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So positioniert Ardian seinen Growth-Capital-Arm

Taschen, Rucksäcke – und ein digitalaffines Management: Das dürften nur einige der Aspekte sein, die Ardian Growth von der Kölner E-Commerce-Firma Kapten & Son überzeugt haben.
Kapten & Son

Erste Deutschland-Transaktion für Ardian Growth: Der Wachstumskapitalarm des französischen Private-Equity-Investors Ardian steigt minderheitlich bei Kapten & Son ein. Das Investment tätigt der Finanzinvestor aus dem 320 Millionen Euro schweren „Ardian Growth Fonds II“.

Kapten & Son wurde im Jahr 2014 von Johannes Theobald, Artjem Weissbeck und Fabian Deventer in Köln gegründet. Das E-Commerce-Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt Lifestyle- und Fashion-Accessoires wie Rucksäcke, Sonnenbrillen und Uhren. Nach Angaben von Ardian hat sich der Umsatz in den vergangenen zwei Jahren auf 50 Millionen Euro verdreifacht.

In der Regel investiert Ardian Growth zwischen 15 und 35 Millionen Euro an Eigenkapital pro Unternehmen. Die Bewertungs-Multiples für E-Commerce-Firmen rangieren derzeit im Schnitt zwischen 0,8x und 2x Umsatz. Auf Basis des geschätzten jüngsten Umsatzes von Kapten & Son könnte das Unternehmen bei der Transaktion mit 40 bis 100 Millionen Euro bewertet worden sein. Nach FINANCE-Informationen hat sich Ardian Growth bei der M&A-Auktion gegen weitere Finanzinvestoren aus Deutschland, aber auch aus den USA durchgesetzt. Das könnte den Preis für Kapten & Son tendenziell in den oberen Bereich der Bewertungsspanne getrieben haben.

Ardian ließ sich bei der Transaktion von McDermott Will & Emery, Deloitte und der französischen Unternehmensberatung Singulier beraten und erhielt zudem Unterstützung vom deutschen Buy-out-Team. Kapten & Son wurde beim Verkauf von GCA Altium und Gütt Olk Feldhaus beraten. Wie Manager von Ardian Growth FINANCE verrieten, hat der Deal Signalwirkung für das weitere Engagement des PE-Fonds am deutschen M&A-Markt.

Ardian Growth sucht digitalaffine B2C-Firmen

Die Historie von Ardian Growth reicht bis in das Jahr 1998 zurück. Seitdem hat der Wachstumskapitalarm des Finanzinvestors nach eigenen Angaben über 100 Investments getätigt, vornehmlich in Frankreich und in weiteren europäischen Ländern wie der Schweiz, Spanien und Italien. Sich selbst verortet der Growth-Investor zwischen lokalen Private-Equity-Firmen, die Growth-Investments tätigen und den US-Größen mit eigenem Wachstumskapitalarm.

Dass Ardian Growth sein erstes Deutschland-Investment erst jetzt tätigt, begründet Laurent Foata, Head of Ardian Growth, mit der Vorarbeit, die der Finanzinvestor noch zu leisten hatte: „Es dauert viele Jahre, um einen erfolgreichen Track Record aufzubauen, der den Unternehmern zeigt, wo unsere Stärken liegen und warum sie uns vertrauen können.“

Jetzt ist daher der „perfekte Zeitpunkt“ gekommen, um in Deutschland vorzupreschen, findet Foata: „Ich beobachte seit einigen Jahren, dass deutsche Unternehmer verstärkt ins europäische Ausland expandieren wollen und dafür Sparringspartner benötigen, die als Kapitalgeber, aber auch als strategische Partner fungieren.“

Ardian Growth investiert hauptsächlich in schnell wachsende B2C-Firmen mit starken Unternehmern, die sich mit den Themen Digitalisierung und Technologie gut auskennen, und dieses digitale Know-How auch zu ihrem Wettbewerbsvorteil machen. Im Mai 2020 ist Ardian Growth zum Beispiel bei der Schweizer E-Commerce-Firma Produce Shop eingestiegen, die online Möbel und Garten-Accessoires vertreibt.

Romain Chiudini: „Kapten & Son ist hochprofitabel“

In dieses Schema passt laut eigener Aussage auch Kapten & Son: „Das E-Commerce-Unternehmen ist hochprofitabel und benötigt Wachstumskapital für die nächsten Schritte bei der Expansion – darüber hinaus aber auch einen Investor, der operative Themen aktiv mitbegleitet“, berichtet Director Romain Chiudini, der die Transaktion für Ardian Growth im Lead begleitet hat.

So designt Kapten & Son die Produkte nicht nur selbst und verkauft sie im eigenen Onlineshop, sondern setzt beispielsweise auch auf Data Analytics bei der Analyse der Kunden und ihres Kaufverhaltens. Zudem verfügen die Kölner laut Ardian Growth über einen aussagekräftigen Auftritt auf sozialen Netzwerken wie Instagram. Diese Kombination habe Ardian Growth an dem Minderheitsinvestment gereizt.

Ardian Growth plant weitere Deutschland-Deals

Operatives Mitspracherecht trotz eines Minderheitsanteils widerspricht sich für den Finanzinvestor nicht: „Wenn die Unternehmer mehrheitlich an ihrer Firma beteiligt bleiben, incentiviert sie das dazu, aktiv an der Weiterentwicklung des Unternehmens mitzuarbeiten“, so Director Chiudini. Das Investment sei aber flexibel und könne in den nächsten Jahren aufgestockt werden. Ob es aber irgendwann einmal ein Mehrheitsanteil an Kapten & Son werden wird, darauf will sich der Investmentmanager nicht festlegen lassen.

Die Strategie, die Ardian Growth bei Kapten & Son verfolgt, steht dafür aber schon fest: Das neue Portfoliounternehmen soll zunächst in Deutschland weiter wachsen. Danach wollen die Kölner den französischen Markt erschließen, bevor die Produkte auf der ganzen Welt verkauft werden sollen. „Das Wachstum möchten wir über eine Buy-and-Build-Strategie, vor allem in Nischenmärkten, unterstützen“, berichtet Chiudini. Parallel will Ardian Growth gemeinsam mit den Kölnern neue Produkte entwickeln.

Und Kapten & Son soll nicht das einzige Investment in Deutschland bleiben: „Ich hoffe, dass wir in diesem Jahr noch einen weiteren deutschen Deal bekanntgeben können“, meint Ardian-Growth-Chef Laurent Foata.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Noch mehr Hintergrundinformationen zu Finanzinvestoren finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Private Equity.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.