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H&T bekommt Zuschlag für Balda – mit einem Aber

Man dachte der Verkauf des operativen Geschäfts sei schon auf der Zielgeraden. Jetzt mischt ein neuer Bieter die Karten neu.
Balda AG

Eigentlich sollte der skurrile Übernahmepoker um das operative Geschäft von Balda mit der Hauptversammlung des Unternehmens beendet sein. Die Zustimmung für das Kaufangebot der Düsseldorfer Industrieholding Heitkamp & Thumann hätte kaum größer ausfallen können. 97,4 Prozent der anwesenden Aktionäre stimmten dem Angebot über 74 Millionen Euro zu. Doch sicher ist der Deal für den Hersteller von Metall- und Kunststoffkomponenten H&T damit noch lange nicht.

Am vergangenen Donnerstag machte das italienischen Unternehmen Stevanato, das Glasverpackungen für die Pharmaindustrie herstellt, ein Gegenangebot über 80 Millionen Euro, ansonsten orientiert sich das Angebot an der Struktur und den Garantien des H&T-Angebots. Noch ist die Offerte nicht verbindlich, der Vorstand von Balda hat den Italienern eine Frist bis Mitternacht am 14. Dezember eingeräumt, um ein notarielles Angebot vorzulegen.

Wenn das Management von Stevanato hält, was es verspricht, dann wird die Offerte der Italiener den Aktionären zur Abstimmung vorgelegt und die Zustimmung zum H&T-Angebot wird aufgehoben. Für die Industrieholding geht damit ein Übernahmespiel, das schon Monate andauert, in die nächste Runde.

H&T-Angebot für Balda könnte übertroffen werden

Heitkamp & Thuman geht es damit jetzt genauso wie zuvor dem Finanzinvestor Paragon. Im September hatte Balda mitgeteilt, dass mit den Investor ein „Kaufvertrag zum Verkauf ihres gesamten operativen Geschäfts für einen Kaufpreis von 62,9 Mio. Euro abgeschlossen“ worden sei. Nur die Zustimmung der Hauptversammlung stand noch aus – daran ist der Finanzinvestor letztlich gescheitert.

Denn das Familienunternehmen Heitkamp & Thuman, das auch schon zuvor im Verkaufsprozess mitgemischt hatte, legte ein Gegenangebot vor. Der Deal war wieder offen. Beide Interessenten besserten ihre Angebote nach, letztlich hatte Heitkamp & Thuman die Oberhand. Paragon erhielt lediglich eine Abstandszahlung von 1,4 Millionen Euro dafür, dass der Vertrag nicht zustande kam.

Legt Heitkamp & Thuman nochmal nach?

Eins ist durch das Gegenangebot von Stevanato klar: der Kampf um das operative Geschäft von Balda ist noch nicht vorbei. Es wird sich zeigen, wie viel die Einheiten der Industrieholding H&T tatsächlich wert sind. Theoretisch könnte das Familienunternehmen Angebot noch einmal aufstocken. Balda und seine Aktionäre würde das freuen. H&T-CEO Christian Diemer warnt dagegen, die „andauernde Hängepartie“ könnte zum „ Verlust des Kundenvertrauens und der Reputation der Balda“ führen. Für sechs Millionen Euro mehr könnten die Aktionäre allerdings bereit sein, das in Kauf zu nehmen.

Die Balda-Aktionäre haben auf der Hauptversammlung außerdem dem künftigen Unternehmensgegenstand nach dem Verkauf des operativen Geschäfts zugestimmt. Balda will sich als Mittelstandsfinanzierer positionieren.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Auf unserer Themenseite Balda können Sie nachlesen, was sich im Übernahmepoker um das operative Geschäft bisher abgespielt hat.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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