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DBAG verkauft Romaco an Chinesen

Romaco stellt Verpackungsmaschinen für die Pharmaindustrie her. Der bisherige Besitzer DBAG verkauft die Karlsruher an die chinesische Truking-Gruppe.
Romaco

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat ihr Mehrheits-Investment an dem Karlsruher Maschinenbauer Romaco abgeschlossen. Wie die DBAG mitteilte, veräußert sie drei Viertel der Romaco-Anteile an die Truking-Gruppe. Den Rest wird die DBAG in den kommenden drei Jahren abgeben, kündigte der Private-Equity-Investor an.

Der neue Eigentümer Truking wurde im Jahr 2000 gegründet und produziert Maschinen und Anlagen für die Chemie- und Pharmaindustrie. Genau in diesem Segment ist auch Romaco tätig – der Mittelständler entwickelt Maschinen zur Produktion und Verpackung von Tabletten. Mit Hilfe des neuen Hauptgesellschafters soll Romaco nun auf dem asiatischen Markt Fuß fassen: „Romaco kann nun die Chancen aus einer besseren Marktposition in Asien nutzen,“ lässt sich DBAG-Vorstand Rolf Scheffels zitieren.

Für die DBAG ist es der zweite Exit an einen chinesischen Investor kurz hintereinander: Im Sommer vergangenen Jahres hatte der Mittelstandsinvestor den Raumfahrtzulieferer Broetje-Automation an den chinesischen Mischkonzern Shanghai Electric veräußert, der auch an dem Reutlinger Maschinenbauer Manz beteiligt ist.

DBAG verdoppelt bei Romaco – braucht dafür aber sechs Jahre

Die DBAG hatte Romaco im April 2011 im Rahmen eines Management-Buy-outs erworben. Seitdem hat das Unternehmen, durch Zukäufe angetrieben, beim Umsatz deutlich zugelegt. Lag dieser vor sechs Jahren noch bei 80 Millionen Euro, erwirtschaftet Romaco mittlerweile 134 Millionen Euro. Auch das Servicegeschäft wurde in dieser Zeit laut DBAG deutlich ausgebaut. Wie viel Gewinn Romaco erwirtschaftet, gibt die DBAG nicht an.

Mit dem nun erzielten Exit hat die DBAG eigenen Angaben zufolge ihr ursprüngliches Eigenkapitalinvestment von gut 40 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Die noch abzugebenden 24,9 Prozent sind laut Aussage eines DBAG-Sprechers in dieser Rechnung bereits enthalten. Dies deutet darauf hin, dass Romaco jetzt inklusive Nettoschulden mit einem Betrag zwischen 125 und 175 Millionen Euro bewertet worden ist.

DBAG macht mit Romaco weniger Rendite als üblich

Angesichts der langen Haltedauer von sechs Jahren führt die erzielte Wertsteigerung jedoch trotzdem nur zu einer jährlichen Rendite (IRR) von 12 bis 13 Prozent. Für Private-Equity-Verhältnisse ist dies unterdurchschnittlich. Auch der Börsenindex SDax, in dem Unternehmen von Romacos Größenordnung gelistet sind, hat sich von Frühjahr 2011 bis heute mehr als verdoppelt – und dies ohne Leverage-Effekt.

Auch hat die DBAG mit anderen Investments wesentlich besser abgeschnitten: Der im Vorjahr nach China verkaufte Maschinenbauer Broetje-Automation etwa brachte eine Vervierfachung in vier Jahren, was einem IRR von über 40 Prozent entspricht. Mit dem Ende 2015 realisierten Investment in den Buszulieferer Spheros erzielte die DBAG einen IRR von rund 20 Prozent.

Als Folge des Romaco-Verkaufs hat die DBAG am heutigen Dienstagnachmittag auch die Prognose für das Geschäftsjahr 2016/17 angehoben. Das Konzernergebnis werde um mehr als 20 Prozent auf mindestens 56 Millionen Euro steigen. Bislang war die DBAG von einer Verschlechterung zwischen 10 und 20 Prozent ausgegangen. Gründe für den Anstieg seien vereinbarte M&A-Deals sowie Interessenbekundungen für einzelne Portfoliounternehmen sowie ein Anstieg der Bewertungen, schrieb der Investor. Die DBAG-Aktie reagierte deutlich positiv und sprang von 35 auf 36 Euro.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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