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M&A-Deals: LafargeHolcim, Weidmüller, Clariant

Elefantenhochzeit zwischen Holcim und Lafarge

Milliardenmerger in der Zementbranche: Die größten Hersteller der Welt, Holcim und Lafarge, wollen unter dem Namen LafargeHolcim zu einem neuen Megakonzern fusionieren. Aktuell kommen der Schweizer Weltmarktführer Holcim und die Nummer zwei aus Frankreich, Lafarge, mit ihren Aktivitäten in rund 90 Ländern zusammen auf einen Umsatz von 32 Milliarden Euro und einen Gewinn von rund 6,5 Milliarden Euro.

Beim Zusammenschluss sollen die Aktien beider Unternehmen im Verhältnis von 1:1 gewichtet werden. CEO von LafargeHolcim soll der derzeitige Lafarge-Chef Bruno Lafont werden, den Vorsitz im Verwaltungsrat wird Wolfgang Reitzle übernehmen, der in diesem Jahr als Vorstandsvorsitzender von Linde ausscheidet.

Um einem Veto der Kartellbehörden zuvorzukommen, haben die Unternehmen bereits angekündigt, Geschäftsbereiche zu veräußern, auf die derzeit insgesamt ein Anteil von 10 bis 15 Prozent des operativen Ergebnisses entfällt. Geben die Wettbewerbshüter grünes Licht, wäre die Transaktion die größte in Europa seit der Übernahme von Xstrata durch Glencore. Der M&A-Deal soll im ersten Halbjahr 2015 vollzogen werden.

Weidmüller will R.Stahl übernehmen

Der Elektronikkonzern Weidmüller plant die Übernahme der Unternehmensgruppe R.Stahl. Wie Weidmüller mitteilte, werde man den Aktionären von R. Stahl ein öffentliches Übernahmeangebot vorlegen. Der Angebotspreis soll bei 47,50 Euro pro Aktie liegen. Zuletzt notierte die Aktie bei rund 33 Euro, nach Bekanntwerden der Übernahmepläne sprang der Kurs zwischenzeitlich auf über 47 Euro. Die Bieterin verspricht sich von der Übernahme mehr Unabhängigkeit von Konjunkturzyklen. Beide Unternehmen könnten gemeinsam sowohl Systemlösungen als auch Komponenten produzieren und vertreiben und weiter im Ausland expandieren, begründete Weidmüller den Schritt.

R.Stahl erteilte Übernahmefantasien hingegen eine klare Absage. Die Familieneigentümer, die zusammen 51 Prozent der Anteile besitzen, hätten keinerlei Interesse an einem Verkauf. Das habe man Weidmüller bereits schriftlich mitgeteilt. R.Stahl-CFO Bernd Marx zeigte sich bei der Vorlage der Zahlen für das Jahr 2013 daher "überrascht" von dem Schritt.

Der Elektronikkonzern Weidmüller erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 640 Millionen Euro. R.Stahl konnte Angaben rund 304 Millionen Euro umsetzen.

Rhône Capital übernimmt Clariant/Ashland-Joint Venture

Die Chemieunternehmen Clariant und Ashland haben ihr Joint Venture Ask Chemicals an den PE-Investor Rhône Capital verkauft. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2014 abgeschlossen werden. Wie Clariant mitteilte, liegt der Verkaufspreis nach Schulden und übernommenen Verpflichtungen vor Steuern bei umgerechnet 149 Millionen Euro. Den Erlös teilen sich beide Unternehmen gemäß dem Joint Venture-Vertrag hälftig. Clariant und Ashland wurden bei der Transaktion von einem Team der Kanzlei Latham & Watkins unter Federführung des M&A-Partners Dirk Oberbracht beraten.

Ask Chemicals mit Sitz in Hilden (Nordrhein-Westfalen) beschäftigt 1.800 Angestellte und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 513 Millionen Euro. Das Joint Venture war 2010 von der Ashland und der ehemaligen Süd-Chemie, die Clariant kurz darauf übernommen hatte, gegründet worden.

Scholz hat einen neuen Investor

Das Recyclingunternehmen Scholz hat mit Toyota Tsusho einen neuen Eigenkapitalgeber gefunden. Die Metallhandelssparte aus der Toyota-Gruppe steigt mit einer Beteiligung von 40 Prozent bei dem angeschlagenen Unternehmen ein. Die Mehrheit der Anteile bleibt damit in der Hand der Familie Scholz.

CEO Oliver Scholz bezeichnete Toyota in einer Mitteilung als „Wunschpartner“. Die Unternehmen haben in der Vergangenheit bereits im Rahmen eines Joint Ventures kooperiert. Wie viel Toyota für den Anteil zahlt, ist nicht bekannt. Ein Scholz-Sprecher sagte gegenüber FINANCE, dass der Kaufpreis überwiegend zur Schuldentilgung verwendet werden solle, Teile aber auch in das operative Geschäft investiert würden.

