Newsletter

Abonnements

Chinesische Investoren zahlen bei M&A-Deals Lehrgeld

Die Zahl der M&A-Deals mit China steigt. Vor M&A-Beratung scheuen chinesische Interessenten aber oft zurück.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Kion, Preh, Putzmeister – dass deutsche Unternehmen von chinesischen Investoren übernommen werden, ist heutzutage keine Seltenheit mehr. Interessenten aus China beteiligen sich mittlerweile regelmäßig an M&A-Deals mit deutschen Targets. Dabei waren Kontakte bis vor wenigen Jahren noch die Ausnahme, erinnert sich Hui Zhao, Rechtsanwalt und Leiter des China-Desks im Frankfurter Büro der Kanzlei Noerr. „Bis 2009 hatten wir lediglich einen oder zwei Fälle im Jahr, in denen chinesische Mandanten in Deutschland zukaufen wollten. Seit 2010 sind es 7 bis 10 Deals jährlich“, sagt er. Häufig kauften chinesischen Unternehmen deutsche Firmen zu, mit denen sie bereits in Kontakt stehen, sei es als Kooperationspartner oder als Zulieferer.

Auch das Dealvolumen nimmt seiner Beobachtung nach zu. Hatte es bis 2009 überhaupt nur drei M&A-Deals mit chinesischen Investoren gegeben, bei denen das Dealvolumen den zweistelligen Millionen-Euro-Bereich erreichte, zählt Zhao seit Ende 2009 schon mehr als zehn M&A-Deals mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro. Ein Beispiel ist der Einstieg von Weichai Power beim Gabelstaplerkonzern Kion für 740 Millionen Euro.

Eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC bestätigt diesen Eindruck: Demnach haben sich private und staatliche chinesische Investoren 2012 mit rund 65,3 Milliarden US-Dollar an ausländischen Unternehmen beteiligt – ein Rekordwert und ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr (42,4 Milliarden Dollar). Dabei richten die Chinesen ihr Augenmerk zunehmend auf Europa. Während die Zahl der angekündigten Transaktionen mit chinesischen Käufern weltweit leicht zurückging, waren es in Europa deutlich mehr M&A-Deals als 2011: Die Zielregion Europa lag mit 57 M&A-Deals (2011: 44) gleichauf mit Nordamerika (2012 und 2011 jeweils 57 M&A-Deals). Allein in Deutschland gab es der Erhebung zufolge im vergangenen Jahr 15 M&A-Deals mit chinesischer Beteiligung, mehr als in jedem anderen europäischen Land.

Chinesen zurückhaltend bei M&A-Beratung

Allerdings müssen chinesische Investoren nach wie vor häufig Lehrgeld bezahlen, wenn sie sich in M&A-Deals mit westlich geprägter Struktur einbringen. „Der Ausbildungsbedarf ist nach wie vor hoch“, sagt Zhao, der beide Kulturen kennt. Insbesondere die Bereitschaft, M&A-Berater oder Investmentbanker hinzuzuziehen, sei bei Chinesen oft noch gering. „Es fällt vielen chinesischen Investoren schwer, den Mehrwert einer Beratung zu erkennen“, sagt Zhao. Insbesondere in Sonderfällen wie Distressed-M&A-Deals seien Erklärungen allerdings zwingend.

Grundsätzlich sieht Zhao inhabergeführte chinesische Unternehmen gegenüber Staatsunternehmen im Vorteil, wenn es um europäische Targets geht. „Die Hierarchien sind deutlich weniger ausgeprägt, Entscheidungen fallen schneller“, sagt der Noerr-Anwalt. Nach wie vor allerdings behindern langwierige behördliche Genehmigungsverfahren bei Auslandsinvestitionen das Dealmaking mit Chinesen. „Bis ein Investment im Ausland genehmigt ist, können leicht drei Monate vergehen“, sagt Zhao. Er sieht allerdings erste Zeichen für eine Öffnung: Während große M&A-Deals von Peking aus abgesegnet werden müssen, reicht bei kleineren Transaktionen die – in der Regel leichter zu bekommende – Zustimmung der Regionalbehörden. „Die Grenzen, bis zu denen die Regionalbehörde entscheiden darf, sind mehrfach angehoben worden“, sagt Zhao. Seine Prognose: Chinesische Interessenten werden in Zukunft noch häufiger in M&A-Prozessen mit deutschen Targets mitmischen.

Info

FINANCE-TV: Investmentbanker Serge Ragotzky über M&A-Deals mit Chinesen

Auf welche Targets es chinesische Investoren besonders abgesehen haben, welche Preise sie zu zahlen bereit sind und was für Marktchancen deutsche Kaufinteressenten in China haben: Dr. Serge Ragotzky, Managing Director des Corporate-Finance-Geschäfts im deutschsprachigen Raum bei Kepler Capital Markets, teilt seine Einschätzungen im Talk bei FINANCE-TV.

Themen