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Mehrheitseigner Heeschen legt bei Heckler & Koch Geld nach

Kapitalspritze für Heckler & Koch: Mehrheitseigentümer Andreas Heeschen stellt 60 Millionen Euro bereit
Bernd Weissbrod/Picture Alliance/dpa

Es ist wieder November, und wieder erhält Heckler & Koch eine neue Finanzierung. Doch während im vergangenen Jahr noch ein namentlich nicht genannter Geldgeber einsprang, engagiert sich dieses Mal der Mehrheitseigentümer selbst. Andreas Heeschen, der 51 Prozent an dem Unternehmen hält, hat Heckler & Koch 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Mit den Mitteln will Heckler und Koch seine Finanzverbindlichkeiten reduzieren. Die Mitteilung über die Kapitalspritze kam am heutigen Dienstag, nur einen Tag nach dem Kupontermin für die mit 9,5 Prozent verzinste Anleihe, deren Zinsen jeweils Mitte Mai und Mitte November gezahlt werden. Das Papier im Volumen von 295 Millionen Euro wird im Mai 2018 fällig.

Bereits im vergangenen November hatten die Oberndorfer sich durch eine Absprache mit einem unbekannten Geldgeber Luft verschafft. FINANCE-Informationen zufolge soll es sich bei dem Geldgeber um einen britischen Fonds handeln. Vor dem Zinstermin hatte dieser offenbar eine besicherte Betriebsmittellinie über 30 Millionen Euro eingeräumt. 

Heckler & Koch will Schulden senken

Die neue Finanzspritze von Mehrheitsaktionär Heeschen kann Heckler & Koch gut gebrauchen. Das Unternehmen teilte mit, der Liquiditätsrahmen von Heckler & Koch erhöhe sich damit auf etwa 100 Millionen Euro, davon befänden sich rund 70 Millionen Euro in der Kasse. Hinzu kommt die Kreditlinie in Höhe von 30 Millionen Euro. Rechnet man die frischen Mittel ab, war der Kassenbestand damit zuvor mager.

Einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ zufolge soll es sich bei der Kapitalspritze um ein abgeschriebenes Gesellschafterdarlehen aus dem Jahr 2008 handeln, das wieder auflebe und von Heeschen zurückbezahlt werde. Das Geld sei durch Umschichtungen in dessen Privatvermögen entstanden. Das Heckler & Koch-Management um den 2014 angetretenen CFO Reinhold Müller erhofft sich von der neuen Struktur nun „mehr Flexibilität in der Planung und der Gestaltung der zukünftigen Bilanzen“, heißt es vom Unternehmen. Bereits im Juli dieses Jahres hatte Heckler & Koch ein Listing an der Pariser Börse Euronext vollzogen, um sich neue Spielräume zu eröffnen. 

Heeschen will Rating von Heckler & Koch verbessern

Großaktionär Heeschen will auch das Rating des Waffenherstellers in Angriff nehmen. Man müsse das schlechte Image von Heckler & Koch am Finanzmarkt korrigieren, zititert die Nachrichtenagentur Reuters den Investor. Demnach stört sich Heeschen am Rating von CCC, das tief im Ramschbereich angesiedelt ist. Mit einem Rating von B wäre man wieder salonfähig, meint Heeschen. Rund 100 Millionen der insgesamt rund 300 Millionen Euro Schulden will der Mehrheitsaktionär abbauen und damit auch die Zinskosten um ein Drittel senken.

Heeschen hatte im Februar die Führung des gesamten operativen Geschäfts der Gruppe übernommen und in den Folgemonaten die Geschäftsführung verstärkt. Jetzt kümmert er sich dem Unternehmen zufolge in der neuen Struktur vornehmlich um strategische Fragen. Dabei spielen die Finanzen eine zentrale Rolle. Die bis 2018 laufende Hochzinsanleihe will Heeschen schon ein Jahr früher refinanzieren. Zuletzt waren nach einem drastischen Gewinneinbruch Zweifel laut geworden, ob Heckler & Koch das Papier noch bedienen kann. Dank Heeschens Finanzspritze steigt der Anleihekurs heute jedoch auf über 86 Prozent des Nennwerts, so viel wie noch nie in diesem Jahr.

Doch die Ergebniszahlen entwickeln sich offenbar schwach. Heckler & Koch erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2012 noch einen Umsatz von 235 Millionen Euro. Berichten zufolge soll dieser im Geschäftsjahr 2014 auf rund 150 Millionen Euro eingebrochen sein. In diesem Jahr soll er wieder auf 180 Millionen Euro steigen, berichtet die Agentur Reuters. Unerwartete Publicity erhält Heckler & Koch derzeit neuerdings aus London, von Kinoheld James Bond – der die Waffe zumindest kurz in der Hand hält. Die Einbrüche aus dem Waffen-Exportverbot in den Mittleren Osten wird dies aber wohl nicht aufwiegen: Der operative Gewinn (Ebitda) ist Berichten zufolge im vergangenen Jahr auf rund 25 Millionen Euro gesunken, nach rund 60 Millionen Euro im Vorjahr.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Alle News rund um die Finanzen der Waffenschmiede finden Sie auf unserer Themenseite Heckler & Koch.

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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