Gruner + Jahr verabschiedet sich aus Druckereigeschäft

Mit dem Verkauf des US-amerikanischen Druckhauses Brown Printing Company (BPC) hat Gruner + Jahr den Abschied vom Druckereigeschäft besiegelt. Käufer ist der US-amerikanische Druckkonzern Quad/Graphics, der für die Übernahme Berichten zufolge 100 Millionen US-Dollar bezahlt. Die Transaktion beinhaltet die drei Standorte von BPC sowie die Übernahme aller Mitarbeiter und Verpflichtungen. Nachdem vorangegangene Verkaufsgespräche erfolglos geblieben waren, hatte Gruner + Jahr den Beteiligungsansatz für BPC in der Bilanz bereits reduziert, sodass dem Hamburger Verlagshaus nach Medieninformationen nun noch ein Buchgewinn in niedriger zweistelliger Millionenhöhe bleibt.

Nach dem Verkauf des US-Magazingeschäfts im Jahr 2005 hatte BPC das letzte operative Geschäft von Gruner + Jahr in den USA betrieben. Da das Verlagshaus seine Zukunft im europäischen Zeitschriftenmarkt sieht, habe das US-Druckgeschäft keine strategische Relevanz für die zukünftige Entwicklung mehr gehabt, teilte Gruner + Jahr mit.

Sopra und Steria schließen sich zusammen

Das französische IT-Beratungsunternehmen Sopra möchte sich mit der Übernahme des Konkurrenten Steria im Wettbewerb mit Konzernen wie IBM und Accenture besser positionieren. Sopra investiert für den Deal rund 730 Millionen Euro in eigenen Aktien und gibt für vier Steria-Anteile ein eigenes Papier ab. Das Angebot entspricht den Parteien zufolge derzeit einem Umtauschwert von 22 Euro pro Steria-Aktie und damit einem Aufschlag von 40 Prozent auf den Schlusskurs bzw. 49 Prozent auf den Durchschnittspreis der vergangenen drei Monate.

Gemeinsam erzielen Steria und Sopra einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro und beschäftigen 35.000 Mitarbeiter. Steria ist in Deutschland mit rund 1.700 Mitarbeitern bei der Tochter Steria Mummert aktiv.

Ex-Karstadt-Chef investiert bei Bree

Der Taschenhersteller Bree hat erstmals familienfremde Investoren aufgenommen. Neuer Hauptgesellschafter ist ein Investorenteam um den früheren Karstadt-CEO Peter Wolf und den ehemaligen Chef der Dekra, Klaus Schmidt. Sie lösen die Söhne der Firmengründer, Axel und Philipp Bree, als Hauptanteilseigner ab.

Während Philipp Bree im Zuge der Transaktion sämtliche Anteile verkauft hat, ist sein Bruder Axel weiterhin am Unternehmen beteiligt und bleibt auch Alleingeschäftsführer. Das neue Investorenteam möchte die Expansion des Taschenherstellers im In- und Ausland vorantreiben. Finanzielle Details wurden nicht bekannt.

Roche kauft IQuum

Der Pharmakonzern Roche verstärkt mit der Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens IQuum den Bereich Molekulardiagnostik. Roche zahlt den IQuum-Aktionären für die Transaktion eigenen Angaben zufolge zunächst 275 Millionen US-Dollar; bis zu maximal 175 Millionen US-Dollar sollen zudem abhängig von der Erreichung produktbezogener Meilensteine fließen. IQuum ist auf die Entwicklung von Point-of-Care-Produkten in der Molekulardiagnostik spezialisiert. Nach Abschluss der Transaktion soll Iquum in Roche Molecular Diagnostics integriert werden.

M&A-Personalien und News

Birger Berendes übernimmt bei der Bank of America Merrill Lynch ab Juni den neu geschaffenen Posten des Leiters M&A für die DACH-Region. Berendes kommt von der US-Investmentbank Greenhill, bei der er zuletzt als Partner des für M&A sowie Restrukturierung zuständigen Führungsteams in New York arbeitete. Vor seinem Wechsel in die USA war Berendes bereits vier Jahre lang für Greenhill in Frankfurt tätig.

Die Global Special Situations M&A will künftig Unternehmen weltweit in M&A-Sondersituationen beraten. In der Allianz hat sich die deutsche Beratungsboutique Saxenhammer mit der US-amerikanischen SSG Capital Advisors und der Teak Capital Corporation aus Singapur zusammengeschlossen.

Weitere M&A-Deals

Der kanadische Investor Fairfax Financial Holdings übernimmt die griechische Praktiker-Gesellschaft Praktiker Hellas Athen. Der Kaufvertrag ist nach Auskunft von Insolvenzverwalter Christoph Seagon unterzeichnet, finanzielle Details der Transaktion wurden nicht bekannt. Praktiker Hellas Athen ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt 195 Millionen Euro die größte Auslandsgesellschaft des insolventen deutschen Baumarktkonzerns und insgesamt die sechste Auslandsgesellschaft, für die Seagon einen Investor gefunden hat.

