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M&A-Deals: Deutsche Telekom, Siemens, Unister

Die Host Europe Group ist der Deutschen Telekom offenbar zu teuer.
Deutsche Telekom

Deutsche Telekom wirbt nicht mehr um HEG

Die Deutsche Telekom will Insidern zufolge nun doch nicht mehr den europäischen Internet-Dienstleister Host Europe Group (HEG) kaufen. Das berichtet Reuters mit Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen. Der Webhoster sei der Telekom angesichts der mageren Wachstumsperspektiven zu teuer. Die Telekom hatte sich zusammen mit der Beteiligungsgesellschaft Hellmann & Friedman beworben. HEG gehört zum Finanzinvestor Cinven, der sich sich bis zu 1,7 Milliarden Euro aus dem Verkauf erhofft.

Als Favorit gilt nun das Duo aus United Internet und dem Finanzinvestor Warburg Pincus. Dieser hatte sich erst kürzlich an der United-Internet-Sparte für Firmen-Internet-Dienste mit 33 Prozent beteiligt. Auch der US-Finanzinvestor Centerbridge und der amerikanische HEG-Rivale Go Daddy sind noch im Rennen. Finanzinvestor Permira sei hingegen raus, schreibt Reuters.

MCF Corporate Finance übernimmt schwedische M&A-Beratung

Der M&A-Berater MCF Corporate Finance kauft den Stockholmer Konkurrenten Keystone Advisers. Damit kommen neun Berater hinzu. MCF Corporate Finance versucht eine Nische in Cross-Border-Deals zwischen Deutschland und Nordeuropa zu finden. Bei Stockholm handelt es sich um das vierte Büro der M&A-Boutique nach Hamburg, London und Helsinki.

Nach der Fusion wird der Berater insgesamt 40 Mitarbeiter haben. Der Gesamtumsatz wird im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen. In Stockholm soll die Zahl der Berater mittelfristig aufgestockt werden, auch Dänemark sei als weiterer Stützpunkt interessant.

Siemens will Mentor Graphics kaufen

Siemens will für einen Preis von 37,25 US-Dollar in bar die Münchener Mentor Graphics übernehmen. Das entspricht einer Prämie von 21 Prozent gegenüber dem Schlusskurs der Mentor-Graphics-Aktie am letzten Handelstag vor der Ankündigung der Übernahme. Siemens bewertet das Unternehmen inklusive Schulden mit einem Enterprise Value von 4,5 Milliarden Dollar.

Der Deal ist für Siemens ein weiterer Schritt zur digitalen Transformation. Er erweitert das Digital Enterprise Portfolio um Lösungen, die für vernetzte Smart-Produkte benötigt werden. Im Januar erst kaufte Siemens für knapp 1 Milliarde Dollar das Softwareunternehmen CD-adapco. Beraten wurde Siemens bei dem Deal mit Mentor Graphics von Latham & Watkins, federführend tätig waren Adel Aslani-Far und Rainer Traugott.

DZ Bank schluckt DVB

Die DZ Bank will die unter der Schiffskrise leidende Tochter DVB Bank komplett übernehmen. Die Bank werde sich an einer Kapitalerhöhung bei der DVB beteiligen und die verbliebenen Aktionäre dann aus dem Institut drängen. Die DVB-Kapitalerhöhung solle ein Volumen von 100 bis 200 Millionen Euro haben, berichtet Reuters.

Die Bank hält bereits gut 95 Prozent an dem Transportfinanzierer. Die DVB Bank ist wegen vieler fauler Schiffskredite auf die Kapitalerhöhung angewiesen. Die DZ Bank war erst im Juni mit ihrem Schwesterinstitut WGZ fusioniert.

Unister kann erstes Reiseportal verkaufen

Der Verkauf des insolventen Leipziger Online-Reisenanbieters Unister geht voran. Rückwirkend zum 1. November hat der Insolvenzverwalter Lucas Flöther das Kurzreise-Onlineportal kurz-mal-weg.de an den Reiseveranstalter Fit Reisen verkauft. Kurz-mal-weg.de ist eine Tochterfirma mit 16 Mitarbeitern. Der Verkauf ging schnell über die Bühne, weil das Unternehmen innerhalb der Unister-Gruppe bereits für einen möglichen Börsengang ausgegliedert worden war. Fit Reisen wurde von Arqis beraten, federführend tätig war Lars Laeger.

Flöther betreibt das Geschäft nun mit den Portalen ab-in-den-Urlaub.de und fluege.de weiter. Derweil läuft die Suche nach Investoren. Im Rennen sind noch sechs nicht näher genannte Interessenten.

