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Aurelius-Chef Dirk Markus bereitet Exits vor

Dirk Markus verspricht den Aurelius-Aktionären lukrative Verkäufe.
Aurelius

Der Private-Equity-Investor Aurelius hat im ersten Halbjahr 2016 ganze sechs Firmen gekauft. So hat die auf Restrukturierungsfälle spezialisierte Beteiligungsgesellschaft den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um die Hälfte auf gut 1,3 Milliarden Euro gesteigert.

Allerdings schmälert die Tatsache, dass die Neuzugänge noch überwiegend Verluste schreiben, das Ergebnis im laufenden Betrieb. Das drückt das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen aus der Geschäftstätigkeit der 24 Beteiligungen (operatives Ebitda) auf knapp 48 Millionen Euro, von knapp 63 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2015. Dazu kommen Umbaukosten bei zugekauften Firmen von knapp 29 Millionen Euro. Unterm Strich steht im ersten Halbjahr 2016 ein Konzernergebnis von gut 33 Millionen Euro – im Vorjahreszeitraum waren es noch knapp 60 Millionen.

Aurelius-Chef Dirk Markus: „Zuversichtlich, dass wir Verkäufe sehen“

Jetzt erwarten die Investoren der börsennotierten Gesellschaft vor allem eins von Aurelius-Gründer Dirk Markus: Lukrative Exits. Und der ehemalige McKinsey-Berater will liefern: „Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nächsten zwölf Monaten weitere erfolgreiche Verkäufe sehen werden“, sagte Markus im Interview mit FINANCE. Um welche der 24 Portfoliounternehmen es dabei geht, mag er noch nicht verraten: „Wir verteilen das Fell des Bären, sobald wir ihn erlegt haben.“

Aller Wahrscheinlichkeit nach gehört der Flensburger Kompressorenhersteller Secop dazu. In der Branche wird erzählt, dass die Investmentbank Citigroup Käufer für das Unternehmen sucht, bei dem Aurelius 2010 eingestiegen ist.

Dazu passt, dass Secop nach Aurelius-Angaben mit einem aktuellen Bilanzwert von 256 Millionen Euro die mit Abstand wertvollste Beteiligung des Münchener Investors ist. Auch die Nachhilfe-Kette Studienkreis (mit 68 Millionen Euro bewertet) gilt als Exit-Kandidat, hier ist Aurelius seit 2012 in der Mehrheit.

Aurelius erzielte bei Fidelis Money Multiple von 40x

Profitable Exits sind bei börsennotierten Private-Equity-Gesellschaften der klassische Weg, um den Aktienkurs anzutreiben. Das gilt für Aurelius als Investor, der restrukturierungsbedürftige Firmen günstig kauft, noch stärker als für konventionelle Private-Equity-Häuser wie etwa KKR, Blackstone oder die deutsche DBAG, und zwar aus zwei Gründen.

Erstens kann Aurelius beim Verkauf seiner billig gekauften und dann flott gemachten Beteiligungen zum Teil spektakuläre Vervielfachungen des eingesetzten Geldes vermelden. Bei dem Personaldienstleister Fidelis HR etwa hat Aurelius den Kaufpreis nach drei Jahren mit dem Faktor 40 vermehrt. Der Verkauf hat dem Investor laut Geschäftsbericht 57 Millionen Euro in die Kassen gespült.

Zweitens kommen derartige Erfolgs-Exits direkt den Aktionären zugute. Denn Aurelius investiert direkt aus der Bilanz, nicht über geschlossene Vehikel. Es gibt also anders als bei den meisten börsennotierten Private-Equity-Häusern keine Fondsinvestoren, die einen großen Teil der Gewinne abschöpfen, sondern der Profit schlägt unmittelbar auf die Unternehmenskennzahlen durch.

Bei der Suche nach neuen Assets helfen die volatilen Märkte. Turbulenzen wie der Brexit geben dem Markt für Transaktionen von Unternehmen mit Restrukturierungsbedarf einen „positiven Schub“, sagt Dirk Markus. „Ob Familienunternehmen oder Großkonzern, ob Großbritannien oder Kontinentaleuropa, die Akteure müssen reagieren, und wir helfen ihnen dabei. Mit über 400 Millionen Euro liquiden Mitteln sind wir bestens gerüstet.“

Branche schaut auf Aurelius-Aktie

Seine schnelle Reaktionsfähigkeit und den Hang zu mutigen Investments hat Dirk Markus kurz nach dem Brexit mit dem Kauf von gleich zwei britischen Firmen unter Beweis gestellt, dem Wiedereingliederungs-Dienstleister Working Links und The Hospital Group, einer Klinikkette für Schönheitsoperationen.

Dirk Markus gilt in der Private-Equity-Welt als brillanter Investor und harter Verhandler. Seit der Aurelius-Gründung vor gut 10 Jahren hat er bei Investments im Schnitt das 9,3-fache des eingesetzten Geldes eingespielt. „Auch in Zukunft wollen wir uns an Money Multiples dieser Größenordnung messen lassen und sehen aktuell einige Unternehmen in unserem Portfolio, bei denen dies möglich sein sollte“, sagt Markus.

Wenn das stimmt und er den Erfolgskurs auch bei einer wachsenden Anzahl von Beteiligungen beibehält, hat die Aktie von Aurelius eindeutig Luft nach oben. Laut der Commerzbank liegt das Verhältnis vom Aktienkurs zum erwarteten Gewinn des laufenden Jahres bei 12,5 – keine besonders hohe Zahl angesichts des bisher erzielten Money Multiples.

Auf die Entwicklung der Aktie dürften nicht nur die Investoren, sondern auch die Private-Equity- und Restrukturierungsbranche insgesamt schauen – schließlich ist Aurelius der einzige große deutsche Investor mit Schwerpunkt auf operativ schwache Zielunternehmen, der an der Börse notiert ist.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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Nicht nur Aurelius profitiert von hohen Bewertungen am M&A-Markt. Lesen Sie alles über die Branche auf unserer Themenseite Private Equity.

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