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Calpers boykottiert Stimmrechtsbeschränkungen

Sitz des California Public Employees' Retirement System (Calpers) in Sacramento.
Calpers

Der US-Pensionsfond Calpers, einer der weltweit größten institutionellen Investoren, will Aktien mit multiplen Stimmrechtsstrukturen aus seinem Fonds verbannen. Das teilte das Management im Rahmen der Überarbeitung seiner Corporate-Governance-Richtlinien mit. Künftig, so Calpers, wolle man nur noch Aktien zeichnen, bei denen der Grundsatz „One Share, One Vote“ gelte. Aktien mit Stimmrechtsbeschränkungen, die der Fonds zurzeit halte, wolle man sukzessive abbauen.

Mit dieser Ankündigung prescht das Calpers-Management, das für seine aktive Shareholderschaft bekannt ist, wieder einmal vor. Vor allem in den USA sind sogenannte „Dual-Class-Aktiengattungen“, bei denen die Stimmrechte der einen Klasse entweder beschnitten oder die der anderen Klasse vervielfacht werden, bei CFOs angesagt. Daten vom Informationsdienstleister Dealogic zufolge, wurden bei jedem achten US-IPO mindestens zwei verschieden Aktiengattungen emittiert. Vor drei Jahren, als Deallogic mit der Aufzeichnung dieser Statistik begann, traf das nur bei jedem zwölften IPO zu.

One share, one vote – von wegen

Besonders im US-Technologiesektor ist die Emission von Dual-Class-Aktiengattungen verbreitet. Alle großen Tech-IPOs der vergangenen Jahre – LinkedIn, Groupon, Yelp, Zynga und nicht zuletzt Facebook – warten mit diesem „Feature“ auf. Mark Zuckerberg beispielsweise, Gründer und CEO von Facebook, hält nach dem Börsengang zwar nur 18 Prozent an dem sozialen Netzwerk, doch er kontrolliert damit 57 Prozent der Stimmrechte. Noch bunter trieb es Google: Der Suchmaschinenbetreiber emittierte im Rahmen eines Aktiensplits Anteilsscheine gänzlich ohne Stimmrechte.

In den USA, dem Mutterland von „One Share, One Vote“, stößt die Zunahme von Dual-Class-Aktiengattungen vielen Investoren sauer auf. Calpers bezeichnete die Praxis als „Anti-Governance“. Auch in Großbritannien regt sich der Widerstand von Asset Managern gegen eine – ihrer Meinung nach – schlechte Corporate Governance: Sie drängen darauf, entsprechenden Neuemissionen die Aufnahme in die führenden Aktienindizes zu verweigern, wo sie zwangsläufig Investorengelder durch passiv gemanagte Fonds erhalten würden. „Die Calpers-Ankündigung setzt ein deutliches Zeichen. Andere werden folgen“, glaubt Sarah Wilson, Chefin der britischen Aktionärsvertretung Manifest.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de