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M&A-Deals: Hella, Deutsche Post, Tiger Media

Nicht Mahle, Plastic Omnium oder Private Equity: Am Ende hat der französische Wettbewerber Faurecia den Zuschlag für Hella bekommen.
Hella

Hella wird an Faurecia verkauft

Vergangene Woche hatte Hella verbindliche Übernahmeangebote von Interessenten erhalten – nun hat der französische Wettbewerber Faurecia den Zuschlag für den Automobilzulieferer aus Lippstadt bekommen. Wie Hella mitteilte, übernehmen die Franzosen 60 Prozent der Pool-Anteile der Hella-Eigentümerfamilie Hueck. Eine entsprechende Vereinbarung über den Zusammenschluss beider Unternehmen haben die Parteien bereits unterzeichnet.

Mit dem M&A-Deal wird auch ein Übernahmeangebot für die restlichen Hella-Anteile fällig: Bei der Offerte, die keine Mindestannahmeschwelle haben soll, bietet Faurecia 60 Euro je Aktie – der Bruttoangebotspreis erhöht sich inklusive der erwarteten Dividende auf 60,96 Euro. Damit ist der Zukauf insgesamt 6,8 Milliarden Euro schwer. Laut einem Research der UBS beträgt das EV/Ebidta-Multiple bei der Transaktion 6,4x, basierend auf dem für 2022 erwarteten Ebitda. Das entspräche einem Bewertungsaufschlag im Vergleich zu Branchen-Peers von 15 bis 30 Prozent, so die Analysten.

Die Hueck-Familie bekommt für ihre Anteile 3,4 Milliarden in bar ausgezahlt, den Rest der Summe erhält sie in Form von neuen Faurecia-Aktien. Die Industriellenfamilie kehrt Hella aber nicht komplett den Rücken zu – sie wird sich mit bis zu neun Prozent an der börsennotierten Obergesellschaft rückbeteiligen. Mit dem Vollzug des Deals, der noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Freigaben steht, rechnen die Lippstädter bis Anfang kommenden Jahres. Hella wurde von Perella Weinberg Partners, der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer (Federführung: Christoph H. Seibt) und der Brunswick Group beraten. Die Hueck-Familie wurde von der Anwaltssozietät Hengeler Mueller (Federführung: Thomas B. Paul und Thomas Meurer), der Kanzlei Bredin Prat und der Investmentbank Rothschild & Co. begleitet.

Deutsche Post schluckt Getränkelogistiker Hillebrand

Die Deutsche Post kauft im großen Stil zu: Wie die Deutsche Post DHL Group (DPDHL) mitteilte, will sie bis zu 100 Prozent der Mainzer J.F. Hillebrand Group für rund 1,5 Milliarden Euro übernehmen. Den Kaufpreis wollen die Bonner mit verfügbaren liquiden Mitteln finanzieren. Derzeitiger Hillebrand-Mehrheitseigentümer ist der belgische Finanzinvestor Cobepa, der nach eigenen Angaben 58 Prozent an dem auf die Seefracht spezialisierten Spirituosen- und Getränkelogistiker hält. Künftig soll Hillebrand mit den DHL-Frachtsparten Global Forwarding und Freight zusammengeschlossen werden. Mit dem Zukauf verfolgt DPDHL die Strategie, sich auf das Logistik-Kerngeschäft zu fokussieren. Der M&A-Deal unterliegt noch der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden – unter anderem in der EU und den USA. Mit den Genehmigungen rechnen die Bonner in den kommenden Monaten.

Erste Gerüchte über das Interesse der Deutschen Post an Hillebrand kursierten bereits vor über einer Woche. Cobepa soll den Mainzer Logistiker im Frühjahr ins Schaufenster gestellt und Rothschild mit der Käufersuche beauftragt haben. Zuletzt erzielte Hillebrand mit 2.700 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro im Jahr. Copeba wurde bei der Transaktion von White & Case (Federführung: Stefan Koch und Thierry Bosly) beraten.

