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M&A-Deals: BASF, BayWa, Leifheit

BASF und Gazprom haben einen Asset-Tausch vereinbart.
BASF

BASF und Gazprom mit Asset-Tausch

BASF will sich von seinem Gashandels- und Speichergeschäft trennen und dafür die Öl- und Gasförderung ausbauen. In dieser Woche hat das Unternehmen dafür einen Asset-Tasuch mit Gazprom vereinbart. Die Vereinbarung sieht die gemeinsame Erschließung von zwei weiteren Blöcken eines Erdgasfeldes in Westsibirien vor. Wintershall, eine 100-prozentige Gruppengesellschaft von BASF, erhält 25 Prozent plus einen Anteil an den beiden Blöcken, verbunden mit der Option, den Anteil an den beiden Erdgaslagerstätten auf 50 Prozent aufzustocken. Der Start der Produktion ist für das Jahr 2016 vorgesehen.

Im Gegenzug erhält Gazprom alle Anteile am bislang gemeinsam betriebenen Erdgashandels- und Speichergeschäft sowie 50 Prozent an der Wintershall Noordzee, die in der Erdöl- und Erdgassuche in der südlichen Nordsee tätig ist. Die abgehenden Aktivitäten trugen BASF zufolge im Jahr 2011 insgesamt 8,6 Mrd. Euro zum Umsatz und 350 Mio. EUR zum EBIT der BASF-Gruppe bei. Wenn die Behörden zustimmen, soll die Transaktion zum Jahresende 2013 vollzogen werden, wirtschaftlich rückwirkend zum 1. April 2013. In der vergangenen Woche hatte BASF zudem angekündigt, die Tochter BASF Wall Systems verkaufen zu wollen.

Investoren steigen bei Leifheit aus

Der Investor Home Beteiligungen, der mit rund 49 Prozent am Grundkapital des Unternehmens Leifheit beteiligt ist, will sich von dem Investment trennen. Auch die MKV Verwaltungs GmbH, die rund 10 Prozent an Leifheit hält, will die Beteiligung einer Mitteilung von dieser Woche zufolge abgeben.

Es läuft ein außerbörslicher Verkaufsprozess, den die BNP Paribas begleitet. Grund für die Entscheidung sei die persönliche Vermögensplanung der Verkäufer.

BayWa verkauft Unternehmenszentrale an Joint-Venture

Der Agrarhändler BayWa hat für 80 Mio. Euro seine Zentrale in München an ein gemeinsames Joint-Venture mit Competo Capital Partners verkauft. Beide Firmen sind zu jeweils 50 Prozent an der Projektgesellschaft beteiligt. Die Projektpartner gehen davon aus, dass die Sanierungsarbeiten nicht vor 2016 abgeschlossen sein werden. Danach ist geplant, die Immobilie an einen Investor weiterzuverkaufen und das Hochhaus, das weiterhin Hauptsitz von BayWa bleibt, langfristig  zurück zu mieten. 

Die BayWa will das in Immobilien gebundene Kapital reduzieren und neu investieren. Ein Teil des Erlöses wird unter anderem für den Kauf der Agrarfirmen Cefetra und Bohnhorst genutzt. Ein Team um die Noerr-Partner Prof. Alexander Liegl und Dr. Florian Becker hat BayWa bei dem Immobiliendeal beraten.

Mehr Versicherungen für Transaktionsrisiken

Risiken bei M&A-Deals werden einer Studie des Versicherungsmaklers Marsh zufolge zunehmend auf den Versicherungsmarkt übertragen. Dem jüngsten „Transactional Risk Update“ zufolge ist die Deckungssumme der Verträge, mit denen Transaktionsrisiken abgesichert werden, im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 35 Prozent auf 2,3 Mrd. US-Dollar gestiegen.

60 Prozent der 2012 weltweit verkauften Policen wurden von Unternehmen geschlossen. Heidi D. Melsheimer, Leiterin des Geschäftsbereichs Private Equity und M&A von Marsh in Deutschland und Österreich, sagte, das Unternehmen rechne mit einer steigenden Nachfrage nach Warranty & Indemnity Versicherungen, da diese flexibler sein könnten als Kaufpreisanpaassungsklauseln oder Escrow Accounts.