M&A-Personalien

Die Rechtsanwaltskanzlei FriedrichGraf von Westphalen hat ihre Corporate- und M&A-Praxis verstärkt. Jan Henning Martens wird ab Januar Partner der Kanzlei, Sven Ufe Tjarks wird zum Counsel befördert.

Weitere M&A-Deals

Der Berater McKinsey übernimmt F.A.Z.- Informationen zufolge die schwedische Designfirma Veryday. Es ist die Agentur, die das Ikea-Fahrrad entworfen hat. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. McKinsey will sich mit dem Deal im Designgeschäft stärken.

Der Anbieter von Kassensystemen und Kassensoftware Vectron Systems hat 75 Prozent des Kassensoftwarestartups Posmatic erworben und zusätzliches Wachstumskapital zur Verfügung gestellt. Insgesamt soll ein sechsstelliger Betrag investiert werden. Weitere finanzielle Details des Deals sind nicht bekannt.

Die Insolvenzverwalter von KTG Agrar haben das Litauengeschäft des untergegangenen Agrarkonzerns an einen nicht näher genannten Investor verkauft. Als Kaufpreis wurde ein niedriger einstelliger Millionenbetrag genannt. Während der nächsten zwei Wochen hat aber noch ein zweiter Interessent die Möglichkeit, ein besseres Kaufangebot vorzulegen.
 
Der Deutsche-Bank-CFO Marcus Schenck sieht das Geldinstitut noch nicht reif für eine Fusion. „Wir müssen noch eine ganze Reihe von Hausaufgaben machen“, sagte er auf der „Euro Finance Week“ in Frankfurt. „M&A macht man aus einer Position, in der man aufgeräumt ist“, so Schenk weiter. Im Sommer waren mögliche Gespräche um einen Zusammenschluss zwischen den Deutschen Bank und der Commerzbank im Sande verlaufen. Insidern zufolge interessiert sich die Commerzbank nun für die Übernahme der Oldenburgischen Landesbank, die zur Allianz gehört, schreibt das Handelsblatt.

Der Arzneimittelversorger Noweda aus Essen hat den Pharmagroßhändlers Ebert+Jacobi mit Sitz in Würzburg erworben. Das Familienunternehmen erwirtschaftet mit über 600 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 750 Millionen Euro. Der Zusammenschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt. Noweda wurde von Freshfields beraten.

Der schwäbische Technologiekonzern Zeiss peilt Zukäufe in Milliardenhöhe an. Vorstandschef Michale Kaschke sagte der „Welt am Sonntag“, dass der Konzern derzeit den Markt nach Zukaufszielen sondiere. Zeiss setzte zuletzt 4,5 Milliarden Euro um und ist in den Produktsegmenten Medizintechnik, Messtechnik und Halbleiter unterwegs.

Der Schweizer Pharmariese Novartis könnte die vor nicht einmal zwei Jahren erst für über 50 Milliarden Dollar komplett übernommene Augenheil-Sparte Alcon verkaufen. In einem Interview mit der „SonntagsZeitung“ sagte er: "Wir konzentrieren uns darauf, den Turnaround voranzutreiben. In Zukunft halten wir uns aber alle Optionen offen. Da stellt sich auf lange Sicht die Frage, ob wir der beste Eigner für Alcon sind." Die Sparte trägt 12 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Der Lackieranlagenbauer Dürr will seine Abhängigkeit von der Autoindustrie weiter zurückdrängen und prüft dafür erneut Zukäufe, wie Vorstandschef Ralf Dieter sagte. Im Fokus stünden Softwarespezialisten und Maschinenbauer. Als Blaupause könnte der Kauf des börsennotierten Holzmaschinenbauers Homag aus dem Jahr 2014 dienen. Homag ist inzwischen in Dürr integriert und wächst bei Umsatz und Ertrag.  

Die Modekette Adler übernimmt die Markenrechte an dem Modelabel Steilmann. Diese lagen bislang bei der im Frühjahr pleite gegangenen Modegruppe Steilmann. Details der Transaktion wurden nicht bekannt. Adler hat mit Steilmann-Artikel im vergangenen Jahr rund 18 Millionen Euro umgesetzt.

Der Finanzinvestor Invision Private Equity hat die Mehrheitsbeteiligung an dem Familienunternehmen Toner Partner übernommen, einem Onlinehändler für Tinte, Toner und Druckerpatronen. Ziel ist es, Toner Partner zu einem europaweit agierenden Anbieter auszubauen. Details zu Umsatz und Kaufpreis wurden nicht genannt. Invision ließ sich bei dem Deal von der Kanzlei Hogan Lovells unter der Leitung von Lars Benger beraten.

