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Japaner wollen Dialog Semiconductor kaufen

Der japanische Halbleiterkonzern Renesas will Chiphersteller Dialog Semiconductor übernehmen.
Olexandr – stock.adobe.com

Dialog Semiconductor steht vor dem Wechsel in japanische Hände: Renesas Electronics, entstanden aus der Fusion der Chipsparten von drei japanischen Elektronik-Konzernen, bietet rund 4,8 Milliarden Euro für das schwäbisch-englische Unternehmen.  

Renesas‘ Gebot von 67,50 Euro je Dialog-Aktie liegt rund 20 Prozent über dem Schlusskurs des Papiers vom vergangenen Freitag. Und schon da war das Papier um 7 Prozent auf ein Rekordhoch von 56 Euro gestiegen, weil die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ von einem Kaufinteresse des europäischen Chipriesen STMicroelectronics berichtet hatte. Der Preis, mit dem die Japaner diese Avancen ausgestochen haben, liegt um 50 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate und entspricht etwa dem Dreifachen dessen, was Dialog auf dem Höhepunkt des Corona-Crashs im vergangenen März wert gewesen war.

Der M&A-Deal unterliegt dem britischen Übernahmerecht und wird voraussichtlich durch ein „Scheme of Arrangement“ durchgeführt. Das Closing soll in der zweiten Jahreshälfte erfolgen.

Renesas und Dialog Semiconductor kennen sich

Renesas, das 2019 rund 5,7 Milliarden Euro umsetzte, ist vor allem bei Chips für die Autoindustrie aktiv. Dialog hingegen entwickelt in erster Linie Chips für Telekommunikationsgeräte wie Smartphones, Tablets und Blue-Tooth-Systeme. Größter Kunde des Unternehmens mit Wurzeln in Kirchheim/Teck ist Apple. Auf diesem Feld arbeiten Dialog und Renesas bereits zusammen.

Die Japaner wollen die Übernahme mit vorhandener Liquidität bezahlen, aber auch eigene Aktien verkaufen. Der aktuelle Börsenwert von Renesas beträgt 16 Milliarden Euro. Renesas wurde auf Finanzseite von der Investmentbank Nomura beraten. Die Kanzleien Covington & Burling und Nagashima Ohno & Tsunematsu wurden als Rechtsberater mandatiert. J.P. Morgan, Qatalyst Partners und Linklaters fungierten für Dialog als Berater.

GlobalWafers will Siltronic kaufen

Interessant ist der Zeitpunkt, an dem es zu diesem Deal kommt. Die Chipindustrie boomt gerade, in vielen Bereichen übersteigt die Nachfrage die Herstellungskapazitäten. Auch Dialog hatte erst kürzlich die Umsatzprognose deutlich angehoben.

Gleichzeitig rollt eine Konsolidierungswelle durch die Branche, in deren Zentrum offenbar Deutschland steht. Gerade steht auch der deutsche Chipzulieferer Siltronic vor der Übernahme durch den Strategen Global Wafers. Um der explodieren Nachfrage gerecht zu werden, mussten die Taiwanesen ihre Siltronic-Offerte aber schon zweimal aufstocken von anfangs 125 auf inzwischen 145 Euro je Aktie. Mit 4,35 Milliarden Euro wäre der Kaufpreis ähnlich hoch wie bei Dialog.

Chipbranche: Infineon stärkte sich mit Cypress

Der M&A-Trend in der globalen Chipindustrie zeigt eindeutig: Nur die Großen bleiben unabhängig. Chipanbieter mit einem Wert von 5 bis 10 Milliarden Euro haben es schwer, Avancen größerer Käufer abzuwehren. Auch Dialog hat versucht, mit eigenen Übernahmen schnell an Größe zu gewinnen. Erst im Sommer übernahm Dialog für 500 Millionen US-Dollar den US-Schaltkreis-Spezialisten Adesto.

2019 nahm Dialog 1,3 Milliarden Euro ein, in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahrs 2020 ging der Umsatz aber um rund 10 Prozent auf 937 Millionen Euro zurück, der operative Gewinn um über 20 Prozent auf 187 Millionen.

Anders als Dialog und Siltronic hat es der größte deutsche Chipkonzern Infineon geschafft, der „Middle Income Trap“ am M&A-Markt zu entkommen. Die Münchener übernahmen im vergangenen Jahr für 9 Milliarden Euro den US-Wettbewerber Cypress. Dadurch wurde Infineon der achtgrößte Chiphersteller weltweit, im Geschäft mit der Autoindustrie sogar zur globalen Nummer Eins. Die Größenvorteile sollen langfristig Synergien im Wert von 1,5 Milliarden Euro einbringen. Vor allem aber bringt Infineon inzwischen einen Unternehmenswert von rund 48 Milliarden Euro auf die Waage, was die Gefahr einer Übernahme durch einen Wettbewerber deutlich gesenkt hat.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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