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M&A-Deals: Lanxess, Akasol, Reebok

Im vergangenen Herbst hat Konzernchef Matthias Zachert angekündigt, zukaufen zu wollen, nun hat er die Ankündigung wahrgemacht: Lanxess kauft den US-Wettbewerber Emerald Kalama Chemicals.
Lanxess

Lanxess übernimmt US-Rivalen Emerald Kalama Chemical

Nur eine Woche nach dem großen Private-Equity-Deal in der Chemiebranche steht die nächste Transaktion in der Branche an: Lanxess erwirbt den US-Wettbewerber Emerald Kalama Chemical, wie der Spezialchemiekonzern bekanntgab. Verkäufer ist die US-Beteiligungsgesellschaft American Securities. Der Kaufpreis für Emerald beträgt – abzüglich der Verbindlichkeiten – 1,04 Milliarden US-Dollar (rund 867 Millionen Euro). Inklusive Schulden wird das US-Unternehmen mit 1,075 Milliarden US-Dollar bewertet. Das Ebitda-Multiple – basierend auf dem von Emerald 2020 erzielten Ebitda in Höhe von 90 Millionen US-Dollar – entspricht mit 12x einem gängigen Wert für Hersteller konsumentennaher Chemieprodukte. Lanxess will den Zukauf aus vorhandenen liquiden Mitteln finanzieren.

Mit der Übernahme folgen die Kölner ihrer aktuellen Unternehmensstrategie, die auf die Stärkung der neu geschaffenen Sparte „Consumer Protection“ abzielt. In ihr werden die verbrauchernahen Spezialgeschäfte von Lanxess gebündelt. Als Hersteller von Chemikalien für Konservierungsstoffe für Lebensmittel, Haushalt und Kosmetik, Aroma- und Duftstoffe sowie Produkte für Tiernahrung passt Emerald gut in die neue Lanxess-Sparte. Die Transaktion, die noch die Zustimmung der zuständigen Behörden bedarf, soll im zweiten Halbjahr 2021 vollzogen werden. Bereits Ende Dezember kursierten Gerüchte darüber, dass Lanxess an einem Übernahmeangebot für Emerald arbeitet.

Batteriespezialist Akasol geht an BorgWarner

Der US-Autozulieferer BorgWarner kauft den deutschen Batteriespezialisten Akasol für fast 730 Millionen Euro. Wie der Darmstädter Hersteller von Lkw-, Bus- und Zugbatteriesystemen mitteilte, haben die US-Amerikaner ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot lanciert. Sie bieten den Akasol-Aktionären 120 Euro je Aktie – damit liegt der Angebotspreis fast ein Viertel über dem Durchschnittskurs der vergangenen drei und rund 44 Prozent über dem Kurs der vergangenen sechs Monate. Das Übernahmeangebot entspricht einem Umsatz-Multiple von rund 6x auf den von Analysten prognostizierten 2021er-Umsatz von 125 Millionen Euro sowie einem Umsatz-Multiple von 1,8x auf das 2024er-Umsatzziel von mindestens 400 Millionen Euro.

Der Vorstand um CFO Carsten Bovenschen sowie der Aufsichtsrat von Akasol befürworten das BorgWarner-Angebot. 59,4 Prozent der Akasol-Anteile sind den US-Amerikanern sogar schon sicher: Der mit rund 47 Prozent beteiligte Akasol-Gründer und CEO Sven Schultz sowie weitere Gründer haben dem Verkauf ihrer Anteile bereits zugestimmt. Die Mindestannahmeschwelle beträgt 50 Prozent plus einer Aktie – somit ist der M&A-Deal schon jetzt so gut wie in trockenen Tüchern. Der Akasol-Vorstand wurde bei der Transaktion finanziell von der Berenberg Bank beraten, als Rechtsberater fungierte die Kanzlei Hogan Lovells. Als unabhängige Berater für den Akasol-Aufsichtsrat agierten das Big-Four-Haus PwC und die Kanzlei Allen & Overy

Adidas stellt Reebok zum Verkauf

Adidas hatte in den vergangenen Monaten verschiedene strategische Alternativen für Reebok geprüft. Nun steht fest: Die Herzogenauracher wollen ihre kriselnde Sportmarke verkaufen. Wie der Sportartikelhersteller am Dienstag bekanntgab, hat er beschlossen, „einen formalen Prozess einzuleiten, der auf die Veräußerung von Reebok abzielt“. Die US-Investmentbank J.P. Morgan sei mit einem entsprechenden Verkaufsprozess beauftragt worden, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Demnach könnte Adidas mit der Veräußerung rund 1 Milliarde Euro erlösen.