Tiger Media bekommt zwei neue Aktionäre

ProSiebenSat.1 und Sony Music Entertainment Germany steigen bei dem Start-up Tiger Media ein: Wie der Münchener Medienkonzern und das Berliner Musiklabel bekanntgaben, beteiligen sie sich im Rahmen einer Finanzierungsrunde an dem Hamburger Kindermedien-Spezialisten. Tiger Media vertreibt die „Tigerbox“ – eine Audio-Streaming-Box für Kinder. ProSiebenSat.1 investiert über die Tochter Sevenventures einen „niedrigen, einstelligen Millionenbetrag“ in Tiger Media – zur genauen Höhe des Anteils oder zum Kaufpreis machten die Münchener jedoch keine Angaben. Sony Music Entertainment Germany will mit dem Investment „eine langfristig angelegte strategische Partnerschaft im Kids-Entertainment-Markt“ begründen. Tiger Media wurde bei dem Deal von der Anwaltskanzlei Allen & Overy (Federführung: Max Landshut) beraten.

Adidas gibt Reebok an Authentic Brands ab

Nach monatelanger Suche findet Adidas einen Käufer für Reebok: Wie die Herzogenauracher mitteilten, übernimmt das US-Unternehmen Authentic Brands den Sportartikelhersteller. Der Kaufpreis beträgt bis zu 2,1 Milliarden Euro – der Großteil davon soll in bar gezahlt werden. Über die Höhe der im Kaufpreis enthaltenen Earn-out-Komponente wollte Adidas gegenüber FINANCE keine Angaben machen. Nach Abschluss der Transaktion, den Adidas für das erste Quartal kommenden Jahres erwartet, will der Dax-Konzern den Großteil des direkten Barerlöses über eine Sonderdividende oder einen Aktienrückkauf an seine Aktionäre ausschütten. Bei dem Reebok-Exit wurde Adidas von JP Morgan, Hengeler Mueller und PwC Legal (Federführung: Simon Dürr und Frederic Mirza Khanian) beraten. Authentic Brands wurde von KPMG, Latham & Watkins, der Bank of America und Goldman Sachs unterstützt.

Mit dem Verkauf verabschiedet sich Adidas von einer Fehlinvestition: Die Herzogenauracher kauften Reebok 2006 für 3,8 Milliarden US-Dollar (damals rund 3,1 Milliarden Euro), seither brachte die US-Sportmarke aber nicht die gewünschten Erfolge. 2016 startete Adidas dann eine breit angelegte Transformation für Reebok – aber auch sie misslang. Im Februar dieses Jahres wurde die US-Tochter schließlich ins Schaufenster gestellt.

Info

M&A-Personalien

Die Berliner Smartphone-Bank N26 plant den Aufbau eines neuen, kleinen M&A-Teams und sucht dafür nach einem Head of M&A. Das geht aus einer auf dem Karriereportal „LinkedIn“ veröffentlichten Stellenanzeige hervor. Nach erfolgreichem Aufbau des neuen Teams werde dieses „einen enormen Einfluss auf die Erreichung unserer Wachstumsziele“ haben, heißt es in der Ausschreibung. Und ein neuer Kollege oder eine Kollegin hat N26 vielleicht sogar schon gefunden: Dem Karriereportal zufolge nimmt N26 leider keine Bewerbungen mehr an.