BM&A-Studie: Nachholbedarf bei M&A-Kommunikation

Die Kommunikation bei M&A-Prozessen ist in vielen Fällen verbesserungswürdig. Dies hat eine Umfrage des Bundesverbands Mergers & Acquisitions (BM&A) unter 59 Konzernverantwortlichen, mittelständischen Unternehmern, Lehrbeauftragten, Beratern, Investoren, Anwälten und PR-Experten ergeben. 93% der Befragten räumten demnach der Kommunikation eine sehr hohe oder hohe Bedeutung für den Erfolg von M&A-Deals ein. Allerdings waren zugleich knapp zwei Drittel der Ansicht, dass der Kommunikation von M&A-Prozessen keine ausreichende Bedeutung zugebilligt werde.

Beinahe zwei Drittel der Umfrageteilnehmer bemängelten das Fehlen einer expliziten Kommunikationsstrategie, 59% meinten, dass die Inhalte besser auf die spezifischen Informationsbedürfnisse der verschiedenen Stakeholder abgestimmt werden sollten. Im Mittelpunkt der Unternehmensbotschaften sollten nach Ansicht von 95% der Befragten die strategischen Beweggründe für den M&A-Deal stehen. 85% halten auch die Auswirkungen auf Mitarbeiter und Standorte für besonders wichtig. Die vollständigen Ergebnisse der Studie gibt es auf der Internetseite des BM&A.

M&A-News: Personalien

Die Managementberatung Alvarez & Marsal erweitert ihre deutsche Niederlassung um eine Transaction Advisory Group. Jürgen Zapf wird diese als Managing Director leiten. Zapf war mehr als 20 Jahre bei Ernst & Young, wo er unter anderem die Transaktionsabteilung in München mit begründete. Zu seinen Industrieschwerpunkten gehören die Bereiche Handel und Konsumgüter, Automobilindustrie, Biotechnologie und Immobilien.

Die Kanzlei Latham & Watkins verstärkt sich zum Jahresbeginn. Daniel Ehret wird als Counsel im Finance Department schwerpunktmäßig die Themen Distressed M&A, Insolvenz und Restrukturierung bearbeiten. Ebenfalls zum Januar 2013 wird Christine Gärtner neue Partnerin im Litigation Department, Panu Siemer wird Counsel mit Schwerpunkt Immobilientransaktionen im Finance Department.

Lars Follmann ist in dieser Woche neben Angelika Kunath zum weiteren Geschäftsführer von Fondshaus Hamburg Immobilien (FHHI) ernannt worden. Er ist derzeit Leiter des Bereichs Strategische Projektentwicklung und M&A beim Joint-Venture-Partner Hochtief Solutions. An der im September gegründeten Immobilienfondsgesellschaft FHHI sind das Fondshaus Hamburg und Hochtief Solutions zu je 50 Prozent beteiligt. Follmann startete seine Karriere 2000 bei Hochtief als Projektcontroller und verantwortete für den Geschäftsbereich Projektentwicklung unter anderem den Ankaufsprozess des Immobilienentwicklers Aurelis im Jahr 2007. Seine aktuelle Position wird er zusammen mit der FHHI-Geschäftsführung bis zum 30. Juni 2013 in Personalunion ausüben.

Weitere M&A-Deals der Woche

United Internet hat seine Option zum Kauf von 25,1 Prozent der Victorian Fibre Holding gezogen. Victorian Fibre ist die Obergesellschaft von Versatel und im Besitz von KKR. Die Option war United Internet im Zuge des Verkaufs von Versatel-Anteilen an KKR im Mai 2011 eingeräumt worden. Zudem soll ein Vendor Loan über 59,8 Mio. Euro, der KKR im Rahmen des Verkaufs gewährt worden war, in Anteile der Versatel-Obergesellschaft gewandelt werden.

