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Für 14,8x Ebitda: Siemens-Audiology Solutions geht an EQT

Siemens verkauft die Hörgerätesparte an den PE-Investor EQT, bleibt aber selbst an dem Unternehmen beteiligt.
www.siemens.com/presse

Nach Wochen der Spekulationen um einen Verkauf der Siemens-Hörgerätesparte ist der M&A-Deal bestätigt: Das schwedische Private Equity-Haus EQT übernimmt gemeinsam mit der deutschen Unternehmerfamilie Strüngmann als Co-Investor in einer Minderheitsposition von 22 Prozent die Sparte Siemens Audiology Solutions.
 
Für die Übernahme zahlen der PE-Investor EQT und die Santo Holding (Strüngmann-Familie) rund 2,15 Milliarden Euro an Siemens, bei einer guten Entwicklung könnte der Kaufpreis aufgrund eines Besserungsscheins am Ende noch um bis zu 100 Millionen Euro höher ausfallen. Siemens beteiligt sich über stimmloses Vorzugskapital mit 200 Millionen Euro mit 18 Prozent an dem neuen Unternehmen zurück. EQT und das Management halten entsprechend 60 Prozent der Anteile und besitzen volle Durchgriffsrechte. Der Eigenkapitalanteil bei der Transaktion beträgt gut 1,1 Milliarden Euro. Damit fällt die Finanzierungsstruktur konservativer aus als im Vorfeld spekuliert wurde.

Höher als angenommen ist jedoch der Preis: 2014 erzielt die Audiology Solutions-Sparte ein Ebitda von 145 Millionen Euro. Daraus errechnet sich ein Ebitda-Multiple von 14,8. EQT tätigt den Deal aus dem 2011 aufgelegten Fonds EQT VI, der ein Gesamtvolumen von 4,75 Milliarden Euro hat und Eigenkapitalschecks zwischen 100 und 600 Millionen Euro ausstellt und EQT-Angaben zufolge nach Abschluss der Transaktion zu 80 Prozent investiert ist. In Deutschland übernahmen die Schweden 2012 den Gesundheitsproduktehersteller BSN Medicals für gut 1,8 Milliarden Euro vom Private Equity-Haus Montagu.

EQT hat Erfahrung im Gesundheitsmarkt

Mit EQT, bei dem die Industriellenfamilie Wallenberg Ankerinvestor ist, kommt der Favorit wie erwartet zum Zug. Die Schweden kennen sich mit Investitionen im Gesundheitssektor bestens aus: Aktuell sind sie eigenen Angaben zufolge an neun Unternehmen in der Branche beteiligt.

Die Hörgerätesparte sollte 2010 schon einmal an Investoren verkauft werden, Siemens entschied sich dann aber, die Sparte doch im eigenen Konzern zu belassen. Im Zuge des Konzernumbaus hatte CEO Joe Kaeser dann seine Pläne publik gemacht, die Hörgerätesparte als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen. Offenbar führten die guten Angebote der Finanzinvestoren gepaart mit der höheren Transaktionssicherheit zu einem Umdenken im Siemens-Management.

Auch die Unternehmerfamilie Strüngmann kennt die Branche gut – die Brüder Andreas und Thomas Strüngmann haben in den 1980er Jahren den Arzneimittelhersteller Hexal gegründet und Anfang des Jahrtausends an Novartis verkauft.

IPO als Exit-Kanal

Doch auch nach der Übernahme sind die Börsenpläne keineswegs vom Tisch: Siemens-Healthcare-CEO Hermann Requardt begründete die Rückbeteiligung von Siemens mit dem Ziel, „in Zukunft auch von der gestärkten Positionierung von Siemens Audiology Solutions als künftigen IPO-Kandidaten zu profitieren.“

Die Hörgerätesparte beschäftigt aktuell mehr als 5.000 Mitarbeiter weltweit. Ihren Unternehmenssitz hat sie in Singapur, die zentrale Forschungs-und Entwicklungsabteilung sitzt in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2014 erzielte die Sparte einen Umsatz von 693 Millionen Euro.

Die Finanzierung wird im Übrigen von der Deutschen Bank, Goldman Sachs und der UBS bereitgestellt. Rechtlich beraten wurde Siemens von einem Team der Kanzlei Hengeler Müller, EQT wurde von Freshfields, Bain & Company, PwC, Latham & Watkins und Aon unterstützt. Die Santo Holding der Familie Strüngmann wurde von honert + partner bei der Transaktion begleitet.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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