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Das Ende der Schuldenprobleme von Neumayer Tekfor

Neumayer Tekfor: Der Offenburger Zulieferer ging an die indische Amtek.
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Nach einem monatelangen M&A-Prozess ging es in der der vergangenen Woche ganz schnell: Gläubiger und Eigentümer einigten sich darauf, die angeschlagene Neumayer Tekfor Gruppe (Offenburg) an den indischen Autokonzern Amtek Auto (Umsatz 1,3 Mrd. US-Dollar) mit Hauptsitz in Neu Delhi zu verkaufen. Die Transaktion wurde im Rahmen eines Asset Deals abgeschlossen: Amtek übernimmt alle Vermögensgegenstände der Neumayer Tekfor Holding. Dazu zählen neben Patenten und Grundstücken vor allem die Anteile an den in- und ausländischen Tochtergesellschaften. Bis Ende Mai soll der Verkauf komplett abgeschlossen sein: Wie das Unternehmen erklärt, seien noch einige formelle Hürden zu nehmen, bis das Verfahren endgültig abgeschlossen werden kann. Verantwortlich waren der Eigenverwalter Joachim Exner sowie der vom Amtsgericht Offenburg bestellte Sachwalter Dr. Jan Markus Plathner.

Bereits seit vergangenem September lief der Verkaufsprozess. Nach Unternehmensangaben wurden insgesamt Gespräche mit 60 Interessenten geführt. Organisiert und gelenkt hat den Verkauf das M&A-Advisory-Team von Ernst & Young unter der Führung von Stephan Hellmann und Bernhard Ploenes. Nach mehreren intensiven Verhandlungsrunden lagen schließlich zwei verbindliche Angebote für eine Übernahme vor.

Wie FINANCE in der vergangenen exklusiv Woche berichtete, hatte sich die deutsche Hay Gruppe große Hoffnungen auf eine Übernahme gemacht: Der Automobilzulieferer aus der Nähe von Mainz ist in Besitz des US-Investors Gores Group. Doch letztlich kamen die Deutschen nicht zum Zuge.

Ende eines Kapitels für die Commerzbank

Eine zentrale Rolle in den Verhandlungen spielten die Banken, ganz besonders die Commerzbank, die als Agent und Security Agent des Konsortiums von Latham & Watkins beraten wurde. Gläubiger wie die Commerzbank (der Deal war noch vor der Fusion unter der Regie des Dresdner Leveraged-Finance-Teams abgeschlossen worden) und die LBBW verzichteten 2009 bereits auf die Hälfte der rund 400 Millionen Euro Schulden aus dem Buy-out. Zudem übernahmen Gläubigerbanken und Hedgefonds im Rahmen einer Restrukturierung Anteile an Neumayer Tekfor (Chronologie siehe Infobox).  Die Gläubiger und Equistone schossen gemeinsam noch einmal 42 Millionen Euro nach.

Danach beruhigte sich die Lage wieder, leider nicht nachhaltig: Im September 2012 flüchtete sich der Autokonzern wegen drohender Zahlungsunfähigkeit unter den sogenannten Schutzschirm. Mit dem Verkauf verliert auch die Private-Equity-Gesellschaft Equistone ihre Beteiligung. Sie soll bis zuletzt um Neumayer Tekfor gekämpft haben.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Info

Das Auf und Ab von Neumayer Tekfor

2005: Familie Neumayer und die Beteiligungsgesellschaft Equity (Harald Quandt, Bad Homburg) veräußern ihre Anteile an Barclays Private Equity (heute Equistone). Zuvor hatte Neumayer noch einen Ergebnissprung verzeichnet. Bei dem Buy-out werden rund 400 Millionen Euro Verbindlichkeiten aufgesattelt.

2006: Neumayer Tekfor schreibt deutlich schwächere Zahlen als angenommen. Durch das sinkende Ergebnis geraten die Zinszahlungen des hochverschuldeten Autozulieferers unter Druck. Equistone verhandelt mit den Alteigentümern nach.

2007: Investoren wie Goldman Sachs oder Oaktree übernehmen einen Teil der Kredite unter Nominalwert, nachdem bei der Italientochter des Autozulieferers wirtschaftliche Schwierigkeiten auftraten. Neumayer bricht Covenants und einigt sich mit wesentlichen Kreditgebern wie LBBW und Dresdner Bank  auf ein Stillhalteabkommen. Dezember: Das Italiengeschäft soll aus dem Konzern herausgelöst werden, Fiat sträubt sicher dagegen.

2008: Die Restrukturierung der Verbindlichkeiten von Neumayer Tekfor wird angekündigt – Vollzug aber nie gemeldet. Im vierten Quartal ist der Zulieferer einer der ersten, der unter Druck der Automobilkrise gerät.

2009: Neumayer muss umschulden: Die Gläubiger verzichten auf die Hälfte der Kreditforderungen und übernehmen die Kontrolle. Equistone beteiligt sich an einer Kapitalerhöhung über 42 Millionen Euro und behält 45 Prozent der Anteile.

2011: Vorübergehende Erleichterung: Neumayer akquiriert im Februar mit OMVP einen italienischen Tier-1-Zulieferer mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro und 550 Mitarbeitern.

2012: Die Probleme nehmen überhand: Mitte September muss sich Neumayer unter den Schutzschirm flüchten.

2013: Anfang März: Verkauf von Neumayer an die indische Amtek Gruppe.

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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