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Kaufgerüchte um Celesio

US-Pharmariese McKesson will sich offenbar von seinem deutschen Pharmagroßhändler Celenio trennen.
McKesson Europe

Im Pharmagroßhandel brodelt die Gerüchteküche. Es deutet sich an, dass einer der größten Übernahmedeals der vergangenen zehn Jahre womöglich schon bald rückabgewickelt werden könnte: die Übernahme des Stuttgarter Großhändlers Celesio durch den amerikanischen Pharmahändler McKesson. Für den US-Konzern wäre dies das bittere Ende seiner Expansion nach Europa und eine gigantische Wertvernichtung. Den als Käufer gehandelten Mitbewerber Phoenix könnte ein Deal hingegen zum größten Pharmahändler Europas machen.

McKesson hatte Celesio 2014 für 6,2 Milliarden Euro vom damaligen Mehrheitseigner Haniel gekauft, um Synergien zu nutzen und aus dem Unternehmen einen Full-Service-Anbieter im Pharmabereich zu formen. Doch der Plan ist nicht aufgegangen, Celesio unter dem neuen Eigentümer nie in Fahrt gekommen. Schon seit zwei Jahren gab es immer wieder Mutmaßungen, dass der US-Konzern mit dem Gedanken eines Rückzugs aus Europa spiele. Sowohl McKesson als auch Phoenix wollten sich zu den möglichen Übernahmegesprächen nicht äußern.

Kauf von Celesio könnte Phoenix zur Nummer 1 machen

Einen möglichen Käufer könnte McKesson nun in Celesios größtem Wettbewerber, der deutschen Phoenix gefunden haben, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Demnach führt McKesson bereits fortgeschrittene Gespräche mit der Phoenix-Eignerfamilie Merckle, aber auch mit Finanzinvestoren.

Für die Phoenix Gruppe wäre der Kauf ein attraktiver Deal: Die Übernahme von wesentlichen Teilen Celesios würde die Mannheimer im Pharmahandel zum größten Player Europas machen– vorbehaltlich der kartellrechtlichen Genehmigung. Und dort dürfte Phoenix auf Probleme stoßen, zumindest in Teilmärkten wie etwa in Skandinavien. In Deutschland hingegen, wo Phoenix auf einen Marktanteil von über 25 Prozent kommt, hat McKesson das Celesio-Geschäft in ein Joint Venture mit Walgreens eingebracht, was eine Übernahme durch Phoenix zumindest hierzulande verhindern dürfte.

Auch auf das britische Geschäft wird Phoenix wohl keinen Zugriff erhalten. Dort verhandelt McKesson Bloomberg zufolge bereits intensiv mit Private-Equity-Investoren.

McKesson drohen Milliardenverluste

Für McKesson dürfte die Rückabwicklung des Celesio-Kaufs ein schmerzhafter und vor allem teurer Abschied vom großen Europatraum werden. Bloomberg taxiert den Wert des Europageschäfts von McKesson auf 2,5 bis 3,3 Milliarden Euro – eine gigantische Wertvernichtung gegenüber den 6,2 Milliarden Euro, die der US-Pharmagroßhändler vor sieben Jahren für Celesio auf den Tisch gelegt hatte.

Schon die damalige Übernahme des Stuttgarter Pharmagroßhändlers Celesio hatte sich für McKesson schwierig gestaltet. Der erste Versuch im Januar 2014 scheiterte an der Einmischung des Hedefonds Elliot. Dieser hatte zuvor seine Anteile an Celesio kräftig aufgestockt und einen Preisaufschlag verlangt. Letztlich konnte sich McKesson im Übernahmepoker doch noch durchsetzen, musste jedoch einen Aufschlag von 50 Cent und damit 23,50 Euro je Aktie zahlen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

thomas.holzamer@finance-magazin.de | + posts

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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