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Japans Firmen kaufen in Europa zu

iStock / Thinkstock / Getty Images

Japanische Firmen galten lange als Außenseiter in M&A-Prozessen, doch seit der Atomkatastrophe in Fukushima scheint sich dies zu ändern: Das Volumen von Investitionen japanischer Unternehmen im Ausland  lag zwischen März 2010 und März 2011 – dem Monat der Atomkatastrophe – noch bei 39,4 Milliarden US-Dollar und verdoppelte sich in den darauffolgenden zwölf Monaten bis März 2012 auf 89,9 Milliarden Dollar, berichtet Dr. Michael Thiele, Partner der M&A-Beratung Angermann M&A International.

Japanische Unternehmen sieht Thiele als durchaus attraktive Transaktionspartner für europäische Unternehmen: „Japanische Unternehmen bewerten meist relativ hoch“, sagt er. Zum einen orientierten sich die Käufer an den Multiples ihrer Region – und die sind in Asien höher als in Europa. Zudem haben die europäischen Targets für die Interessenten einen hohen strategischen Wert. Zwar sind Megadeals mit Japanern selten, doch dafür steigt die Nachfrage in einer mittleren Dealgröße. „Das durchschnittliche Dealvolumen dürfte um die 100 Millionen Euro liegen“, schätzt Thiele.

Komplettübernahmen bevorzugt

Die größte Auslandstransaktion des vergangenen Jahres war eine Übernahme in Europa: Takeda Pharmaceuticals übernahm die Schweizer Nycomed (siehe Tabelle). Auch in Deutschland gibt es erste, wenn auch bescheidene Transaktionen. Im März wurde die Übernahme der Schroth Safety Products durch die Europa-Tochter der japanischen Takata Corporation abgeschlossen. Thiele selbst hat zurzeit ein Kaufmandat eines japanischen Konzerns. Im Gegensatz zu chinesischen Käufern setzen Japaner seiner Beobachtung nach mehr auf Komplettübernehmen als auf Joint Ventures. Und sie interessieren sich weniger für starke Marken als vielmehr für einen starken Marktzugang und für Technologien. „Als Nation mit einer großen Technologieexpertise genießt geistiges Eigentum für japanische Käufer hohen Wert. Unternehmen hierzulande kommt das entgegen“, findet Thiele.

Eine Besonderheit haben Deals mit Japanern allerdings: Sie dauern häufig länger als mit westeuropäischen Transaktionspartnern. Und sie lassen sich nur schwer als strukturierter Aktionsprozess aufziehen. „Viele japanische Käufer wollen schon sehr früh im Prozess Exklusivität bei den Verhandlungen“, sagt Thiele. Wenn sie sich für einen Deal interessieren, stünden sie dafür aber voll hinter dem Projekt. „Die Abschlussverlässlichkeit ist hoch – das ist in einem volatilen Marktumfeld auch etwas wert.“

Info

Japanisch-Europäische Deals seit 2011 (Auswahl)

Takeda Pharmaceutical kauft Nycomed (Schweiz) für 13,6 Mrd. US-Dollar
Toshiba kauft Landis & Gyr (Schweiz) für 2,3 Mrd. US-Dollar
Sony kauft Sony Ericsson Mobile Communications (UK) für 1,3 Mrd. US-Dollar
Nisshinbo Holdings kauft TMD Friction (Luxemburg) für 0,55 Mrd. US-Dollar
Kyocera kauft Unimerco (Dänemark) für 0,25 Mrd. US-Dollar
Asics kauft Haglofs Holding (Schweden) für 0,14 Mrd. US-Dollar
Murata Manufacturing kauft VTI Technologies (Finnland) für 0,26 Mrd. US-Dollar
Zeria Pharmaceuticals kauft Biofac Esbjerg (Dänemark) für 0,04 Mrd. US-Dollar
Takata Europe kauft Schroth Safety Products (Deutschland/Florida) für 0,03 Mrd. US-Dollar

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