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FINANCE-Exklusiv: Heliad-Chef Lange vor Abgang, Altira wird PE-Haus

ABL-Mitgründer und Ex-Altira-Vorstand Andreas Lange wird den Chefposten bei Heliad bis Ende des Jahres niederlegen.
Altira

Erst Anfang Oktober hat sich der Frankfurter Asset-Manager Altira von der Angermayer, Brumm & Lange Unternehmensgruppe (ABL) losgelöst. Jetzt bleibt im Umfeld von Altira kein Stein auf dem anderen, wie FINANCE erfahren hat. Nicht näher benannte Finanzinvestoren, die vor vier Wochen den 68-Prozent-Anteil der ABL-Gruppe an Altira übernommen haben, verordnen dem Unternehmen eine grundlegend neue Strategie.

FINANCE-Informationen zufolge soll Altira zu einer Beteiligungsgesellschaft mit dem Investmentschwerpunkt „Deutscher Mittelstand“ werden. Herzstück der neuen Strategie soll die börsennotierte PE-Gesellschaft Heliad werden, an der  Altira beteiligt ist. ABL-Mitgründer Andreas Lange wird seinen Posten als Heliad-CEO in den nächsten Wochen räumen, wie aus Branchenkreisen zu hören ist. Eine Altira-Sprecherin bestätigte FINANCE die Neuorientierung der Gruppe und den bevorstehenden Abgang von Lange, der Heliad seit April 2011 führt.  

Heliad: Schlechte Performance und viele neue Chefs

Heliad, wo Lange bis zu seinem Wechsel auf den CEO-Posten als Aufsichtsrat fungierte, weist eine der schlechtesten Performances in der deutschen Private-Equity-Szene auf. Während die meisten PE-Fonds in den vergangenen Jahren deutlich positive Renditen erzielten, ging Heliads Net Asset Value seit Mitte 2009 um 40 Prozent zurück, der Aktienkurs brach gar um 60 Prozent ein. Altira ist den jüngsten verfügbaren Angaben zufolge noch mit rund 17 Prozent an Heliad beteiligt. Insider gehen davon aus, dass Altira-CEO David Zimmer Heliad nun enger an die Altira heranführen wird. Der Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung würde ihn rund 7 bis 8 Millionen Euro kosten.

Das ist zwar rund doppelt so viel wie der potentielle Käufer Altira per 30. Juni an liquiden Mitteln auswies. Doch die schuldenfreie Heliad verfügt über 34,6 Millionen Euro Cash. Mit einem Mehrheitserwerb könnte sich Zimmer den Zugriff auf die Heliad-Kasse sichern und gleichzeitig die Investmentstrategie der Tochtergesellschaft neu ausrichten.

Kritiker bemängeln seit langem, dass Heliad in den vergangenen Jahren vor allem die Interessen des Hauptaktionärs ABL und nicht der übrigen Aktionäre verfolgt habe. Aus diesem Grund warf Anfang 2011 auch der damalige CEO und frühere DZ Equity-Chef Bernd Sexauer seinen Vorstandsposten nach weniger als einem Jahr schon wieder hin. Zuvor hatte bereits Vorstand Christoph Kauter, der inzwischen den PE-Fonds Trigon gegründet hat, Heliad verlassen.

Altira-CEO David Zimmer muss Altlasten beseitigen

Vor dem Umbau der Altira zu einer Private-Equity-Gesellschaft muss Zimmer aber zunächst die Altlasten der überholten Strategie beseitigen. Bislang stellte Altira diversen Investmentfonds der ABL-Gruppe gegen feste Gebühren eine Verwaltungsinfrastruktur zur Verfügung, mit der diese dann Bereiche wie Controlling, Legal und Reporting abdecken konnten. Die Gründung dieser Fondsprojekte unterstützte Altira mit Seed-Investments.

Doch neben Heliad performten auch andere börsennotierte Investmenthäuser wie die Sanierungsholding CfC und der Immobilieninvestor Magnat katastrophal. Um die schwer angeschlagene Tochtergesellschaft Ecolutions hat sich ein bitterer Rechtsstreit mit dem französischen Ecolutions-Großaktionär Theolia entzündet, der ein potentielles Millionenrisiko für Altira darstellen könnte. Einzig die von ABL-Gründer Christian Angermayer aus der Taufe gehobene African Development Corporation (ADC), die in afrikanische Banken und Finanzdienstleister investiert, und der nicht börsennotierte Turnaround-Fonds Clearsight weisen eine positive Entwicklung auf.

Die Beteiligungen an CfC, Magnat und Ecolutions hat Altira in den vergangenen Monaten abgebaut, die ADC-Beteiligung wurde von über 10 auf 5 Prozent reduziert. Die beiden 2010 und 2011 aufgelegten Clearsight-Fonds befinden sich noch inmitten der J-Curve, mit größeren Cash Returns kann Altira wohl erst ab 2013 oder 2014 rechnen.    

ADC löst sich von Altira

Die Service-Infrastruktur, die zuletzt nicht gut genug ausgelastet war, um Altira ohne Performance-Fees profitabel zu machen, will Zimmer nun „den Bedürfnissen anpassen“, wie seine Sprecherin erklärte.

Ein umfassender Rückbau scheint vorprogrammiert. Mit der ADC ist am Wochenende einer der größten Altira-Kunden abgesprungen. Das ADC-Management um CFO Olaf Meier hat der Altira am Wochenende 4,3 Millionen Euro für die Übernahme der Managementgesellschaft ADC Altira Management GmbH geboten. Auf die Infrastrukturservices der Altira wird ADC nach dem Verkauf nicht mehr zurückgreifen, wie FINANCE erfuhr. „Künftige Zahlungen entfallen damit“ bestätigte Altira-Sprecherin Sylvia Faber. Diese lagen im vergangenen Geschäftsjahr bei über 1,5 Million Euro und machten damit mehr als ein Zehntel des gesamten Altira-Umsatzes aus.

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