Der Baukonzern Bilfinger hat sich von seiner Beteiligung am Infrastrukturfonds BBGI getrennt. Die Anteile in Höhe von 8,74 Prozent wurden für einen Nettoerlös von 50 Millionen Euro bei institutionellen Investoren platziert. Bilfinger erzielte nach eigenen Angaben einen Veräußerungsgewinn von rund 5 Millionen Euro. Der Verkauf ist eine Konsequenz des im vergangenen Jahr beschlossenen Ausstiegs von Bilfinger aus den Concessions-Aktivitäten. BBGI hält Beteiligungen an Public-Private-Partnerships, darunter einige von dem Mannheimer Konzern realisierte Projekte.

Der angeschlagene österreichische Verpackungshersteller Hirsch Servo hat mit der Herz-Gruppe einen neuen Mehrheitsaktionär. Die Gruppe hat über ihre Holdinggesellschaft Herz Beteiligung nach eigenen Angaben die restlichen Anteile von Gründer Kurt Hirsch sowie alle Aktien der Schweizer Lifemotion übernommen und ist nun mit 62 Prozent an Hirsch Servo beteiligt.

Die Aktionäre der Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft (VNG) haben einstimmig den Weg für den Ausstieg der Wintershall Holding freigemacht. Wintershall kann damit wie geplant ihre VNG-Beteiligung von rund 16 Prozent an EWE verkaufen.

Der Baseler Agrarchemiekonzern Syngenta hat das italienische Saatgutunternehmen Società Produttori Sementi übernommen. Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht bekannt.

Die VSA GmbH hat von Pro Medisoft sämtliche Anteile an Awinta übernommen. Awinta war 2009 aus einer Fusion von Pro Medisoft und VSA ApothekenSysteme entstanden. Die Käuferin wurde bei der Transaktion von einem Team der Kanzlei Hogan Lovells beraten. Über den Kaufpreis haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Der PE-Investor Stargate Capital hat die Übernahme des insolventen Fernsehgeräteherstellers Loeweabgeschlossen. Loewe wurde bei dem M&A-Deal von Equinet beraten.

T-Systems hat sein Tochterunternehmen Individual Desktop Solutions (IDS) an den PE-Investor Aurelius verkauft. IDS beschäftigt 630 Mitarbeiter an 36 Standorten in Deutschland und hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro erzielt. Das Unternehmen wird nun mit der niederländischen Getronics-Gruppe, die der Investor im Jahr 2012 übernommen hat, Teil des IT-Verbunds von Aurelius.

Die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) möchte sich endgültig von der Westdeutschen ImmobilienBank (WestImmo), einer früheren WestLB-Tochter, trennen. Die Suche nach einem Käufer laufe bereits seit längerem, hieß es. Die WestImmo gehört seit der Zerschlagung der WestLB zu 100 Prozent der EAA.

Die Beteiligungsgesellschaft Unternehmens Invest AG (UIAG) hat eine Beteiligung  von 24,9 Prozent an der Cross Industries an Pierer Industrie verkauft. Der Verkauf soll in mehreren Schritten bis spätestens Ende 2015 vollzogen werden. Cross Industries hält unter anderem Beteiligungen an KTM und Pankl Racing. Hinter Pierer Industrie steht KTM-Chef Stefan Pierer, der somit nach der Transaktion die weit überwiegende Mehrheit an beiden Unternehmen halten wird.

Allgeier IT Solutions verkauft seine hundertprozentige Tochter Didas Business Services an Cancom. Didas beschäftigt rund 260 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2013 einen Umsatz von 56 Millionen Euro.

Die Indus Holding übernimmt 75 Prozent der Anteile an der Rolko-Gruppe. Verkäufer sind die Eigentümer Willi und Achim Kohlgrüber. Der Anbieter für Rollstühle und Rollatoren erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro.

Die Stadt Bergisch Gladbach hat im Rahmen einer Neuordnung ihrer Energieversorgung 49,9 Prozent der Anteile an der Belkaw GmbH übernommen. Belkaw ist eine Tochter der Kölner RheinEnergie und Konzessionsinhaber für die Energieversorgung der Stadt. Der Kaufpreis für den Anteil beträgt 78 Millionen Euro. Beraten wurde die Stadt Bergisch Gladbach von der Kanzlei Hogan Lovells.

Die Bertelsmann-Tochter Arvato hat fünf Call-Center der insolventen Walter Services übernommen. Der Deal umfasst die Standorte Cottbus, Dresden, Hallte, Magdeburg und Suhl. Walter Services hatte Mitte vergangenen Jahres ein Schutzschirmverfahren beantragt. Seitdem wurden in den nun verkauften Call-Center insgesamt 320 Arbeitsplätze abgebaut.

Portigon möchte in den nächsten Wochen mit den Vorbereitungen für den Verkauf des Servicegeschäfts Portigon Financial Services (PFS) beginnen. Der Verkaufsprozess für die PFS, die seit Februar als eigenständige Gesellschaft aktiv ist, solle im zweiten Quartal 2014 anlaufen. Die Nachfolgegesellschaft der WestLB muss den Verkauf der PFS nach Auflagen der EU-Kommission bis 2016 abschließen.

Krahn Chemie, eine Tochter der Hamburger Gruppe Otto Krahn, hat den italienischen Distributeur für Spezialchemikalien Pietro Carini übernommen. Die Käuferin wurde bei der Transaktion von MCF Corporate Finance beraten.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

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