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M&A-Deals: PNE Wind, GFK, BASF

Der aktivistische Investor AOC hat einen Anteil am Windparkprojektierer PNE Wind gekauft.
Robert Miramontes/iStock/Thinkstock/Getty Images

AOC steigt bei PNE Wind ein

Der aktivistische InvestorAOC, der im vergangenen Jahr eine aufsehenerregende Attacke gegen den Pharmakonzern Stada vorgetragen hat, ist bei dem WindparkprojektiererPNE Wind eingestiegen. Angeführt wird das Investment von Klaus Röhrig und Florian Schubauer, die beide zusammen für AOC einen PNE-Wind-Anteil von 5 Prozent erworben haben. Bei PNE Wind trifft das AOC-Duo noch auf einen zweiten Finanzinvestor: Anfang Februar hat das Hamburger Investmenthaus SPSW Capital bei den Cuxhavenern eine Beteiligung von über 10 Prozent aufgebaut.
 
PNE Wind war vor zwei Jahren Schauplatz eines erbitterten Machtkampfes zwischen dem damaligen CEO Martin Billhardt und Aufsichtsratschef Volker Friedrichsen. Billhardt hat PNE Wind inzwischen verlassen, Friedrichsen vor wenigen Monaten seine Beteiligung verkauft. Billhardts Nachfolger Markus Lesser hat im Dezember für 330 Millionen Euro ein Windparkportfolio an die Allianz verkauft, was PNE Wind einen Sondergewinn einbrachte, der nahezu die Hälfte des aktuellen Börsenwerts erreichte.

KKR will GFK-Minderheitsaktionäre abfinden

Der Finanzinvestor KKR will den Marktforscher GFK von der Börse nehmen. Dafür hat KKR jetzt ein so genanntes Squeeze-out-Verfahren eingeleitet. Im Zuge dessen bezahlt KKR den übrigen Kleinaktionären von GFK eine Zwangsabfindung. KKR hält gemeinsam mit dem GFK-Verein 96,7 Prozent des Grundkapitals an der Firma, ein Squeeze-out ist ab 95 Prozent möglich, im Zuge einer Übernahme reichen auch 90 Prozent. Hengeler Mueller hat KKR bei dem Squeeze-out beraten.

Zwischenzeitlich hatte der Computermilliardär Michael Dell KKR bei der Übernahme von GFK Steine in den Weg gelegt und Anteile an GFK erworben, inzwischen hat er diese aber in das KKR-Vehikel Acceleratio eingebracht.

BASF trennt sich vom Geschäft mit Lederchemikalien

Der Chemiekonzern BASF verkauft sein Geschäft mit Lederchemikalien. Der Käufer ist die niederländische Stahl Group, an der die Ludwigshafener im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung von 16 Prozent erhalten. Weitere finanzielle Details sind nicht bekannt.

Der Deal umfasst das weltweite BASF-Lederchemikaliengeschäft sowie den Produktionsstandort für Lederchemikalien in Spanien. Der Abschluss wird für das vierte Quartal erwartet. Nach dem Zusammenschluss der beiden Geschäfte wird das niederländische Unternehmen nach eigenen Angaben 2016 einen Umsatz von 850 Millionen Euro erreichen.

SGL Carbon: Verkauf des Kathodengeschäfts konkretisiert sich

SGL Carbon startet einen dritten Befreiungsschlag, um aus der derzeitigen Krise herauszukommen, und hat mit der Suche nach einem Käufer für das Geschäft mit Kathoden, Hochofenauskleidungen und Kohlenstoffelektroden begonnen. Nachdem zuvor ein Teaser an potentielle Käufer verschickt wurde, verkündete SGL-Chef Jürgen Köhler nun eine Rücklaufquote von knapp 50 Prozent, es seien sowohl Strategen als auch Finanzinvestoren interessiert. Weitere Gespräche sollen diese Woche beginnen. Das Closing soll noch in diesem Jahr über die Bühne gehen, wobei die Deutsche Bank und HSBC den Prozess begleiten. Das Closing soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Diese neue Transaktion repräsentiert eine weitere Maßnahme zur Neuaufstellung des Grafitspezialisten. Bereits vor zwei Jahren kündigte SGL Carbon an, das ehemalige Kerngeschäft „Performance Products“ (PP) auszugliedern. Im vergangenem Jahr kaufte der japanische Chemiekonzern Showa Denko die defizitäre Grafitelektrodensparte für 200 Millionen Euro, sie machte den größten Teil des PP-Geschäfts aus. Das Closing dieses Deals wird für Mitte dieses Jahres erwartet.

