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M&A-Deals in Indien: Hohe Multiples, kleiner Dealwert

Unternehmen in Indien locken mit Wachstum, doch die Multiples sind hoch.
Thinkstock / Getty Images

Mehr als 1,1 Milliarden Menschen, eine wachsende Mittelklasse, steigende Kaufkraft: Der indische Markt wird für viele Unternehmen zunehmend attraktiv. Doch die Bewertungen für indische Unternehmen sind in den vergangenen Jahren dramatisch gestiegen, wie die Analyse „India deals: taking stock of the tiger“ der Unternehmensberatung PwC zeigt. Seit 2008 liegen die Price-to-Earnings-Multiples deutlich über den Bewertungen für Unternehmen in Großbritannien, den USA oder den übrigen BRIC-Staaten. Zuletzt errechneten die Analysten für indische Unternehmen Price-to-Earnings-Multiples von durchschnittlich 17x bis 19x. Großbritannien und Brasilien brachten es im Durchschnitt auf Werte von etwa 14x, China lag bei weniger als 10x.

Dabei sind M&A-Deals in Indien keine Selbstläufer. Gab es 2007 noch 185 Transaktionen europäischer Investoren in Indien, waren es im vergangenen Jahr nur noch 103. Neben der Unsicherheit im europäischen Heimatmarkt sehen die Studienautoren auch wiederkehrende Berichte über Korruptionsskandale in Indien als Hauptgrund für die Zurückhaltung. Sie schrecken Investoren ab. Doch zuletzt bemühte sich Indien im Bereich Corporate Governance um Verbesserungen, wie die jüngsten Änderungen in der Unternehmensgesetzgebung zeigen.

Ohnehin überwiegen die Wachstumsaussichten in den Bewertungen der meisten Investoren anscheinend die Risiken. Denn für die vergleichsweise hohen Kaufpreise gibt es Zugang zu einem wirklichen Wachstumsmarkt. Um die Risiken abzumildern sind den Autoren zufolge Earn-out-Mechanismen bei M&A-Deals mit indischen Unternehmen gängig. „Die hohen Kaufpreise für indische Unternehmen werden auch auf absehbare Zeit nicht sinken“, glaubt auch Martin Schwarzer, Partner bei PwC und spezialisiert auf M&A. „Der Wettbewerb um begehrte Übernahmeobjekte in Indien bleibt hart. Mit Hilfe von Modellen zur Erfolgsbeteiligung lassen sich die Risiken strategischer Preise aber für Investoren zumindest teilweise in den Griff bekommen.“

M&A-Deals mit kleinem Volumen

Ungefähr 875 grenzüberschreitende M&A-Deals mit bekanntem Dealwert zwischen indischen und europäischen Unternehmen zählt die PwC-Analyse zwischen 2006 und 2012. Dabei sind europäische Investoren in Indien noch aktiver als indische Firmen in Europa: 576 M&A-Deals mit einem bekannten Dealvolumen von 54 Milliarden Pfund zählt die Statistik für Transaktionen europäischer Unternehmen in Indien. Deutschland ist dabei die zweitstärkste Käufernation: 76 M&A-Deals im Wert von 3,5 Milliarden Euro entfielen auf deutsche Käufer. Mit weitem Abstand wichtigster europäischer Investor ist Großbritannien (221 Deals).

Indische Unternehmen investierten im Gegenzug rund 36 Milliarden Pfund in europäische Firmen, verteilt auf rund 300 Deals. Rund 40 Prozent der Zukäufe entfielen auf Großbritannien, etwa 10 Prozent der Transaktionen zielten auf deutsche Targets ab (30 Deals mit einem Gesamtwert von 2,9 Milliarden Euro). Eines der prominenteren deutschen Beispiele der vergangenen Jahre war die Übernahme von Repower durch Suzlon im Jahr 2011. Die Motivation hinter dem Deal war den Autoren zufolge typisch: Viele indische Unternehmen wollen sich durch M&A-Deals Zugang zu Technologien sichern.

Große M&A-Deals sind zwischen Indien und Europa noch die Ausnahme: 88 Prozent der M&A-Deals europäischer Unternehmen in Indien haben einen Dealwert von weniger als 100 Millionen Euro. Auch indische Investoren konzentrieren sich der Studie zufolge auf Dealgrößen unter 50 Millionen Euro.

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Zum Weiterlesen

Die vollständige Studie „India deals: taking stock of the tiger“ steht FINANCE-Lesern nach einer Registrierung zum kostenlosen Download hier in der FINANCE White Paper Library zur Verfügung.

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