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Carve-Out: Könnte Peugeot Opel wirklich übernehmen?

Die Übernahme von Opel durch Peugeot würde einer komplexen Operation gleichkommen, wie hier die Produktion eines Citroen.
PSA Peugeot

Die Gerüchteküche brodelt, angeblich spielt PSA Peugeot eine Übernahme von Opel durch. Angeheizt wurden die Spekulationen von einem Bericht der französischen Zeitung Le Monde. Diese hatte unter Berufung auf Mitarbeiter des französischen Finanzministeriums und das Umfeld von Frankreichs Präsident Francois Hollande berichtet, dass der Elysée-Palast PSA Peugeot dazu bewegen wolle, Opel zu übernehmen. Damit solle ein Gegengewicht zu Volkswagen geschaffen werden.

Opel und der französische Autobauer sind in den vergangenen Monaten bereits eng aneinander gerückt. Im Februar 2012 hatten PSA Peugeot und der Opel-Mutterkonzern General Motors eine strategische Allianz geschlossen. GM war damals mit 7 Prozent bei PSA eingestiegen. Ein gutes Dreivierteljahr beschlossen beide Unternehmen, ihren Einkauf in einem Gemeinschaftsunternehmen zu bündeln und gemeinsame Fahrzeugplattformen zu entwickeln. Doch ein Blick auf die Situation bei Opel zeigt, wie kompliziert und heikel eine Megafusion der zwei schwer angeschlagenen Automobilunternehmen wäre.

FINANCE untersucht Opel-Carve-out

Ähnlich wie bei der 2009 durchgespielten Übernahme durch den Zulieferer Magna wäre der Prozess einer Herauslösung von Opel aus GM auch heute noch hochgradig komplex. Die Bereiche Entwicklung, Produktion und Finanzierung müssten vollständig von GM getrennt werden. „Opel ist kein Unternehmen, sondern eine Marke“, sagte damals der Autoexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen zu FINANCE. Bis Opel allein produktionstechnisch und organisatorisch auf eigenen Beinen stehen könnte, würde gut und gerne ein Jahrzehnt vergehen, so die Schätzung von Autoexperten.

Hinzu kommt: Die wesentlichen Patent- und Markenrechte liegen alle bei GM. Auch alle Zahlungsströme, die derzeit über die Konzernmutter laufen, müssten bei Opel gebündelt werden, bevor PSA den Autobauer als eigenständiges Unternehmen übernehmen könnte.

Einfacher würde die Operation, wenn GM Opel und die Minderheitsbeteiligung an PSA in ein Gemeinschaftsunternehmen einbringen würde, an dem die Amerikaner die Mehrheit halten. Die Franzosen könnten dann in die Opel/GM-Strukturen eingebunden werden. Die Vorarbeiten wären deutlich kürzer und weniger komplex als ein Carve-out von Opel. Aber dass die französische Regierung einen solchen Deal durchwinken würde, ist praktisch ausgeschlossen.

Peugeot/Opel soll Allianz gegen VW bilden

Dennoch steht fest, dass vor allem die Franzosen unter großem Handlungsdruck stehen. Nach einem katastrophalen Jahr 2011 wurde die Situation für PSA und CFO Jean Baptiste de Chatillon 2012 noch schlimmer. Im ersten Halbjahr 2012 sank der Umsatz um rund 5 Prozent auf 29,6 Milliarden Euro. Schuld war vor allem der Autobereich. Dort sank der Umsatz um 10,5 Prozent auf 20,2 Milliarden Euro. PSA verbuchte einen Gesamtverlust von 819 Millionen Euro für die ersten sechs Monate, verglichen mit einem Gewinn von 806 Millionen Euro in der Vorjahresperiode. Auch im dritten Quartal 2012 ging die Talfahrt weiter. Der Umsatz insgesamt ging um fast 4 Prozent auf knapp 13 Milliarden Euro zurück; der Umsatz des Automotive-Bereichs sank noch um 8,5 Prozent.

Aus eigenen Mitteln könnte PSA den Kauf von Opel nicht stemmen. Letztendlich müssten bei einer Übernahme wohl die französische und die deutsche Regierung finanziell einspringen. Deren Interessen unter einen Hut zu bringen, könnte sogar noch schwieriger werden als ein Carve-out von Opel.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de

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