Weitere M&A-Meldungen

Vor rund 14 Monaten war die Bundesregierung bei der Lufthansa eingestiegen, nun will sie sich wieder von Teilen ihrer Beteiligung trennen: Wie die deutsche Finanzagentur bekanntgab, hat der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) seit Montag dieser Woche damit begonnen, „seine Aktienbeteiligung über mehrere Wochen in Abhängigkeit der Marktbedingungen im begrenzten Umfang, maximal jedoch um ein Viertel zu reduzieren“. Damit könnte sich der bisherige Anteil des Bunds um 5 Prozent auf 15 Prozent verringern – und würde für ihn ein erfolgreiches Geschäft bedeuten: Der Staat war im Zuge der Rettung des von der Coronakrise gebeutelten Konzerns zu einem Preis von 2,56 Euro je Aktie bei der Lufthansa eingestiegen, mittlerweile ist das Papier schon wieder mehr als das Dreifache wert. Grund für den Anteilsverkauf sei „die aktuell kommunizierte positive Unternehmensentwicklung“ der Lufthansa – Anfang des Monats hatten die Kraniche ihre Halbjahreszahlen veröffentlicht. Hogan Lovells (Federführung: Tim Oliver Brandi und Michael Schlitt) hat die Bundesregierung bei der Transaktion beraten.

Hellman & Friedman greift nach Zooplus: Wie der Münchener Online-Tierbedarfshändler bekanntgab, will ihn der US-amerikanische Private-Equity-Investor für 2,8 Milliarden Euro übernehmen. Neben einer Investorenvereinbarung haben die Parteien auch eine strategische Partnerschaft geschlossen. Die US-Amerikaner bieten 390 Euro je Zooplus-Papier – das entspricht einer Übernahmeprämie von 40 Prozent. Der Deal unterliegt einer Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Aktie und soll im vierten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden. 17 Prozent der Zooplus-Anteile konnte sich der US-Finanzinvestor bereits sichern – so hat neben dem Zooplus-Management auch die Beteiligungsgesellschaft Maxburg ihre Aktien angedient. Zooplus wurde bei der Transaktion von Goldman Sachs und GLNS Rechtsanwälte beraten. Für die Käuferseite waren JP Morgan, Freshfields (Federführung: Arend von Riegen und Simon Schwarz)und Goetzpartners als Berater tätig.

ThyssenKrupp treibt den Ausverkauf in dem Segment „Multi Tracks“ weiter voran: Wie der Essener Industriekonzern bekanntgab, verkauft er den Geschäftsbereich „Carbon Components“ an den österreichischen Autozulieferer Action Composites. Über den Kaufpreis für den Produzenten von geflochtenen Carbonfelgen wurde Stillschweigen vereinbart. Mit der Vertragsunterzeichnung kann die im Mai dieses Jahres eingeleitete Schließung der Sparte verhindert werden. Das Closing erwartet ThyssenKrupp „innerhalb der nächsten Wochen“. ThyssenKrupp Carbon Components wurde 2012 in Zusammenarbeit mit der TU Dresden gegründet und ist auf geflochtene ultraleichte Hochleistungsfelgen für Sportwagen, Motorräder und Mountainbikes spezialisiert. Der Geschäftsbereich wurde im Oktober 2020 dem Segment Multi Tracks zugeordnet, in dem Unternehmen gebündelt sind, für die die Essener keine nachhaltige Entwicklungsperspektive in der Gruppe sehen. Erst vor Kurzem trennte sich der Traditionskonzern von den Geschäftsbereichen ThyssenKrupp Infrastructure und ThyssenKrupp Mining Technologies, die auch zu diesem Segment gehörten.

Der Schweizer Textilmaschinenhersteller Rieter kauft drei Geschäftsbereiche von Saurer Netherlands Machinery Company, eine Tochter des in Shanghai gelisteten Technologieunternehmens Saurer Intelligent Technology. Das gab der Anbieter von Systemen für die Kurzstapelfaser-Spinnerei aus Winterthur bekannt. Saurer Netherlands Machinery Company ist die Muttergesellschaft der beiden deutschen Unternehmen Saurer Spinning Solutions und Saurer Technologies, die im Juli dieses Jahres in die Insolvenz rutschten. Im Zuge der Transaktion werden das Autoconer-Maschinengeschäft von Saurer Spinning Solutions sowie die beiden Komponentengeschäfte Accotex und Temco von Saurer Technologies auf Rieter übertragen. Der Kaufpreis für die drei Geschäfte beläuft sich auf 300 Millionen Euro ohne flüssige Mittel und Schulden. Die Übernahme will Rieter mit flüssigen Mitteln und verfügbare Kreditlinien finanzieren. Insgesamt erwirtschafteten die drei Geschäfte im Jahr 2020 einen Umsatz von 142 Millionen Euro. Die Transaktion sowie die Restrukturierung begleitet haben IMAP, Heuking Kühn Lüer Wojtek, Falkensteg und White & Case.

