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Erfahrungsdefizit bremst M&A-Deals mit Südkorea

Das Erfahrungsdefizit bremst M&A-Deals mit Südkorea. Noch wissen beide Seiten nur wenig über einander.
Thinkstock / Getty Images

Das Interesse aus Südkorea an der Übernahme deutscher Firmen nimmt zu – wenn auch auf einem noch bescheidenen Niveau. Zwischen 2002 und 2009 gab es durchschnittlich 1,4 M&A-Deals mit Südkorea, zwischen 2010 und 2012 waren es immerhin schon 4,4 M&A-Deals jährlich. Dies geht aus Zahlen von Thomson Reuters hervor, die Deloitte in der Studie „M&A Best Practice – South Korean Transactions in Germany“ aufgreift. Zu den bekanntesten deutsch-koreanischen M&A-Deals zählt die Übernahme von Q-Cells durch die Hanwha-Gruppe im vergangenen August. Noch blicken südkoreanische Firmenkäufern bei der Suche nach Targets am häufigsten nach China, Japan oder in die USA. Doch deutsche Firmen sind attraktiv, insbesondere, wenn sie über technologisches Know-how verfügen und exportorientiert arbeiten.

„Insbesondere im Bereich Manufacturing erwarten wir eine steigende Nachfrage nach Übernahmen. Das erste Investment eines koreanischen Unternehmens ist dabei typischerweise ein Mittelständler ab 50 Millionen Euro Umsatz“, sagt Jörg Niemeyer, Partner Corporate Finance bei Deloitte und Autor der Studie. Häufig ziehe der Schritt eines koreanischen Unternehmens auf den deutschen Markt weitere M&A-Deals nach sich. Typisch dafür sei der Bereich Automotive. „Viele Zulieferer wollen ihren OEMs nach Europa folgen, um den Kontakt zu halten und neue Märkte zu erschließen.“

Eine Übernahme bietet Zugriff auf die Infrastruktur und den Kundenstamm. Hinzu kommt: Die Multiples für deutsche Unternehmen sind seit dem Ausbruch der Finanzkrise stark gesunken und haben das Vor-Krisen-Niveau noch lange nicht wieder erreicht. 2007 lag der durchschnittliche EBITDA-Multiplikator, den Investoren aus dem Raum Asien-Pazifik für deutsche Targets zahlen mussten, laut Deloitte mit 13,3x EBITDA auf dem Höchststand. 2012 lag er bei 9,7x EBITDA. Zwar zeigen die Zahlen ohne eine Unterscheidung nach Branchen lediglich ein grobes Stimmungsbild, generell erscheint das Preisniveau für Investoren derzeit aber moderat.

Wenig Erfahrung mit M&A-Deals

Deutsche Verkäufer haben Südkoreaner als potentielle Interessenten allerdings nur selten auf der Liste. Und Unternehmen aus Südkorea tun sich mit der Ausgestaltung der M&A-Prozesse hierzulande schwer: „Viele Unternehmen in Südkorea sind bislang vorwiegend organisch gewachsen. Die Erfahrung mit M&A-Deals ist gering. Zudem sind die Entscheidungsprozesse sehr hierarchisch und dauern lang“, beobachtet Niemeyer. Die komplexe deutsche Gesetzgebung ist eine weitere Hürde: Allein das deutsche Steuersystem umfasst der Studie zufolge mehr als 33.000 Paragraphen. Hinzu kommen Unterschiede in den Bilanzierungsstandards, beim Thema Kündigungsschutz sowie unterschiedliche Rechtsformen der Targets, die gerade Käufern, die noch selten internationale M&A-Deals abgeschlossen haben, das Leben schwer machen.

Wegen ihrer geringen Erfahrung und der langwierigen Prozesse haben südkoreanische Unternehmen in M&A-Prozessen bislang oft das Nachsehen: „Wir haben schon beobachtet, dass ein Interessent aus Südkorea bis zum erforderlichen Stichtag kein indikatives Angebot vorlegen konnte und deshalb vom weiteren M&A-Prozess ausgeschlossen wurde“, berichtet Niemeyer.

Ähnliche Schwierigkeiten gibt es jedoch bei vielen grenzüberschreitenden M&A-Deals. Und sie sind lösbar. Interessenten aus Japan oder China hatten noch vor einigen Jahren mit ganz ähnlichen Themen zu kämpfen, können sich inzwischen aber immer häufiger in M&A-Prozessen durchsetzen. Niemeyer erwartet, dass auch Firmen aus Südkorea die Anlaufschwierigkeiten bald überwunden haben werden. Viele koreanische Unternehmen sieht er derzeit in einer Wachstumsphase, die ihnen Direktinvestitionen auch im Ausland ermöglicht. Ihren Exotenstatus dürften deutsch-koreanische M&A-Deals in einigen Jahren verloren haben.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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