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Evoniks Pre-IPO wird keine Blaupause für andere Börsengänge

Evonik

Als Evonik im Sommer 2012 seine Börsenpläne zum dritten Mal begraben musste, war die Verunsicherung in dem von der Politik geprägten Konzern groß. Der Haupteigentümer RAG-Stiftung, an dessen Spitze die früheren Politiker Werner Müller (CEO) und Helmut Linssen (CFO) stehen und der für die Versorgung der Ruhrbergmänner und die Atlasten des Bergbaus geradesteht, suchte mit dem auf einen Exit drängenden Finanzinvestor CVC (25,1 Prozent, seit 2008 dabei) nach einem Ausweg.  Der Spezialauftrag  an die kleine, aufstrebende Investmentbank Main First war klar: Beim nächsten Mal durfte nichts schiefgehen.

Herausgekommen ist jetzt eine raffinierte Lösung: Vorab wurden knapp 4 Prozent der Anteile an institutionelle Investoren platziert, bei denen es sich um Hedgefonds und klassische Long-Only-Investoren handeln dürfte. Weitere 3 Prozent sollen auf gleichem Weg platziert werden und schließlich weitere 3 Prozent an der Börse. Das Unternehmen soll dabei mit rund 14 Milliarden Euro bewertet worden sein.

Das entspräche einem Free-Float-Wert von fast 1,4 Milliarden Euro, womit Evonik ein eher kleiner MDax-Player wäre, zumal die Handelsaktivität der Aktie, die ebenfalls Index-Kriterium ist, schwach sein wird. Elegant ist die Dealstruktur vor allem deshalb, weil die Eveonik-Eigentümer für die Notierungsaufnahme nur noch rund 400 Millionen Euro platzieren müssen, und für diese Summe ist das Interesse offenbar groß genug, obwohl die Bewertung jetzt deutlich höher ist als im Sommer – damals soll die Schmerzgrenze der Gesellschafter bei 12 Milliarden Euro gelegen haben.

Evonik-Privatplatzierung unter dem Radar der Öffentlichkeit

Zudem ist dank des Charakters einer Privatplatzierung zwar ein Börsenprospekt nötig, wie FINANCE erfuhr. Dieser ist indes weit weniger öffentlich als bei einem regulären IPO. Grund: Keine einzige Aktie geht an Privatanleger. Ein weiterer Vorteil für Evonik: Wenn das Listing erfolgt ist, erhält Evonik über den Börsenkreis eine direkte Wertindikation. Damit dürften Preisstreitigkeiten kein Thema mehr sein, wenn die Altgesellschafter in den kommenden Monaten weitere Anteile an die Börse bringen würden. So elegant das klingt: Dass  das Modell Evonik jetzt zum Vorbild für viele weitere IPO-Kandidaten wird, ist unwahrscheinlich. Oliver Diehl, Head of Equity Capital Markets bei der Berenberg Bank, sieht Evonik gegenüber FINANCE als „singulären Fall mit einer innovativen Struktur“. Unmittelbare Auswirkungen – zum Beispiel auf den Osram-IPO – dürfte es nicht geben, denn dort ist das Bankenkonsortium schon mandatiert, und die Siemens-HV hat den Spin-Off von 80 Prozent der Anteile beschlossen. Auch bei Osram wird jetzt wohl nichts mehr schiefgehen, da den Siemens-Aktionären am  22. April einfach nur anteilig Osram-Papiere ins Depot gebucht werden sollen.

Große und kleine IPOs bleiben schwierig

Das Ausweichmanöver von Evonik wirft erneut Licht auf die Problemlage am deutschen IPO-Markt. Eine Platzierung von 25 bis 50 Prozent der Anteile, was einem Dealvolumen von 3,5 bis 7 Milliarden Euro entsprochen hätte, traute sich Evonik offenbar nicht zu: zu preissensibel sind die großen Investoren nach wie vor. „Ab einem Emissionsvolumen von 2 Milliarden Euro wird es schwierig“, meint Diehl. Auch die Deutsche Annington, deren Immobilien einen Buchwert von rund 10 Milliarden Euro haben, die aber hoch verschuldet ist, dürfte bei ihren in Finanzkreisen bestätigten IPO-Plänen „nur“  eine Platzierung von 10 bis 20 Prozent der Anteile anstreben.

Für Mittelständler ist der von Evonik eingeschlagene Weg leider keine Option. „3 Prozent bei einer Unternehmensbewertung von 200 Millionen Euro zu platzieren, ist abwegig“, sagt ein IPO-Banker zu FINANCE. Für IPOs unter 100 Millionen Euro Emissionsvolumen sei der Markt ohnehin schwierig, behauptet Diehl. „Investoren sind immer noch skeptisch gegenüber illiqiden und möglicherweise intransparenten Werten“, sagt der Leiter des Aktiengeschäfts der Hamburger Privatbank. Der Fall des inzwischen insolventen Familieunternehmens Hess, das im Herbst mit offenbar gefälschten Bilanzen an die Börse ging, wirkt nach.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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