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Downturn erreicht deutsche Private-Equity-Portfolios

Kriselnde Autobranche: Die Angst vor dem Crash erreicht die Private-Equity-Branche. Automotive wird zum Ladenhüter.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Performance der Private-Equity-finanzierten Unternehmen in Deutschland leidet zunehmend unter der schwachen Konjunkturlage, wie die Ergebnisse des aktuellen FINANCE Private Equity Panels zeigen, für das FINANCE und die Kanzlei CMS Hasche Sigle regelmäßig Vertreter von rund 40 führenden Private-Equity-Häusern in Deutschland befragen.

Gegenüber der Umfrage im Mai schätzen die PE-Profis die Aussichten ihrer Portfoliounternehmen für die kommenden zwölf Monate nun um 13 Prozent schwächer ein, der entsprechende Durchschnittswert sinkt von 6,25 auf 5,46 Punkte (10=exzellent, 1=sehr schwach). Das ist der tiefste Wert seit Auflage des FINANCE Private Equity Panels Anfang 2010. Bei der vorangegangenen Panel-Befragung im Mai hatten die Finanzinvestoren noch ein deutlich positiveres Bild vom Marktumfeld gezeichnet. Damals hatten sie sich weniger um die Performance ihrer Portfoliounternehmen gesorgt, sondern die gestiegenen Kaufpreise beklagt.

Die Konjunkturschwäche dämpft die Aussichten für das traditionell wichtige Jahresendgeschäft mit Private-Equity-Transaktionen. Dass die zukünftige Performance von Unternehmen im Moment  schwierig vorhersehbar ist, dürfte sich in den kommenden Monaten negativ auf die Anzahl neuer M&A-Transaktionen mit Private-Equity-Hintergrund auswirken, befürchtet CMS-Partner Joachim Dietrich: „Immer mehr Unternehmen sind gezwungen, ihre Planzahlen zu revidieren. Dadurch wird die Lücke zwischen den Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern wieder größer, denn die Verkäufer sind noch nicht bereit, von ihren Kaufpreiserwartungen abzurücken“, erklärte Dietrich im Interview mit FINANCE-TV.

Autobranche stürzt in der Investorengunst dramatisch ab

Bei der Auswahl ihrer Zielbranchen für neue Investments ziehen die Finanzinvestoren deutliche Konsequenzen aus der eingetrübten Lage der Unternehmen in Deutschland: Wichtige zyklische Branchen sind als Investitionsziel binnen kürzester Zeit weitestgehend von ihren Kauflisten verschwunden.

Besonders die Attraktivität der Automobilbranche ist über den Sommer eingebrochen. Der Absturz von 32 Prozent auf nur noch 3,03 Punkte (1=unattraktiv, 10=sehr attraktiv) ist der höchste, der jemals im Rahmen des FINANCE Private Equity Panels in einer Branche verzeichnet wurde.

Autozulieferer sind traditionell ein begehrtes Investitionsziel für PE-Investoren in Deutschland. „Die Autoindustrie steht aktuell sicher nicht im Fokus der Finanzinvestoren“, berichtete Dietrich. Doch der Private-Equity-Experte sieht das eher als Momentaufnahme: „Die PE-Investoren rechnen im Moment nicht mit weiteren Konjunkturpaketen für die Autoindustrie. Wenn die aber doch kommen sollten, kann sich das Bild sehr schnell wieder drehen.“

Neben der Autoindustrie haben auch Logistiker, Chemieunternehmen und Maschinenbauer deutlich an Attraktivität eingebüßt. Zugelegt haben hingegen die weitgehend konjunkturresistenten Branchen wie Pharma, Financial Services und Software/IT.

Das für den Dealflow wichtige Finanzierungsumfeld präsentiert sich hingegen stabil. Sowohl die Verfügbarkeit von Buy-out-Finanzierungen (4,86 vs. 4,75 Punkte) als auch die Attraktivität der Finanzierungskonditionen und -bedingungen (4,11 vs. 3,94 Punkte) schätzen die Befragten leicht besser ein als im Mai.    

Die Detailergebnisse des FINANCE Private Equity Panels finden Sie hier. 

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