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Goldman Sachs rät CFOs von Aktienrückkäufen ab

Die Konzerne sollen endlich Schluss machen mit den Aktienrückkäufen. Das ist die Kernbotschaft eines Analystenberichts der Investmentbank Goldman Sachs. Stattdessen sollten die CFOs das Geld lieber benutzen, um andere Unternehmen zu kaufen, rät die Investmentbank.

Goldman stellt sich damit gegen den Zeitgeist. Die Zinsen sind niedrig, die Bewertungen an der Börse hoch, und die Unternehmen haben viel Geld zur Verfügung. In diesem Umfeld kaufen Firmen gerne ihre eigenen Aktien zurück, um den Kurs weiter zu treiben. Aktivistische Investoren , die auch in Deutschland immer aktiver werden, fordern Aktienrückkäufe häufig von CFOs ein – vor allem in den USA. Dort haben die im Aktienindex S&P 500 notierten Unternehmen laut Goldman in den vergangenen fünf Jahren mehr als 2 Billionen Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben.

Goldman Sachs sieht Überbewertung am Aktienmarkt

Doch CFOs sollten sich nicht zu dieser Kurskosmetik verführen lassen, meint das Goldman-Team um den Marktstrategen David Kostin, das den aussagekräftig betitelten Bericht „What managements should do with their cash (M&A) and what they will do (buybacks)“ verfasst hat.

Denn Aktien seien, insbesondere in den USA, hoch bewertet – im S&P 500 liege das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis bei 18,1 und damit in den obersten 2 Prozent seit 1976. Darum sollten die Konzerne lieber mit Aktienrückkäufen warten, bis die Papiere wieder niedriger bewertet seien, und das Geld vorerst lieber nutzen, um andere Unternehmen zu kaufen.

Aktienrückkäufe dürften weiter zunehmen

Allerdings rechnet Goldman nicht damit, dass die CFOs die Ratschläge annehmen: Im laufenden Jahr dürften die Aktienrückkäufe in den USA um 18 Prozent auf mehr als 600 Milliarden Dollar steigen und damit mehr als 30 Prozent des insgesamt aufgewendeten Geldes der Unternehmen ausmachen.

Kostin und sein Team haben für ihre Empfehlung ein schlagendes empirisches Argument zur Hand: „Wie Investoren sind auch Manager schlecht im Markt-Timing“, kommentieren sie. Kurz vor der Finanzkrise, als die Märkte auf einem Rekordhoch waren, hätten Unternehmen mehr als ein Drittel ihres Geldes in Aktienrückkäufe gesteckt. 2009, bei Tiefstständen, seien es nur 13 Prozent ihres jährlich insgesamt eingesetzten Geldes gewesen.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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