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Private Equity: Deutschland koppelt sich vom Welttrend ab

Deutschland im Fokus: Während das Geschäft global gesehen schwächelt, wendet sich Private Equity immer mehr Zentraleuropa zu.
Naruedom/Thinkstock/Getty Images

Am globalen Private-Equity-Markt öffnet sich die Schere zwischen neu eingeworbenen Mitteln und eingegangenen Investments immer weiter. Wie das Beratungshaus Bain ermittelt hat, verfügen die Finanzinvestoren nach einem regelrechten Fundraising-Boom derzeit weltweit über rund 500 Milliarden US-Dollar an noch nicht ausgegebenen Geldern für neue Buy-outs – so viel wie noch nie.

Gleichzeitig erlahmt der Deaflow: Weltweit sank laut Bain die Zahl der neuen Buy-outs 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf unter 1.500, das Investitionsvolumen um 14 Prozent auf 257 Milliarden Dollar. Die Deal-Anzahl liegt damit nur noch geringfügig über dem Niveau des Krisenjahres 2009.
  
Ein ähnliches Bild zeigt sich in Europa, wo die Dynamik vor allem von Großbritannien belastet wurde. Der dort traditionell starke Markt für Private Equity hat wegen des Brexit-Votums 2016 einen schweren Einbruch von 78 Prozent beim Dealvolumen erlebt.

Private Equity mit stark wachsendem Volumen in der DACH-Region

Der deutschsprachige Private-Equity-Markt hat sich von diesen Trends offenbar völlig abgekoppelt. Hier boomt das Geschäft, wenngleich Bain und die WP-Gesellschaft PwC zu unterschiedlichen Zahlen kommen: Während Bain für Deutschland, Österreich und die Schweiz im vergangenen Jahr etwas weniger Deals als 2015 zählte, dafür aber einen deutlichen Anstieg beim Marktvolumen (plus 82 Prozent auf 26 Milliarden Dollar), berichtet PwC bei beiden Kennzahlen von deutlichen Zuwächsen: Die Zahl der Akquisitionen durch PE-Investoren habe sich 2016 in der DACH-Region um 28 Prozent auf 214 erhöht, beim Marktvolumen kommt PwC auf einen ähnlichen Anstieg wie Bain: plus 83 Prozent auf 25 Milliarden Euro.

Die größten Deals waren der Kauf des Immobilienunternehmens Officefirst durch Blackstone für 3,3 Milliarden Euro sowie der Verkauf des deutschen Chemiegeschäfts des französischen Ölriesen Total („Atotech“) an Carlyle für 2,9 Milliarden Euro.

Von FINANCE erhobene Daten haben schon im Januar ein sehr starkes Jahr für den deutschen Mid-Market belegt: Bei Deals mit einem Wert von 50 bis 250 Millionen Euro – dem klassischen deutschen Mittelstandsgeschäft – war 2016 für PE-Investoren in Deutschland das beste Jahr seit der Finanzkrise.

Deutschland-Boom könnte 2017 weitergehen

Bain und PwC glauben, dass die Outperformance der DACH-Region anhalten wird – auch weil hier das Private-Equity-Geschäft von den Verwerfungen des Brexits profitiert: „Selbst jene Beteiligungsgesellschaften, die sich bislang vor allem auf Großbritannien konzentrierten, sehen sich nun vermehrt in Kontinentaleuropa nach Anlagezielen um“, berichtet Steve Roberts, Private-Equity-Experte von PwC. „Aufgrund seines starken Mittelstands und des ‚Safe Haven‘-Arguments ist Deutschland besonders attraktiv.“

Indizien für einen weiteren Aufschwung gibt es Roberts zufolge reichlich: So planen 70 Prozent von 250 PE-Managern, die PwC befragt hat, ihre Investitionen in Deutschland zu erhöhen. Für 75 Prozent gilt Deutschland derzeit als sehr attraktiver Private-Equity-Markt in Europa. Großbritannien (63 Prozent), die Schweiz (60 Prozent) und die Niederlande (56 Prozent) folgen mit deutlichem Abstand.

Auch der Anteil der Private-Equity-Manager, die für den deutschen Private-Equity-Markt 2017 weiteres Wachstum erwarten, ist mit 43 Prozent überdurchschnittlich hoch. Zudem sind laut PwC rund 80 Prozent der in Deutschland tätigen Private-Equity-Manager mit der Entwicklung ihrer Portfolios zufrieden – international sind es nur 42 Prozent.              

Info

Deals, Personalia, Fundraisings, Marktdaten: Viele weitere aktuellen News aus der Beteiligungsbranche gibt es auf unserer Themenseite zu Private Equity.

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