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Anonyme Suche nach einem passenden PE-Investor

Der Dritte im Bunde: Dealplattformen wollen Unternehmen und PE-Investoren diskret vermitteln - ohne weitere M&A-Berater.
Thinkstock / Getty Images

Mittelständler auf der Suche nach einem Eigenkapitalinvestor stecken in einem Zwiespalt. Sie wollen nicht für jedermann sichtbar mit dem Unternehmen im Schaufenster stehen, weil sie daraus eine negative Ausstrahlung auf das Geschäft befürchten. Sie wollen auch nicht mit Dutzenden  von PE-Investoren sprechen.  Vor allem aber soll es schnell gehen.

Dealplattformen versprechen, Verkäufer und Investoren kostensparend und schnell zusammenzubringen. Firmen wie Equitycheck werben bei Unternehmern damit, dass sie gezielt einzelne PE-Investoren ansprechen können,  ohne einen Berater dafür zu beauftragen.

Die Plattform eigne sich für Unternehmen, die eine schlanke Lösung wollen, sagt Sabiene Münch, Geschäftsführerin von Equitycheck. Eine reine IT-Lösung sei die Plattform nicht. „M&A-Deals kann man nicht per IT matchen“, sagt die 47-jährige, die in Personalunion auch Geschäftsführerin bei der Corporate Finance-Beratung Fox Capital ist. „Solche Deals sind am Ende nicht einfach online abzuschließen.“

Private Equity-Plattformen: Weniger günstig als gedacht

Verdienen will  Equitycheck, das sich als Online-Corporate-Finance-Beratung versteht, mit Gebühren, die von allen Teilnehmern erhoben werden. PE–Häuser sollen sich auf der Plattform gegen eine Gebühr von 300 bis 500 Euro monatlich mit einem Premium-Account präsentieren können.  Kapitalsuchende  Unternehmen sollen pauschal 100 Euro für die erste Kontaktaufnahme bezahlen, die die Plattform dann für die Unternehmen vornimmt.

Doch ganz neutral ist die Plattform nicht, denn Equitycheck bietet den Nutzern auch noch aufpreispflichtige klassische Beratungsdienstleistungen des verbundenen Corporate Finance Beraters Fox an, wie etwa Fact Sheets, Vorberatung und ein Investorenbriefing. Will ein Unternehmen sich also seinen potentiellen Investoren professionell präsentieren, muss es dafür auch bei Equitycheck de facto die klassischen Leistungen eines M&A-Beraters hinzukaufen. Bei Zustandekommen des Deals will Equitycheck zusätzlich Provision auf das Dealvolumen kassieren: Die Größenordnung der Provision bewegt sich im marktüblichen Bereich und hängt von der Größe des Deals ab, sagt Münch. Dabei stand die Zahl 4 Prozent im Raum.

Das ist im Branchenvergleich viel. Für eine vollwertige M&A-Beratung inklusive Verhandlungsunterstützung und Due Diligence verlangen M&A-Berater – zumindest bei größeren Deals – meist geringere Provisionssätze. Zwölf Buchungen seien seit Liveschaltung der Plattform vor rund einem Monat trotzdem schon erfolgt. Zielgruppe ist der Mittelstand, Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 50 und 200 Millionen Euro.

Vor Equitycheck ist 2012 bereits die ähnliche Plattform Deal Market an den Markt gegangen . So nachvollziehbar das Konzept ist, so fraglich bleiben die Erfolgsaussichten der Dealplattformen. Einen validen Trackrecord kann noch kein Portal vorweisen.  Viele M&A-Spezialisten bezweifeln, dass Plattformen einen großen Raum in der Transaktionswelt werden einnehmen können.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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