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Blackstone kauft Armacell als vierter PE-Investor

Der Dammstoffspezialist Armacell aus Münster setzt seine Reise von PE-Investor zu PE-Investor fort. Nächster Stop: Blackstone
Armacell Enterprise GmbH & Co. KG

Der Dämmstoffhersteller Armacell wird wieder verkauft und geht zum vierten Mal in die Hände eines PE-Investors. Die britische Private-Equity-Gesellschaft Charterhouse verkauft das Unternehmen an den US-Investor Blackstone und an die dänische Kirkbi, die Investmentgesellschaft der Lego-Eigentümerfamilie. Das Closing ist für das erste Quartal 2016 erwartet. Der Kaufpreis soll bei rund 960 Millionen Euro liegen, berichtet Reuters unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Damit wäre es für Charterhouse ein überaus lukratives Investment. Die Briten hatten das Unternehmen 2013 für 520 Millionen Euro übernommen.

Am Beispiel Armacell zeigt sich, wie groß der Druck auf PE-Investoren geworden ist, geeignete Zielunternehmen zum Kauf zu finden. Im Niedrigzinsumfeld steigt das Geld, das institutionelle Investoren in die Private-Equity-Branche pumpen. Auf die hohe Nachfrage kommen aber nur wenige Familienunternehmer, die verkaufen wollen. Auch die Menge an Abspaltungen von Konzernen – so genannten Carve-outs – bleibt überschaubar.

PE-Investoren geben sich bei Armacell die Klinke in die Hand

Darum geben die PE-Investoren ihre Assets immer öfter aneinander weiter. Für die nachfolgenden Eigentümer kann die Wertschöpfung dadurch komplexer werden, wenn die Voreigentümer aus der PE-Branche schon viele Verbesserungspotentiale gehoben haben. Das kann schon zum Problem werden, wenn erst der zweite oder dritte Private-Equity-Investor am Ruder ist.
 
Armacell wurde 2000 gegründet, als die Beteiligungsgesellschaften Gilde und CVC Capital Partners die Dämmstoffsparte des US-Unternehmens Armstrong World Industries übernahmen. Die Investoren verkauften ihr Investment 2007 für 400 Millionen Euro weiter an das PE-Haus Investcorp. Im Anschluss daran übernahm Charterhouse das Unternehmen 2013 im Rahmen eines Secondary Buyouts.
 
Ursprünglich wollte Charterhouse den Dämmstoffhersteller an die Börse bringen. Die Börsengerüchte kamen bereits im vergangenen Jahr auf, der IPO blieb jedoch aus. In diesem Sommer waren die Gerüchte wieder aufgeflammt, das Unternehmen selbst hielt sich dazu bedeckt. Zum IPO kam es nicht, Neu-CFO Max Padberg muss sich also statt mit dem Börsengang nun mit einem neuen PE-Eigentümer befassen.

Charterhouse trieb Internationalisierung voran

Investcorp hatte nach eigenen Angaben den Umsatz bei Armacell in seiner Eigentümerzeit um 30 Prozent auf 430 Millionen Euro gesteigert. Laut eigenen Angaben hat das Unternehmen 2014, also im Charterhouse-Besitz, einen Umsatz von 452 Millionen Euro erwirtschaftet, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 71,2 Millionen Euro.
 
Armacell hat in den vergangenen Monaten, also in Charterhouse-Besitz, die Internationalisierung des Unternehmens vorangetrieben. Im März kaufte das Unternehmen den kanadischen Schaumstoffproduzenten Industrial Thermo Polymers um die Nordamerika-Präsenz zu stärken. Einen Monat zuvor hatte das Unternehmen den türkischen Dämmstoffspezialisten Oneflex übernommen, um sich einen bessern Zugang zu den Regionen Vorderasien, Afrika und Südosteuropa zu verschaffen.

Was wird PE-Investor Blackstone bei Armacell anders machen?

Ob sich die Strategie von Blackstone von der des bisherigen Eigentümers unterscheiden wird, ist noch unklar. Zunächst stehen die Zeichen auf Kontinuität. CEO Patrick Mathieu wird das Unternehmen weiterhin führen. Er sieht für sein Unternehmen die Vorteile vor allem in der internationalen Expertise des Investors. Auch Blackstone signalisiert, dass der Kurs des organischen und anorganischen Wachstums sowohl in neuen als auch bestehenden Märkten fortgesetzt wird.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

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Mehr über die Entwicklungen in der PE-Branche lesen Sie auf unserer Themenseite Private Equity

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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