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Bayer hatte Monsanto erstmals 2010 im Visier

Bayer-CEO Werner Baumann wollte die Monsantoübernahme zu seinem Amtsantritt nicht.
PictureAlliance/OliverBerg/dpa

Der Chemiekonzern Bayer hat bereits im Jahr 2010 erstmals eine mögliche Übernahme des Saatgutherstellers Monsanto durchgespielt. Aufgrund des schlechten Geschäftsjahres der US-Amerikaner habe sich damals für Bayer ein mögliches Transaktionsfenster geöffnet, berichtete  Bayer-Chef Werner Baumann auf einer Veranstaltung der Schmalenbach-Gesellschaft in Düsseldorf. Baumann war damals gerade erst CFO von Bayer geworden. Aufgrund interner Probleme der Leverkusener sei ein M&A-Deal jedoch nicht umsetzbar gewesen, so Baumann. 

Bayer-CEO Baumann wollte die Übernahme erst nicht

2016 bot sich schließlich erneut die Möglichkeit für einen Zukauf. Der damals frisch zum CEO gekürte Baumann gestand, dass er den Monsanto-Deal anfänglich gar nicht wollte. Auch sein Vorgänger Marijn Dekkers soll eine Monsanto-Übernahme kritisch gesehen haben. Die Einarbeitung in seine neue Rolle hätte für ihn damals Priorität gehabt, so Baumann: „Wenn es nach mir gegangen wäre, dann wäre ich wahrscheinlich zu dem Ergebnis gekommen:  auf gar keinen Fall“, erinnert sich Baumann. 

Ein Grund für seinen Sinneswandel sei die die Konsolidierungswelle im Agrarsektor gewesen. Baumann nannte vor allem die milliardenschwere Übernahme des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta durch die Chem China als Schlüsselmoment. Deren Folgen für die langfristige Position Bayers im Agrochemiesektor habe ihn letztlich dazu bewogen, die Monsanto-Übernahme in Erwägung zu ziehen. 

Eckdaten des Bayer-Monsanto-Deals stehen

Laut Baumann befindet sich der größte M&A-Deal der deutschen Industriegeschichte weiterhin auf Kurs: „Wir erwarten, die Transaktion zu Beginn des neuen Jahres abschließen zu können“, verkündete der Vorstandschef. 

Die intensive Prüfung des Deals durch die EU-Kommission soll daran nichts ändern. Rund 4 Millionen Seiten an Unterlagen habe man der Kommission im Rahmen des Prüfverfahrens übersandt, berichtete Baumann: „Die Kartellverfahren gehen in unfassbare Tiefen.“ Diese Intensität ist primär dafür verantwortlich, dass Bayer seinem eigenen Zeitplan bei der Übernahme hinterherhinkt. Anfang des Jahres war die Führungsriege des Konzerns noch von Ende 2017 ausgegangen. Auch wenn aus zahlreichen Ländern die Kartellfreigaben schon vorliegen, gesteht Baumann: „Der Gipfel ist immer deutlich weiter entfernt, als es aussieht.“

Auch in Bezug auf den Kaufpreis seien laut Baumann alle Regelungen getroffen, damit die Übernahme wie geplant Anfang 2018 abgeschlossen werden kann. Das Angebot von 128 US-Dollar pro Aktie sei im Kaufvertrag festgeschrieben. Selbst eine weitere unvorhergesehene Verzögerung würde keine Strafzahlungen oder Preisanpassungen auslösen. 

Bayer-Investoren sind vom Monsanto-Deal noch nicht überzeugt

Neu-CFO Wolfgang Nickl muss Integration stemmen

Aktuell sieht es danach aus, als ob im Frühjahr die Hochphase der Integrationsarbeit beginnen kann. Wenig später, im Juni nächsten Jahres, wird Wolfgang Nickl als neuer Bayer-CFO antreten. Dem bisher in Deutschland noch weitgehend unbekannten Manager steht eine Mammut-Aufgabe bevor. 

Dazu gehört auch der Umgang mit den erheblichen Reputationsrisiken, ist der Name Monsanto doch mit schweren  Imageproblemen behaftet. „Der Name Monsanto ist mit einigen Hypotheken belastet“, räumt auch Baumann ein. Dies und die stark gestiegene Verschuldung von Bayer sind die größten Sorgenpunkte der Bayer-Investoren, von denen sich einige in diesem Jahr von der Bayer-Aktie abgewendet haben.

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Mehr über die Vita von Werner Baumann lesen Sie auf seinem FINANCE-Köpfe-Profil.

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