Die Herzogenauracher hatten Reebok 2006 übernommen und damals rund 3,1 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt – der M&A-Deal stellte sich jedoch mit der Zeit als großes Fehlinvestment heraus. Im Jahr 2016 folgte die Restrukturierung von Reebok. Danach schrieb die US-Tochter zwar wieder schwarze Zahlen, doch profitables Wachstum blieb aus. Nun bereitet der Sportartikelhersteller der Leidensgeschichte mit dem gestarteten M&A-Prozess ein Ende. Ab dem ersten Quartal 2021 wird Adidas Reebok als aufgegebenen Geschäftsbereich bilanzieren.

Greift Zalando nach Flaconi?

Der Parfümversandhändler Flaconi steht offenbar zum Verkauf: Der Münchener Medienkonzern ProSiebenSat.1 und der Finanzinvestor General Atlantic wollen sich von ihrer gemeinsamen Kosmetiktochter trennen, heißt es in verschiedenen Medienberichten. Kaufinteressenten soll es auch schon geben: Neben den Parfümerien Douglas und Sephora gilt insbesondere der Online-Versandhändler Zalando als heiß gehandelter Interessent. Durch die Flaconi-Übernahme könnten die für ihr Modegeschäft bekannten Berliner mit einem Schlag zu einem ernstzunehmenden Player im Beauty-Geschäft aufsteigen. Den Berichten zufolge könnte Flaconi auf einen Wert von bis zu 1 Milliarde Euro kommen. Ein möglicher Deal zwischen ProSieben und Zalando hätte weitreichende Folgen für die Bilanzen der beiden Konzerne, aber auch für mögliche Mitbieter.

Weitere M&A-Meldungen

Aus für den Verkauf der Stahlsparte von ThyssenKrupp: Wie der Konzern mitteilte, hat er die Gespräche mit Liberty Steel über eine Übernahme von ThyssenKrupp Steel Europe beendet. Eine Veräußerung an die Briten werde damit nicht zustande kommen. Das Ende der Gespräche begründet Konzernchef Klaus Keysberg mit divergierenden Vorstellungen über die anvisierte M&A-Transaktion: „Wir haben die Tür für Verhandlungen aufgemacht, aber die Vorstellungen über Unternehmenswert und Struktur der Transaktion lagen am Ende doch weit auseinander. Wir haben uns daher entschieden, die Gespräche zu beenden. Das bedauern wir, denn wir haben Liberty Steel als einen ernstzunehmenden Interessenten wahrgenommen.“ Nun will ThyssenKrupp die Stahlsparte eigenständig restrukturieren. Liberty Steel hatte im Oktober ein indikatives, nichtbindendes Angebot für die Stahlsparte abgegeben.

GlobalWafers nimmt die erste Hürde bei der Siltronic-Übernahme: Wie der taiwanesische Chiphersteller mitteilte, hat er die im Januar von 65 auf 50 Prozent herabgesetzte Mindestannahmeschwelle überschritten. Innerhalb der ersten Annahmefrist vom 21. Dezember 2020 bis zum 10. Februar dieses Jahres wurden den Taiwanern 56,92 Prozent der Siltronic-Aktien angedient. Global Wafers bietet nach zwei Angebotspreiserhöhungen 145 Euro je Siltronic-Aktie. Die weitere Annahmefrist läuft bis zum 1. März. Zudem konnten Siltronic und GlobalWafers einen weiteren Erfolg verbuchen: Das Bundeskartellamt hatte am 9. Februar grünes Licht für die Übernahme gegeben.

