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M&A-Berater von Herz: „PE-Investoren wenden sich ab“

Angst vor den Strategen: Die PE-Investoren meiden die deutsche Autobranche.
Thinkstock / Getty Images

Ihr Beispiel für sich aus Europa zurückziehende US-Zulieferer passt aber nicht ganz zu den Zukäufen von US-Konzernen, die wir jüngst in der deutschen Autobranche gesehen haben.
Ja, Johnson Controls macht zum Beispiel beides – dieser große US Zulieferer reduziert zur Zeit mit dem Verkauf der europalastigen Elektronikaktivitäten das Engagement in Frankreich und Deutschland und hat sich dafür aber strategisch im Sitzbereich verstärkt und die deutschen Strukturteilelieferanten  Keiper und Hammerstein zugekauft. Johnson hat das aber nicht gemacht, weil das Management so stark an Europa glaubt, sondern wegen der vertikalen Integration.

Wieso wirkt denn gerade die vertikale Integration als Gegentrend zu der allgemeinen Verkaufswelle?
Insbesondere aus drei Gründen. Der erste ist altbekannt: Indem ich zukaufe, halte ich Wettbewerber fern, die mir das Leben schwer machen könnten, wenn sie das Target erwerben und damit einen Markteintritt finden. Zwei andere Trends halte ich im Moment aber für bedeutender. Der eine ist die Leichtbauweise, die immer mehr zum Schlüssel bei der Auftragsvergabe seitens der OEMs wird. Wenn ich eine Komponente – bleiben wir ruhig beim Beispiel Autositz – leichter machen muss, gelingt mir das natürlich besser, wenn ich den gesamten Entwicklungs- und Fertigungsprozess selbst kontrolliere und nicht die einzelnen Komponenten von vielen kleinen Sublieferanten beziehen muss, die vielleicht selbst zu klein sind, um viel in F&E zu stecken. Der wichtigste Treiber für die vertikale Integration ist aktuell aber die Preispolitik.

Wieso das?
Die meisten Zulieferer zielen insgeheim darauf ab, für ihre Kunden eine Black Box zu werden. Die Preise der Sublieferanten sind den OEMs meistens bekannt. Damit können sie sich leicht die Margen ihrer Zulieferer ausrechnen. Je mehr ein Zulieferer aber im eigenen Haus produziert, umso schwerer sind seine Margen für die Kunden zu durchschauen. Kein einziger dieser Gründe rechtfertigt für sich allein einen M&A-Deal– aber in Summe erzeugen alle drei schon einen gewissen Druck auf große Zulieferer, die aktuelle Schwäche kleinerer Anbieter auszunutzen, um ihre Wertschöpfungstiefe auszubauen.

Was aber aus variablen Kosten fixe Kosten werden lässt.
Das stimmt. Aber das extreme „Asset-light“-Mantra der Zeit direkt nach dem Markteinbruch 2009 schwächt sich deutlich ab. Immer mehr Unternehmen sind bereit, aus strategischen Gründen auch größere Risiken in ihrer Kostenstruktur hinzunehmen.

„PE-Investoren wissen, dass sie den Kürzeren ziehen“

Wo bleiben die PE-Investoren bei diesem Spiel? Wir haben den Eindruck, dass sie grosso modo die Lust an ihrem alten Lieblingsspielzeug verloren haben.  
Ja, das kann man so sehen. Wir sehen im Moment nicht besonders viele PE-Investoren auf unseren M&A-Prozessen im Automotive-Sektor. Ins Spiel kommen PE-Investoren eigentlich nur bei sehr schwierigen Turnarounds, die zum Teil nach den ersten Sanierungsschritten ja auch die Perspektive einer anschließenden Buy-and-Build-Strategie bieten. Ansonsten sehen wir die PE-Investoren derzeit nur noch bei Prozessen mit Targets, die eine erwiesenermaßen funktionierende LBO-Plattform darstellen. Dann sprechen wir aber über Secondary und Tertiary Buy-outs wie bei dem Zulieferer FTE Automotive, der im Mai von PAI Partners an Bain Capital verkauft worden ist.   

Wieso beschränken sich die PE-Investoren so stark?
Aus Weitsicht und auch aus einer gewissen Portion Respekt. Die PE-Investoren gehen gar nicht erst in M&A-Prozesse hinein, bei denen klar ist, dass dort auch ausländische Strategen mitbieten werden. Das macht in deren Augen wenig Sinn. Sie gehen schlicht davon aus, dass sie dort ohnehin den Kürzeren ziehen werden.  

Sie beschreiben ein sehr schwieriges Marktumfeld. Für findige CFOs im Automotive-Bereich bieten sich aber doch bestimmt trotzdem auch Chancen, oder?  
Absolut, zum Beispiel in China. Dort suchen gerade einige Privatunternehmer den Exit bei ihren Unternehmen. Da kommen die ersten Perlen auf den M&A-Markt, die einem deutschen Käufer aus dem Stand weg eine starke Marktposition in China verschaffen können. Das ist besser als jedes Greenfield-Projekt. Wir betreuen zur Zeit den Verkauf eines chinesischen Zulieferer mit einem Ebitda von 50 Millionen Euro und sehen hier eine große Nachfrage seitens etablierter europäischer Unternehmen.

Und was geht noch für die CFOs kleinerer Zulieferer?
Wir beobachten ein wachsendes Interesse vor allem seitens der Managementteams französischer Zulieferer, mit einem Konkurrenten von der anderen Rheinseite Allianzen zu schließen oder gar zu fusionieren. Bei manchen Konstellationen könnte auf diese Art tatsächlich aus zwei schwächelnden Anbietern einer werden, der etwas robuster aufgestellt ist. Nur: Bislang stoßen die Franzosen bei den Deutschen meist auf taube Ohren. Vielleicht ist für manche deutsche Managementteams die Zeit gekommen, die eigenen Vorbehalte mal wieder zu überdenken.  

Hier geht es zum Teil 1 des FINANCE-Interviews mit Patrick von Herz.
   
 

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