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Cash-Streits à la Apple in Deutschland nicht denkbar

143 Milliarden US-Dollar: So hoch ist aktuellen Schätzungen zufolge der Berg an Cashreserven, die das Apple-Management mit Argusaugen bewacht. Kein Wunder – 17 Jahre lang floss keine Dividende an die Aktionäre. Damit war im letzten Jahr Schluss, unter dem neuen CEO Tim Cook konnten die Aktionäre sich wieder über eine Auszahlung freuen. Die geht aber einigen angesichts des gigantischen Cashbergs nicht weit genug.

Allen voran David Einhorn, der über seinen Hedgefonds Greenlight Capital mit rund 0,12 Prozent an Apple beteiligt ist. Seine Forderung: Apple solle die Aktionäre über die Ausgabe von neuen Vorzugsaktien – von Einhorn „iPrefs“ getauft – im Wert von 50 Milliarden Dollar und mit einer Dividende von 4 Prozent endlich mehr vom großen Kuchen teilhaben lassen.

Formfehler ärgern Tim Cook

Dass Einhorn vor einem New Yorker Gericht Recht bekam und eine einstweilige Verfügung gegen die Abstimmung erwirken konnte, lag aber keineswegs an Überlegungen zur Schutzwürdigkeit der Aktionäre. Vielmehr wurde Apple ein formeller Fehler zum Verhängnis: Die Abstimmung über den strittigen Punkt war auf der Hauptversammlung mit der über zwei weitere Tagesordnungspunkte verknüpft. Damit hätten die Aktionäre keine Chance gehabt, in einem Punkt zuzustimmen und in einem anderen zu widersprechen.

Ein Verstoß gegen die Vorschriften der US-Börsenaufsicht SEC, fand Einhorn – der Bezirksrichter schloss sich an. Nachdem der Hedgefonds-Manager mit diesem Zwischenerfolg die für Ende Februar angesetzte Abstimmung ohnehin definitiv gekippt hatte, zog er diese Woche schließlich auch seine offiziell eingereichte Klage zurück.

CEO Cook ärgerte sich über den Rechtsstreit als „dümmlichen Nebenschauplatz“. Sollte es bald zur Ausschüttung größerer Beträge kommen, hätte Apple ohnehin noch ein ganz anderes Problem: Der Technologiekonzern parkt das Gros seiner Reserven im Ausland, nach Schätzung von Einhorn an die 94 Milliarden Dollar. Bei Überführung in die USA dürfte sich der Fiskus dort über bis zu 33 Milliarden Dollar Steuern freuen.

Mitspracherecht der Aktionäre in Deutschland

Was in den USA hohe Wellen geschlagen hat, ist aus der Sicht deutscher CFOs dagegen ein ausgeschlossenes Szenario. Cashreserven gegen den Willen der Hauptversammlung zu bunkern, ist nicht möglich. Denn das Aktienrecht schreibt Vorstand und Aufsichtsrat vor, mit dem Jahresüberschuss zunächst die gesetzlichen Rücklagen aufzufüllen, von dem dann verbleibenden Cash darf außerdem maximal die Hälfte in andere Gewinnrücklagen eingestellt werden. Der Rest gilt als Bilanzgewinn – und über dessen Verwendung entscheiden die Aktionäre auf der Hauptversammlung. Zwar dürfen die Organe einen Vorschlag über die Verwendung des Gewinns machen, an diesen sind die Aktionäre allerdings nicht gebunden.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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