Bei dem nun zum Verkauf stehenden Geschäft handelt es sich um die zweite Sparte von PP. Im abgelaufenem Geschäftsjahr kam das Kathodengeschäft auf einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 30 Millionen Euro. Laut CFO Michael Majerus steht die Sparte aber lediglich mit 100 Millionen Euro in den Büchern von SGL. Analysten gehen von einer Bewertung von 200 Millionen Euro aus. Den Erlös will Majerus in die Tilgung einer 240 Millionen schweren Wandelanleihe stecken.

Fusion zwischen BÖAG und Börse Düsseldorf besiegelt

Die BÖAG, Betreibergesellschaft der Börsen Hamburg und Hannover, übernimmt die Börse Düsseldorf. Dafür haben die beiden Parteien jetzt die Verträge unterzeichnet, wie es in einer Pressemitteilung der BÖAG hieß. Die Börsen Hamburg und Hannover haben jüngst einen Handelsplatz für Schuldscheine ins Leben gerufen.

Durch die Übernahme der Börse Düsseldorf soll dieses Geschäft sowie das mit Unternehmensanleihen und geschlossenen Fonds Auftrieb bekommen, wie Friedhelm Steinberg, Präsident der Hamburger Börse, in einem Interview mit der „Welt“ ankündigte.

Hannover Rück erwirbt Argenta Holdings

Der Rückversicherer Hannover Rück erwirbt die britische Gesellschaft Agenta Holdings und will damit sein Londoner sowie sein internationales Versicherungsgeschäft stärken. Die Transaktion soll im dritten Quartal umgesetzt werden, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt gab.

Zu der Argenta Holdings gehören die Gesellschaften Argenta Syndicate Management, Argenta Private Capital und Argenta „Syndicate 2121“, ein Lloyd’s Syndikat. Das Syndikat ist unter anderem im kurzabwickelnden Sach- und Spezialgeschäft tätig und verbuchte im vergangenen Geschäftsjahr eine Bruttoprämie von 280 Millionen GBP. Der bisherige Argenta-CEO Andrew Annandale soll weiter im Amt bleiben.

Warburg Pincus steigt bei Avaloq ein

Der PE-Investor Warburg Pincus erwirbt 35 Prozent des Schweizer Fintechs Avaloq, einem Spezialisten für Banksoftware. Der Investor bewertet Avaloq mit mehr als 1 Milliarde Schweizer Franken (über 930 Millionen Euro), damit bezahlt er mindestens 330 Millionen Euro für seinen Anteil. Die Verkäufer sind die Gründer und das Management sowie Mitarbeiter von Avaloq. Insgesamt verbleiben noch 55 Prozent im Unternehmen, 10 Prozent bleiben bei der Raiffeisen Schweiz.

Avaloq bezeichnet die Transaktion „als ersten Schritt hin zu einem möglichen Börsengang in den kommenden Jahren“. Das wäre ein mögliches Exit-Szenario für Warburg Pincus. Der Investor selbst beziffert den geplanten Investmenthorizont bei Avaloq auf sieben Jahre.

Superior Industries kauft Uniwheels

Der pfälzische Alufelgen-Hersteller Uniwheels wird vom US-Konkurrenten Superior Industries übernommen. Die Struktur der Transaktion ist ungewöhnlich. Uniwheels hat seinen Firmensitz zwar in Deutschland, die Aktien sind aber seit zwei Jahren an der Warschauer Börse notiert. Die beiden Uniwheels-Gründer Ralf und Michael Schmid verkaufen zunächst ihre Beteiligung von 61,3 Prozent für umgerechnet 402 Millionen Euro an Superior. Dann unterbreiten die Amerikaner den übrigen Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot.

Beide Parteien bekommen einen Preis je Aktie, der unter dem Börsenkurs vom Donnerstag von 242 Zloty liegt. Die Gründer, die von der Kanzlei SZA Schilling, Zutt & Anschütz beraten wurden, erhalten 226,5 Zloty je Aktie, die übrigen Aktionäre 235,8 Zloty. Der Käufer hat für die Uniwheels-Übernahme eine deutsche AG gegründet, diese wird den Uniwheels aber über Malta erwerben. Dort sitzt die Finanzholding, in der die Uniwheels-Gründer ihre Beteiligung gebündelt haben. Der US-Finanzinvestor TPG zeichnet aus einem Mittelstands-Fonds Vorzugsaktien von Superior Industries, sie haben einen Wert von 150 Millionen US-Dollar.

M&A-Personalien

Die Wirtschaftskanzlei Greenberg Traurig Germany ernennt einen neuen Partner und zwei neue Counsel. Der neue Partner Nicolai Lagoni gilt als ein Experte im Bereich Gesellschaftsrecht/M&A, während die beiden neuen Counsel, Kati Beckmann und Niklas Conrad, Experten im Bereich Finanzen beziehungsweise wirtschaftsrechtliche Konfliktlösungen sind.

