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Große Flaute am deutschen M&A-Markt

Springer-Niederlassung in Berlin: Der Milliardenverkauf des Wissenschaftsverlags an den PE-Investor BC Partners ist kein Eisbrecher, meint Deloitte.
Springer

Das M&A-Team der WP-Gesellschaft Deloitte zieht ein schonungsloses Fazit der aktuellen Entwicklung am M&A-Markt. Mit Ausnahme von Großbritannien herrsche in ganz Europa Flaute, der deutsche M&A-Markt befinde sich „in einer Art Schwebezustand“, stellt Deloitte nach Auswertung diverser M&A-Datenbanken und der Befragung von 124 CFOs deutscher Großkonzerne fest.

Dabei scheinen die Voraussetzungen für große, mutige Deals immer besser zu werden. Die wirtschaftliche Lage ist auf schwachem Niveau stabil, und die Kassenbestände der Konzerne schwellen immer weiter an. Den Deloitte-Erhebungen zufolge ist der Leverage der deutschen Großunternehmen im Vergleich zum Vorjahr von 2,35 auf 1,70x EBITDA zurückgegangen. Dennoch zielen nur 16 Prozent der befragten CFOs darauf ab, durch M&A-Deals zu wachsen. „Das allgemeine Abwarten in Deutschland wirkt angesichts der positiven Rahmenbedingungen eher irrational“, findet Thomas Lüdke, Leiter des M&A-Geschäfts bei Deloitte. 
 
Die große Mehrheit der deutschen CFOs scheint sich allenfalls für kleine Arrondierungen des Portfolios mit Hilfe von M&A-Deals und zur Schnäppchenjagd aufraffen zu können. „Große strategische Deals stehen zurzeit weitgehend im Hintergrund“, glauben die M&A-Experten von Deloitte. Fazit: „Der Markt kommt nicht in Schwung.“

Hoffen auf den Scout-Deal der Telekom

Die M&A-Experten äußern sich auch zurückhaltend zu den kürzlich angekündigten Milliardenübernahmen durch PE-Investoren in Deutschland, den Kauf des Buchverlags Springer Science durch BC Partners und den Rückkauf des Ablesedienstleisters Ista durch CVC vom zwischenzeitlichen Besitzer Charterhouse. Offenbar erwartet Deloitte nicht, dass die beiden Tertiary Buy-outs eine Eisbrecherfunktion haben könnten.

Größere Hoffnungen setzt Deloitte-Partner Lüdke in den laufenden Verkaufsprozess der Scout-Gruppe, den die Telekom aufgesetzt hat: „Möglich wäre, dass ein Verkauf von Scout den Gordischen Knoten durchschlägt und auch strategisch motivierte Transaktionen den deutschen M&A-Markt beleben werden.“ Neben einigen anderen Strategen hat auch der Springer-Verlag sein Interesse an Scout angemeldet, auch diverse PE-Investoren scheinen im Rennen zu sein. Jüngsten Presseberichten zufolge scheint der Deal jedoch auf der Kippe zu stehen – offenbar liegen die Preiserwartungen der Telekom weit über den indikativen Angeboten, die die Kaufinteressenten hinterlegt haben.    

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