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Drohender Abschwung stört M&A-Markt

Ist die jahrelange Hochstimmung am deutschen M&A-Markt bald vorbei?
Team DAF/iStock/Getty Images Plus

Die Vorzeichen für eine tiefergehende Konjunkturflaute mehren sich, und die M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen reagieren darauf. Diverse Hinweise dafür liefert das neueste FINANCE M&A-Panel, für das FINANCE zusammen mit der internationalen Wirtschaftskanzlei CMS leitende Mitarbeiter aus den M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen sowie Investmentbanker und M&A-Berater anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt hat.

Positive M&A-Treiber verlieren an Wichtigkeit

Veränderungen zeigen sich etwa bei den Dealtreibern: Typische Dealtreiber der vergangenen Jahre wirken zwar nach wie vor, aber sie verlieren an Bedeutung. So schätzen M&A-Professionals die Wichtigkeit des Dealtreibers „Wachstumsbeschleunigung“ aktuell mit einem Wert von 8,07 ein (Wert 10 = sehr wichtiger Dealtreiber). Noch im Frühjahr lag dieser Wert bei 8,24, im Juni 2018 erreichte er mit 8,59 seinen Höchststand. Ebenso steht es mit dem Treiber „Expansion in neue Märkte“. Aktueller Wert: 7,19 – gegenüber 7,90 Punkten vor einem halben Jahr.

Stattdessen gewinnen eher Rezessions-typische Dealtreiber an Relevanz: Die befragten M&A-Experten messen der M&A-Motivation „Kostensenkung/Skaleneffekte“ eine Wichtigkeit von 6,04 zu. Im Frühjahr lag der Wert noch bei 5,72. Hinzu kommt: Der These, dass eine Marktkonsolidierung unverzichtbar ist, um künftige Krisen zu überstehen, stimmten die M&A-Experten mit einem Wert von 6,22 zu. Im Frühjahr lag dieser Zustimmungswert noch bei 5,67.

Carve-out-Welle rollt schon los

Doch nicht nur bei den M&A-Treibern deutet sich eine Verschiebung der Schwerpunkte an. Die Auswertung des Panels zeigt auch, dass deutsche Unternehmen konsequenter dabei werden, sich von Underperformern in ihren Konzernportfolios zu trennen: Zwei von drei befragten M&A-Experten rechnen für die nächsten zwei Jahre mit einem leichten bis starken Anstieg bei Carve-outs. Nur ein Drittel erwartet auf diesem Gebiet keine Veränderung.

Den Trend zu mehr Carve-outs beobachtet CMS-Partner Thomas Meyding allerdings schon seit einiger Zeit: „Carve-outs sind en vogue: Unternehmensteile werden ausgegliedert und veräußert, Großkonzerne spalten sich auf und schaffen damit Holdingstrukturen – und das oftmals ohne akuten Transaktionsbedarf“. Aktuelle Beispiele aus der Unternehmenswelt gibt es einige: So ist der Bahntechnikanbieter Vossloh gerade dabei, gleich mehrere Verlustbringer gleichzeitig abzuverkaufen. Dafür nimmt der börsennotierter Mittelständler sogar Sonderlasten und Abschreibungen von 55 Millionen Euro in Kauf.

Unternehmen legen Fokus wieder auf ihr Kerngeschäft

Andere Konzerne verkaufen gut laufende Geschäftsfelder, um ihre Kassenlage zu stärken und die Finanzierung zu sichern. Die prominentesten Beispiele sind die Pläne von ThyssenKrupp zum Verkauf der Aufzugsparte und der angestoßene M&A-Prozess für die Kabelsparte des angeschlagenen Autozulieferers Leoni.

Bei den von FINANCE befragten M&A-Chefs dominieren im Moment augenscheinlich noch die strategischen Motive: 60 Prozent sehen ihre derzeitige Hauptmotivation darin, das Unternehmen auf das Kerngeschäft zu fokussieren. 30 Prozent wollen Geschäftsbereiche abgeben, weil diese weniger profitabel sind oder langsamer wachsen als andere Unternehmensteile. Nur 10 Prozent zielen darauf ab, durch Carve-outs Kapazitäten und finanzielle Spielräume für andere Zwecke zu schaffen.

Was fehlt, ist der Mut, große, transformatorische Deals mit Wachstumshintergrund anzugehen: „Es scheint absehbar, dass das Jahr 2019 mit Blick auf die M&A-Aktivitäten hinter 2018 zurückbleiben wird“, schätzt CMS-Partner Oliver Wolfgramm.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Jetzt als FINANCE-User das M&A-Panel als PDF herunterladen:

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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