Newsletter

Abonnements

Die Krise holt den M&A-Markt ein

iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Erwartungen an den M&A-Markt haben sich über das Frühjahr merklich eingetrübt, wie die jüngste Befragung des FINANCE M&A Panels unter M&A-Chefs großer Unternehmen und führenden Investmentbankern zeigt, die FINANCE gemeinsam mit der Kanzlei CMS Hasche Sigle durchgeführt hat. Der M&A-Markt steht eindeutig im Bann der Eurokrise: Befragt nach der Bedeutung einzelner Dealbreaker bewerten die Corporate M&A-Chefs die unsichere gesamtwirtschaftliche Lage mit dem Wert 6,30 (10 = sehr wichtig). Das ist ein Anstieg um 11,5 Prozent gegenüber dem Frühjahresergebnis von 5,65 und eine deutliche Annäherung an den Herbst 2011, als dieser Dealbreaker-Aspekt unter dem Eindruck einbrechender Märkte sogar mit 6,64 bewertet wurde. Auch die befragten Investmentbanker schätzen die wirtschaftliche Lage mit einem Wert von 6,87 als wichtigen Dealbreaker ein, der Wert verharrt dort auf hohem Niveau.

Dealmotivation schlägt um

Unter dem Eindruck der unsicheren Marktlage scheint sich auch die Motivation für M&A-Deals zu verändern. Wachstumsbezogene Dealtreiber wie Expansion, zusätzliche Umsatzpotentiale oder die Erhöhung des Marktanteils verlieren leicht an Bedeutung. Die Investmentbanker stufen diese Dealtreiber um 3,3 bis 7,8 Prozent niedriger ein als noch im Frühjahr, bei den Corporates sinken die Werte um 2,7 bis 3,8 Prozent. Der Aussage, dass M&A für die Wachstumsstrategie des eigenen Unternehmens eine wichtige Rolle spielt, stimmen die Unternehmensvertreter noch mit einem Wert von 7,40 zu – ein deutlicher Rückgang gegenüber der vorangegangenen Umfrage (Wert 8,00). Die Aussage, dass die Finanzierung einer größeren Übernahme für das eigenen Unternehmen zurzeit umsetzbar wäre, findet aber nach wie vor große Zustimmung (Wert 7,85).

Vielmehr scheinen die M&A-Strategen Transaktionen im Moment dazu zu nutzen, um ihre Unternehmen krisenfest aufzustellen. Die Erweiterung des Produkt- und Technologieportfolios ist für beide befragten Gruppen dieses Mal der wichtigste Dealtreiber. Die Investmentbanker stufen ihn mit 7,41 Punkten ein (Frühjahr 2012: 7,14), bei den Corporates erzielt der Dealtreiber den höchsten Wert aller Befragungen überhaupt und steigt um 12,6 Prozent von 7,06 auf 7,95 Punkte.

"Daher wird die M&A-Aktivität am Hochtechnologiestandort Deutschland in der nächsten Zeit auch höher sein als in den meisten übrigen Teilen Europas", meint Dr. Thomas Meyding, Partner bei CMS Hasche Sigle. Dafür spreche auch, dass viele ausländische Unternehmen zuletzt offen ihr Interesse an deutschen Technologieunternehmen bekundet hätten.

Wenig Impulse aus den Schwellenländern

Aus den Schwellenländern erwarten die M&A-Chefs und Investmentbanker keine große Belebung des deutschen M&A-Marktes. Zwar schätzen sie insbesondere chinesische Investoren als durchaus interessiert an deutschen Targets ein. Der Aussage, dass Käufer aus den Schwellenländern zurzeit am deutschen Markt sehr aktiv seien, stimmen beide Gruppen jedoch weniger stark zu als noch im Frühjahr, der Rückgang beträgt bei den Corporates 10,4 Prozent auf 5,75 Punkte und bei Investmentbankern 15,3 Prozent auf 5,74 Punkte. Das ergibt ein deutlich anderes Bild als bei der Befragung im Frühjahr, als einige größere Transaktionen wie die Übernahmen von Putzmeister und Saargummi durch chinesische Investoren für Schlagzeilen sorgten und Transaktionspartner aus den Schwellenländern in den Blickpunkt der deutschen M&A-Branche rückten.

+ posts
Themen