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Immer buntere Schar an Interessenten für Air Berlin

Wie lange wird Air Berlin noch fliegen? Für die insolvente Airline gibt es immer mehr Kaufinteressenten. Neuestes Beispiel: Die Spedition Zeitfracht.
Andreas Jackert / airberlin

Das Interesse an einem Kauf der insolventen Air Berlin ist ungebrochen: Seitdem die Airline Mitte August Insolvenz angemeldet hat, melden sich immer mehr potenzielle Bieter zu Wort. Überraschenderweise sind darunter viele branchenfremde Interessenten, die offenbar glauben, das richtige Rezept für die schon seit Jahren kriselnde Fluggesellschaft gefunden zu haben – oder vorhaben, die Airline mit der eigenen Firma zusammenzuschließen.

Das neuste Beispiel ist die kleine Berliner Spedition Zeitfracht. „Wir schätzen den strategischen Wert der gesamten Air Berlin Gruppe für unser Unternehmen und sind überzeugt davon, dass wir im Interesse der Gläubiger und Mitarbeiter ein wettbewerbsfähiges und wirtschaftlich vernünftiges Angebot abgeben können“, gibt sich Wolfram Simon, Geschäftsführer des Unternehmens mit 800 Mitarbeitern und knapp über 100 Millionen Euro Umsatz, in einer Pressemitteilung selbstbewusst. Dem potenziellen Bieter sei daran gelegen, Air Berlin möglichst als Ganzes zu erhalten und den Luftverkehrsstandort Berlin zu stärken, hieß es weiter.

Zeitfracht ist am Cargo-Geschäft von Air Berlin interessiert

Die Unterlagen hat der Logistikdienstleister laut Simon bereits am Montagabend bei dem Air-Berlin-Sachwalter Lucas Flöther eingereicht. Das Angebot überrascht nicht nur, weil Zeitfracht branchenfremd ist, sondern auch noch wesentlich kleiner als Air Berlin, die mit knapp 8.500 Mitarbeitern im Jahr 2016 fast 3,8 Milliarden Euro umsetzte.

Trotzdem glaubt Zeitfracht, den Kauf stemmen zu können – das Geld soll aus dem Verkauf eines 6,21-prozentigen Anteils an Deutschlands zweitgrößtem Paketdienst DPD kommen, wie das „Handelsblatt“ von Wolfram Simon erfahren hat. Interesse hat Zeitfracht insbesondere an dem Cargo-Bereich. Im Passagiermarkt erwägt das Unternehmen, mit Partnern zusammenzuarbeiten.

Hotelbetreiber Skora will Air Berlin mit anderen Investoren kaufen

Überraschend war auch das Angebot des Berliner Hotelbetreibers Alexander Skora, der sein Interesse kurz vor der Äußerung des Zeitfracht-Chefs bekundete. Skora habe sich mit einem Konsortium aus israelischen, amerikanischen und kanadischen Unternehmen zusammengetan, sagte Skora der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch der frühere ENBW-Chef Utz Claasen hat dem Magazin „Spiegel“ zufolge Interesse angemeldet. Dazu habe er "hochpotente und hochseriöse internationale Investoren" kontaktiert, mit denen er "freundschaftlich verbunden" sei, soll er in einem Brief an Lucas Flöther geschrieben haben.

Hans Rudolf Wöhrl will „ziemliches hohes“ Angebot einreichen

Zu den ungewöhnlichen Interessenten von Air Berlin gehört auch der Luftfahrunternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der kommende Woche ein Angebot für Air Berlin einreichen will. „Die Höhe ist ziemlich hoch. Ich glaube, man wird sehr, sehr überrascht sein“, sagte Wöhrl am gestrigen Mittwoch im „ARD-Morgenmagazin“. Und nicht nur Air Berlin als Ganzes lockt Interessenten: Vor wenigen Tagen kündigte der ehemalige Formel-1-Star Niki Lauda an, die von ihm einst gegründete Air-Berlin-Tochter Niki kaufen zu wollen

Die besten Chancen werden allerdings den unmittelbaren Konkurrenten von Air Berlin zugeschrieben: Neben der Lufthansa haben auch Easyjet, Thomas Cook und die IAG-Gruppe, zu der British Airways gehört, Interesse angekündigt.

Ob die Angebote nun tatsächlich realistisch sind oder nicht: Alle Interessenten haben bis zum 15. September Zeit, ihre Offerten vorzulegen. Bereits am 21. September soll darüber entschieden werden, wer den Zuschlag erhält.

Inzwischen kann Air Berlin auch auf die Mittel aus dem Überbrückungskredit über 150 Millionen Euro zugreifen. Nachdem die EU-Kommission das Darlehen der staatlichen KfW-Bank genehmigt hat, kann die Airline die Mittel ab sofort in Tranchen abrufen, erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Medienberichten zufolge zahlt Air Berlin 10 Prozent Zinsen für den Kredit.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Info

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft ist insolvent. Wie es dazu kam und wie es nun weiter geht – mit der FINANCE-Themenseite zu Air Berlin bleiben Sie auf dem Laufenden.

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Julia Schmitt ist Chef vom Dienst bei FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung, Controlling und Bilanzierung. Julia Schmitt hat einen Abschluss in Volkswirtschaftslehre und Publizistik und arbeitete während ihres Studiums unter anderem in der Online-Redaktion der ZDF heute.de-Nachrichten.

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