haben Advent und Centerbridge nur noch zwei Tage Zeit, 65 Prozent der Anteile einzusammeln – von denen fast die Hälfte auf die aktivistischen Investoren und Kretinsky entfallen. Auch Indexfonds dürften nennenswert beteiligt sein. Diese dürfen vor Ablauf der Annahmefrist aus rechtlichen Gründen ihre Aktien nicht andienen.   

Legen Advent und Centerbridge nochmal nach?

Dass diese Konstruktion – eine hohe Mindestannahmeschwelle und Aktivisten, die sich gegen eine Übernahme stellen –  zum Scheitern einer Übernahme führen kann, verdeutlichte schon der Fall Vonovia/Deutsche Wohnen im vergangenen Jahr. Hier lag die Mindestannahmeschwelle des gescheiterten Übernahmeversuchs allerdings bei gerade einmal 50 Prozent. Dennoch stellten sich Aktivisten wie Elliott quer, um ein höheres Gebot zu erzwingen. Die Übernahme gelang daher erst im zweiten Anlauf und ohne eine Mindestannahmeschwelle.

Interessant wird nun sein, wie sich die beiden Bieter Advent und Centerbridge verhalten werden. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg analysiert hat, hat das Konsortium an keiner Stelle erwähnt, dass das aktuelle Angebot „das beste und finale Angebot“ sei – eine Aussage, die Bieter gern tätigen, um das Festhalten am aktuellen Preis zu betonen. Das könnte bedeuten, dass die Investoren ihr Angebot noch einmal nachbessern – oder sich zumindest die Möglichkeit dafür offenhalten. Sollte dies eintreten, verlängerte sich die Offerte automatisch um zwei Wochen.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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