Newsletter

Abonnements

Praktiker (vorerst) gerettet

Die kriselnde Baumarktkette hat Zeit gewonnen.
Praktiker

Wer in diesen Tagen in der Praktiker-Finanzabteilung arbeitet, braucht Nerven wie Drahtseile. Erst in dieser Woche ist ein Anfang Oktober zugesagtes Finanzierungspakt endgültig durchgegangen. Am vergangenen Dienstag einigte sich der Baumarktkonzern mit Klageaktionären, die gegen die dringend notwendige Kapitalerhöhung Einspruch eingelegt hatten. Jetzt werden Investoren rund um die österreichische Gesellschaft Donau Invest eine Kapitalerhöhung über 60 Millionen Euro bringen. Diese war bereits als sogenannte „Backstopp-Vereinbarung“ garantiert worden.
  
Die Fremdkapitalseite wurde auch durch neue Kredite geordnet. Die österreichische Bank Semper Constantia schaffte es in nur einem Monat, was in den Verhandlungen mit dem Hedgefonds Anchorage in drei Monaten nicht gelungen war. Zu etwas günstigeren Konditionen (Insider sprechen von insgesamt zwischen 30 und 40 Millionen Euro über die gesamte Laufzeit) wird über die Berenberg Bank ein Darlehen zur Verfügung gestellt. Investoren, die namentlich nicht bekannt sind, wollen der Baumarktkette das Geld zur Verfügung stellen. Besonders heikel bei den Verhandlungen: Die Besicherung mit der Baumarktkette Max Bahr. Ende September wäre eine Brückenfinanzierung mit verschiedenen Banken ausgelaufen, die dann dringend abgelöst werden musste. Ein Konsortium dem Postbank und RBI angehören und das von der Commerzbank geleitet wird, stellt jetzt eine Betriebsmittellinie über 60 Millionen Euro zur Verfügung.

Keine Einigung mit Anchorage

Eigentlich hatte Praktiker mit dem US-Hedgefonds Anchorage eine neue Finanzierung auf die Beine stellen wollen. Doch selbst innerhalb der Frist von drei Monaten erzielten der Praktiker-Vorstand und der Investor keine Einigung darüber, wie FINANCE exklusiv meldete. Ende August war klar, dass die beiden Parteien nicht zusammenkommen würden. „Damals stand Praktiker kurz vor dem Aus“, sagt ein Insider. Doch man besann sich auf das Angebot der österreichischen Privatbank Semper Constantia.

Bereits im Frühjahr gab es einen Schreckmoment für Praktiker. Damals gab es schon große Fragezeichen am Fortbestand. Ein Gutachten der Beratung Boston Consulting Group (BCG) hatte einen Finanzbedarf im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erbracht. Die Investmentbank Lazard eruierte daraufhin den Markt, musste aber feststellen, dass eine Finanzierung in dieser Größenordnung für die Baumarktkette in diesem Moment nicht umsetzbar war. Ein neues Sanierungskonzept von Roland Berger erbrachte deutlich geringere Sanierungskosten und ebnete den Weg für die jetzige Struktur. Kern der neuen Strategie ist es, ausgewählte Praktiker-Märkte in die Premiummarke Max Bahr umzusatteln. Klar ist: Praktiker hat durch die Finanzierung nun Zeit gewonnen, die Sanierung voranzutreiben. Ob bei den anhaltenden Verlusten im Jahr 2013 der Turnaround gelingen wird, ist aber längst nicht gesagt.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.