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Private Equity: Kaufpreise schießen durch die Decke

Immenser Druck am deutschen Private-Equity-Markt: Die Kaufpreise steigen immer weiter, und jetzt kommen auch noch die Chinesen.
Digital Vision / Thinkstock / Getty Images

Die Preise am deutschen Private-Equity-Markt haben ungeahnte Höhen erreicht – so hoch, dass selbst die meisten Private-Equity-Manager sich mit den aktuellen Bewertungen nicht mehr wohlfühlen. Wie das aktuelle FINANCE Private Equity Panel zeigt – eine anonyme Umfrage, die FINANCE gemeinsam mit der Kanzlei CMS regelmäßig unter gut 40 führenden Private-Equity-Häusern durchführt –, nehmen die Finanzinvestoren die Preise für Neu-Investments so teuer wahr wie noch nie seit dem Beginn der Befragungen Anfang 2010.

Trotzdem sieht sich die Mehrzahl der befragten Private-Equity-Häuser noch immer eher als Käufer von Unternehmen. Von einer taktischen Umkehr in der Positionierung am M&A-Markt ist bei den Investoren nichts zu sehen. Dies ist ein weiterer Hinweis auf den hohen Anlagedruck, der auf der PE-Branche lastet, seitdem immer mehr Kapital in den Sektor fließt, der Dealflow aber nicht zunimmt.

Branchenexperten führen den höher werdenden Druck auch auf die zunehmende Konkurrenz durch neuartige Wettbewerber zurück: „Immer mehr Player, die sich früher mit direkten Investments schwer getan haben, mischen inzwischen am deutschen Private-Equity-Markt mit, zum Beispiel Staats- und Pensionsfonds“, meint etwa der Private-Equity-Anwalt Tobias Schneider von der Kanzlei CMS. „Das treibt die Preise.“

Private-Equity-Fonds reagieren unterschiedlich auf Kaufpreisrally

Trotzdem können es sich nur wenige Fonds erlauben, Neu-Investments zurückzustellen, schließlich laufen ihre Investitionsperioden in der Regel nur drei bis sieben Jahre – dann muss das Geld investiert sein. Private-Equity-Häuser, die Fonds mit unbegrenzter Laufzeit verwalten, reagieren derzeit flexibler auf das Marktumfeld. Beispiel Hannover Finanz: Das Traditionshaus hat vorige Woche bekanntgegeben, noch nie so viele Unternehmen verkauft zu haben wie im abgelaufenen Jahr. Das Resultat war ein Gewinn auf Rekordniveau. Andere Investoren verbünden sich mit früheren Widersachern: „Wir sehen vermehrt Co-Investments zwischen Private-Equity-Häusern und strategischen Investoren“, berichtet Schneider.

Öffentlich weisen die Private-Equity-Investoren die Beobachtung zurück, wonach es an neuen Transaktionsgelegenheiten mangelt. Gleichwohl fordert die angespannte Marktlage erste Opfer: Vor kurzem kündigte der frühere Branchenpionier Odewald an, seinen Flaggschifffonds nicht mehr neu aufzulegen. Als Grund nannten die Berliner einen ungesund hohen Konkurrenzdruck im deutschen Private-Equity-Markt, insbesondere bei den mittelgroßen Deals.

PE-Manager erwarten massiven Vorstoß von chinesischen Käufern

Der aktuelle Vormarsch chinesischer Käufer im deutschen M&A-Geschäft könnte den Markt weiter anheizen. Mit der Ex-E.on-Tochter EEW Energy from Waste und dem Maschinenbauer Krauss Maffei wurden in den zurückliegenden Monaten gleich zwei große Private-Equity-finanzierte Unternehmen an Chinesen verkauft.

Die deutschen Private-Equity-Manager glauben, dass dieser Trend mindestens anhalten, wahrscheinlich sogar noch weiter an Dynamik gewinnen wird: Fast 90 Prozent der Befragten des jüngsten FINANCE Private Equity Panels erwarten für die nächsten zwölf Monate mehr M&A-Deals mit Beteiligung chinesischer Investoren im deutschen Mittelstand als im vergangenen Jahr.

Finanzinvestoren meiden die deutsche Autoindustrie

Das starke Interesse der Investoren erstreckt sich allerdings nicht auf alle Branchen. Besonders populär sind nach wie vor Zielunternehmen aus den Bereichen Healthcare, Software/IT und Dienstleistungen. Diesen drei Branchen weisen die FINANCE-Panelisten die mit Abstand höchsten Attraktivitätswerte zu.

In anderen Sektoren hinterlässt die Kombination aus ambitionierten Bewertungen und tendenziell steigenden Preis- und Absatzrisiken deutliche Spuren. Insbesondere die Anziehungskraft der Automobilindustrie hat schwer unter der Abgasthematik gelitten. Kaum noch einer der befragten PE-Manager sieht in deutschen Autozulieferern derzeit interessante Investitionsziele. Noch schlechter gelitten sind derzeit – trotz der boomenden Baukonjunktur – nur noch Baufirmen.

Die Erneuerbaren Energien hingegen scheinen ihre Talfahrt beendet zu haben – der Sektor stabilisiert sich auf niedrigem Niveau. Er verbessert sich in der Wahrnehmung der Finanzinvestoren von 15 Branchen auf Rang 12 und überholt damit im Vergleich zur Befragung im Februar die Auto-, die Bau- und die Finanzindustrie.  

Info

Die ausführlichen Ergebnisse des aktuellen FINANCE Private Equity Panels finden Sie zum kostenlosen Download in der Untersektion FINANCE-Panels im Bereich FINANCE-Research.

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