Das Private-Equity-Haus Palero Capital hat eine Hygienepapierfabrik sowie mehrere deutsche und europäische Marken für Toilettenpapier zu einem nicht genannten Preis von der Kimberly-Clark Gruppe übernommen. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2013 vollzogen werden. Palero wurde von einem Team der Kanzlei Ashurst unter Federführung von Partner Dr. Nikolaus von Jacobs und Senior Associate Sören Kampmann begleitet. Ashurst hat Palero in diesem Juli bereits beim Kauf von Tesa Bandfix und im März bei der Akquisition des Geschäftsbereichs Folientiefdruck von MMP Behrens beraten. Kimberly-Clark wurde beim Verkauf von einem Team von Clifford Chance um Partner Bernd Meyer-Witting begleitet. Als M&A-Berater begleitete KPMG Corporate Finance die Transaktion.

Die US-Unternehmensgruppe Aegis hat den deutschen Softwaremodulhersteller Diplan sowie die in Shanghai ansässige Diplan Asia übernommen. Finanzielle Details zur Transaktion wurden nicht genannt. Ein Münchener Team der Kanzlei Dechert um Partner Berthold A. Hummel hat Aegis beraten. Diplan wurde bei dem M&A-Deal von einem Team von Rödl & Partner unter Federführung von Björn Stübiger (Corporate Finance) und Rainer Schaaf (Rechtsberatung) begleitet. Die Käuferseite wurde von Dechert und BDO beraten.

Die Anlagegesellschaft Partners Group mit Hauptsitz in Zug hat gemeinsam mit GP Investments in den brasilianischen Sportfachhändler SBF Group investiert. Die Transaktion soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Das Unternehmen für Türschließsysteme Dorma hat das kanadische Unternehmen Rutherford Controls übernommen. Dorma erweitert durch den M&A-Deal sein Portfolio um elektromechanische Zugangskomponenten. Über finanzielle Details der Transaktion wurde nichts bekannt.

Der Allgäuer Automobilzulieferer Swoboda hat die im September angekündigte Übernahme von NewTec Innovation in Rumänien abgeschlossen. Der rumänische Standort wird in die bestehende Struktur der Swoboda Gruppe integriert und unter dem Namen Swoboda weitergeführt. Die Wirtschaftskanzlei Gütt Olk Feldhaus hat die Gesellschafter von NewTec Innovation bei dem M&A-Deal beraten.

Der Spielwarenhersteller Simba-Dickie-Gruppe (Umsatz 2011 ca. 620 Mio. Euro), bekannt für Spielzeuge wie das Bobby Car, hat Interesse an Märklin bekundet. Es gebe entsprechende Gespräche mit dem früheren Märklin-Insolvenzverwalter Michael Pluta, eine Absichtserklärung sei bereits unterzeichnet. Märklin war 2009 in die Insolvenz gegangen und schaffte danach den Neustart. 2011 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 105 Mio. Euro. Im Insolvenzplan ist ein Verkauf von Märklin, das nach wie vor den Gläubigern gehört, ab dem Jahr 2014 vorgesehen. Hauptgläubiger des Unternehmens sind Goldman Sachs, die BW-Bank und die Kreissparkasse Göppingen. Über finanzielle Details einer möglichen Übernahme wurde bislang nichts bekannt.

Der Pharmahändler Celesio hat sein Desinvestitionsprogramm beendet. In dieser Woche hat der Konzern das irische Großhandelsgeschäft Cahill May Roberts für 49,9 Mio. Euro an Uniphar verkauft. Die Behörden müssen dem M&A-Deal noch zustimmen. Celesio hatte zuletzt bereits die Unternehmensteile Doc Morris, Movianto und Pharmexx verkauft. Da die Verkaufspreise unter den Buchwerten lagen, muss Celesio mit Beendigung des Desinvestitionsprogramms 280 Mio. Euro abschreiben.

Die Serafin Unternehmensgruppe hat sämtliche Anteile des Unternehmens Vollmar (Umsatz ca. 40 Mio. Euro) und dessen Tochtergesellschaft Henschke Dochtfabrikation übernommen. Die Firma war seit 1973 Teil der Klosterfrau Gruppe. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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