Die Volksbank Vorarlberg will sich von ihrer Schweizer Tochter Volksbank AG Schweiz trennen. Das Management sondiert den Markt nach möglichen Käufern.

Katjes International hat die Beteiligung an dem Schokoladenfabrikanten Halloren auf 7 Prozent erhöht. Katjes International sieht sich als Partner des Managements. Halloren befindet sich gerade auf dem Rückzug von der Börse.

Der PE-Investor HgCapital beteiligt sich an Fundinfo, einer Plattformen für Fondsinformationen und Pflichtpublikationen. Über die Höhe der Beteiligung haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Beraten wurde Fundinfo von einem CMS-Team aus Deutschland und der Schweiz unter der Federführung von Thomas Meyding.

Der Wachstumskapitalgeber Heliad investiert einen einstelligen Millionenbetrag in das Münchener Unternehmen Libify Technologies. Libify wurde 2010 gegründet und hat ein innovatives Notrufsystem entwickelt.

Die chinesische Phicomm Technology, ein Hersteller von Endgeräten für mobile Kommunikation, hat den Aktionären der FD Group ein Übernahmeangebot unterbreitet. Phicomm hält bereits mehr als 50 Prozent der Aktien der FD Group. Beraten wurde Phicomm von einem Eversheds-Team um Alexander Honrath.

Der Venture-Capital-Investor SHS übernimmt den Pflegedienstleister Medigroba. Das Unternehmen versorgt Patienten in Kliniken und zu Hause mit Hilfs- und Pflegemitteln, zum Beispiel für die Schmerztherapie oder die intravenöse Ernährung. Mit 70 Mitarbeitern erwirtschaftet Medigroba aktuell einen Umsatz im hohen einstelligen Millionenbereich, soll mit Hilfe von SHS aber zum deutschen Marktführer in diesem Bereich heran wachsen.

Das erst vor wenigen Wochen an die Börse gegangene Hightech-Unternehmen Vaqtec hat seine Beteiligung an dem Isolierspezialisten Sumteq aufgestockt. Nähere Details wurden nicht bekannt gegeben.

Die erst im Jahr 2012 gegründete Online-Buchungsplattform für medizinische Behandlungen Doxter ist an die belgische Doctena verkauft worden. Neben den Gründern gehört auch der Venture-Capital-Arm der Müller Mediengruppe zu den Altgesellschaftern. Doctena wurde von der Kanzlei DLA Piper unter Federführung von Partner Florian Hirschmann beraten.

Die Ayondo Gruppe hat die in Singapur ansässige Marke Trade Hero, eine Trading-Simulations-App für Investoren, gekauft. Der Deal ist Teil der Asien-Expansion von Ayondo. Kern des Portfolios des Fintechs Ayondo Gruppe ist der Social Trading Anbieter Ayondo mit Sitz in Frankfurt sowie der Broker Ayondo Markets mit Sitz in London.

Die Deutsche Bank hat ihre Beteiligung an der chinesischen Bank Hua Xia für rund 3,17 Milliarden Euro verkauft, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Das Aktienpaket umfasst knapp 20 Prozent der Anteile an Hua Xia. Käufer ist der chinesische Versicherer PICC Property & Casualty.

Der Rüstungskonzern KMW-Nexter will die Militär-LKW-Sparte von Volvo übernehmen, wie die "Welt" berichtete. Der M&A-Deal würde für KMW-Nexter den Einstieg in den Markt mit Militär-LKW bedeuten. Die Volvo-Sparte erzielte zuletzt schätzungsweise knapp 500 Millionen Euro Umsatz.

BayWa hat mit dem südafrikanischen Unternehmen Barloworld South Africa ein Joint Venture gegründet, das mit Land- und Logistiktechnik handeln soll. Barloworld South Africa wird in diesem Zuge sein bestehendes Geschäft  in ein südafrikanisches Unternehmen einbringen, das von einem Gemeinschaftsunternehmen gehalten wird. An diesem beteiligt sich BayWa mit 50 Prozent. Dafür zahlt BayWa knapp unter 20 Millionen Euro. Die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Die insolvente KTG Agrar hat ihren litauischen Teilkonzern für einen niedrigen siebenstelligen Eurobetrag an einen Investor veräußert. Allerdings hat ein anderer Investor noch ein Vorkaufsrecht, das er innerhalb von zwei Wochen ausüben kann. Auch die Wettbewerbshüter müssen dem Verkauf noch zustimmen.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.

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