Axel Springer hat offenbar ein Auge auf das US-Nachrichtenunternehmen und jahrelangen Partner Politico geworfen. Wie das „Wall Street Journal“ mit Verweis auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, führe das Berliner Medienhaus Gespräche über eine Beteiligung an Politico – auch eine vollständige Übernahme sei möglich. Die Gespräche seien aber noch nicht abgeschlossen und könnten scheitern, heißt es in dem Bericht. 2014 waren Springer und Politico eine Partnerschaft eingegangen, seit 2015 betreiben die Unternehmen in einem Joint-Venture die Medienplattform Politico Europe.

Steigt die chinesische Staatsreederei Cosco bald bei dem Hamburger Containerterminal Tollerort ein? Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) verhandelt offenbar mit den Chinesen über eine Beteiligung an der Betreibergesellschaft des Terminals Tollerort, wie die FAZ berichtete. „Die Verhandlungen sind weit fortgeschritten“, zitiert die Zeitung die HHLA-Vorstandschefin Angela Titzrath. „Ich gehe davon aus, dass wir demnächst zu einem Abschluss kommen“, so Titzrath weiter. Dem Bericht zufolge peilen die Parteien einen Anteil von 35 Prozent an. „Es geht nicht um eine Mehrheit, sondern um eine Minderheitsbeteiligung, und jeder weiß, dass eine Minderheitsbeteiligung keine Sonderrechte und damit auch keine Steuerung hat“, zitiert die FAZ die HHLA-Chefin weiter. Aus politischer Sicht wird der Einstieg ausländischer Investoren in deutsche Häfen kritisch gesehen, diese dürfen sich daher nur unter bestimmten Bedingungen an ihnen beteiligen.

Die Penguin Random House Verlagsgruppe baut ihr Portfolio im Ratgebersegment aus und übernimmt den Stuttgarter Frechverlag von der Weka Group. Wie die Münchener Bertelsmann-Tochter mitteilte, soll der Erwerb rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres erfolgen. Die Frechverlag-Mitarbeiter sowie das Frechverlag-Management um Geschäftsführer Michael Zirn sollen die Frech-Programme künftig unter dem Dach der Penguin Random House Verlagsgruppe eigenständig weiterentwickeln. Finanzielle Details des Deals, der noch die Zustimmung der Kartellbehörden benötigt, sind nicht bekannt. Die Käuferseite wurde bei der Transaktion von der Anwaltssozietät Gütt Olk Feldhaus (Federführung: Heiner Feldhaus), Altenburg, Kind & Drews und Blomstein beraten. Der Frechverlag mit den Marken „Topp“ und „Busse Seewald“ wurde 1955 gegründet und beschäftigt rund 80 Mitarbeiter.

Der indische Impfstoffhersteller Serum Institute of India steigt bei dem indischen Schott-Gemeinschaftsunternehmen Schott Kaisha ein. Wie der Mainzer Glasspezialist mitteilte, erwirbt Serum 50 Prozent der Anteile an dem Joint-Venture für Pharmaverpackungen. Verkäufer sind die vorherigen Schott-Kaisha-Teilhaber Kairus Dadachanji und Shapoor Mistry. „Selbst das beste Medikament kann ohne die richtige Verpackung den Patienten nicht erreichen. Die Sicherstellung dieser Lieferkette ist von strategischer Bedeutung. Schott ist aufgrund seiner Expertise und seines globalen Netzwerks der perfekte Partner für uns, um dies zu erreichen“, kommentiert Serum-CEO Adar Poonawalla den Deal. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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