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Permira verkauft für 587 Millionen Euro das nächste Teamviewer-Aktienpaket. Wie der Londoner Private-Equity-Investor bekanntgab, hat er 13,2 Millionen Aktien zu einem Preis von je 44,50 Euro platziert. Das entspricht einem Anteil von rund 6,6 Prozent. Nun hält Permira noch eine rund 20-prozentige Beteiligung an Teamviewer mit einem aktuellen Wert von knapp 2 Milliarden Euro. Die Transaktion ist bereits Permiras vierter Abverkauf seit dem milliardenschweren Börsengang von Teamviewer im September 2019.

SAP kauft die finnische No-Code-Entwicklungsplattform AppGyver, mit der Nutzer ohne Programmierkenntnisse mobile Anwendungen sowie Web-Apps erstellen können. Wie der Walldorfer Softwareriese bekanntgab, wird AppGyver künftig Teil der „SAP Business Technology Platform“. Mit dem 2010 gegründeten Unternehmen aus Helsinki erweitern die Walldorfer ihr Angebot „Rise with SAP“, welches Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützt. Finanzielle Transaktionsdetails wurden nicht genannt.

Meilenstein für Ceconomy: Auf der Hauptversammlung am Mittwoch hat die Mehrheit der Aktionäre des Elektronikhändlers einer Komplettübernahme der Media-Saturn-Holding (MSH) zugestimmt, wie Ceconomy mitteilte. Mit der Übernahme des über die Beteiligungsgesellschaft Convergenta gehaltenen 21,62-prozentigen Anteils der Familie Kellerhals wird Ceconomy zum Alleinaktionär der Tochter, die das operative Geschäft der beiden Handelsketten Mediamarkt und Saturn bündelt. Die Transaktion soll frühestens gegen Ende des ersten Quartals 2021 erfolgen.
 
Der insolvente Modehändler Adler soll verkauft werden. „Es gibt Interessenten für Adler“, sagte Insolvenzverwalter Christian Gerloff der Wirtschaftswoche. Der Investorenprozess laufe jetzt an, die offizielle Marktansprache solle Ende Februar erfolgen. Zum 1. Juni will das Unternehmen eine Investmentvereinbarung abschließen und Adler anschließend über einen Insolvenzplan neu aufstellen, so Gerloff gegenüber der Zeitung.

Die Raiffeisen Bank International (RBI) stärkt ihr FX- und Zahlungsverkehrsgeschäft mit einem Zukauf: Wie die Österreicher bekanntgaben, kaufen sie den tschechischen Devisen- und Zahlungsverkehrsdienstleister Akcenta. Die Tschechen bieten ihre Dienste für kleine und mittelständische Betriebe in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Polen, Rumänien und Deutschland an. Im Rahmen der Transaktion erwirbt RBI 70 Prozent an Akcenta, die restlichen 30 Prozent werden von der tschechischen RBI-Tochter Raiffeisenbank übernommen. Künftig soll Akcenta eng mit dem bestehenden FX- und Zahlungsverkehrsgeschäft der RBI zusammenarbeiten, jedoch nicht in das österreichische Kreditinstitut integriert werden. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

The Social Chain kauft die US-amerikanische Beauty-Marke Coral. Wie das Social-Commerce- und Social-Media-Unternehmen aus Berlin mitteilte, übernimmt es 51 Prozent der Anteile an dem Spezialisten für Mundhygiene-Produkte und Nahrungsergänzungsmittel aus rein natürlichen Zutaten. Nach der Übernahme von Coral kann The Social Chain eigenen Angaben zufolge den Gesamtumsatz im US-Geschäft von 53 Millionen US-Dollar in 2020 auf rund 100 Millionen US-Dollar in 2021 ausbauen. Der Kaufpreis ist nicht bekannt.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals. Hinweise zur Bewertung im Rahmen von Transaktionen liefern unsere neuen FINANCE-Multiples, die Sie auch in der aktuellen FINANCE-Ausgabe finden.

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