Carsten Hohmann wird neuer Partner bei der M&A-Boutique Lupp + Partner und soll die transaktionsbegleitende Finanzierungspraxis ausbauen. Zuvor war Hohmann als Senior Associate  bei Hengeler Mueller tätig. Lupp + Partner wurde im Mai 2015 von Matthias Lupp gegründet, der Private-Equity-Partner bei DLA Piper war.

Weitere M&A-Deals

Der US-amerikanischen Private-Equity-Fonds Public Pension Capital (PPC Enterprises) und seine Portfolio-Unternehmensgruppe Hospitality Tech Holding hat Serenata IntraWare, einen deutschen Anbieter von E-Marketing und maßgeschneiderten Customer-Relationship-Management-Lösungen in der Hotellerie, erworben. DLA Piper hat die Käufer beraten (Federführung: Florian Hirschmann und Silvio McMiken).

Der IT-Dienstleister Allgeier macht bei der Akquisition der Töchter von Ciber einen Rückzieher. Im Februar hatte das Unternehmen angekündigt, die auf SAP-Software spezialisierten Töchterunternehmen kaufen zu wollen. Es handelte sich konkret um die Ciber AG mit Sitz in Heidelberg, die Ciber Managed Services GmbH mit Sitz in Freiburg sowie die Ciber France SAS und weitere Assets. Nun werden die Verträge nicht realisiert, da bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt seien, so Allgeier. Es seien aber Gespräche für eine alternative Vertragsgestaltung aufgenommen worden, die auf den Erwerb von Vermögensgegenständen und Vertragsbeziehungen der Ciber AG, der Ciber Managed Services GmbH, der Ciber France SAS und Ciber Dänemark abzielen.

Das japanische Medienunternehmen Minkabu wird wahrscheinlich doch nicht das Finanzportal Wallstreet Online erwerben, wie es noch im vergangenen Juni hieß. Minkabu hatte sich über ihre deutsche Tochtergesellschaft Sharewise eine Beteiligung in Höhe von 72,6 Prozent vom Unternehmensgründer André Kolbinger gesichert. Voraussetzung für den Vollzug waren einige „aufschiebende Bedingungen“, die aber laut einer Pressemitteilung von Wallstreet Online nicht erfüllt wurden.

Das IT-Software- und Beratungshaus Cenit übernimmt Keonys, einen französischen Software-Implementierungsspezialisten. Der Kaufvertrag wurde diese Woche abgeschlossen, wie Cenit in einer Pressemitteilung mitteilte. Im Zuge dessen erwirbt das Beratungshaus alle Anteile am französischem Unternehmen für einen Kaufpreis von rund 6 Millionen Euro, die aus bestehenden liquiden Mitteln geschöpft werden.

Rental Alliance beteiligt sich mit 51 Prozent am amerikanischen Wohnmobilvermieter Best Time RV. Rental Alliance ist die für alle Vermietaktivitäten der Erwin Hymer Group zuständige Holding, bei der Klaus Rudolph die Finanzen verantwortet. Die Beteiligung an Best Time RV ist der erste Schritt in den amerikanischen Markt.

Die Onlinedruckerei Onlineprinters, die in Deutschland unter www.diedruckerei.de bekannt ist, übernimmt den britischen Konkurrenten Solopress. Die Unternehmen haben jeweils 650 beziehungsweise 225 Mitarbeiter. Während Solopress nur in Großbritannien agiert, vertreibt Onlineprinters seine Produkte in 30 Ländern Europas. Im vergangenem Jahr übernahm die Beteiligungsgesellschaft Bregal Unternehmerkapital die Mehrheitsanteile an der Onlineprinters Gruppe. GCA Altium hat Solopress bei dem Deal beraten.

Kühne+Nagel verstärkt sich im Bereich Pharmatransporte. Der Logistikkonzern vermeldete, dass er sich mit Zet Farma über eine Übernahme geeinigt habe. Zet Farma ist ein türkisches Pharma-Logistik-Unternehmen mit 400 Mitarbeitern. Außerdem übernimmt Kühne+Nagel Ferlito Pharme Logistics, ein italienisches Unternehmen aus dem Bereich Pharmalogistik.

Der Flughafenbetreiber Fraport kann nun wohl endlich die 14 griechischen Regionalflughäfen übernehmen, für die sich Fraport bereits die Konzession gesichert hat. Laut der Nachrichtenagentur Dpa sollen die letzten Details geklärt worden sein. Zuletzt hatte sich die Übernahme immer wieder verschoben, obwohl die Betreibergesellschaft Fraport-Greece nach eigenen Angaben die Vorbereitungen bereits Anfang März abgeschlossen hatte.

Der Insolvenzverwalter Hubert Ampferl von Dr. Beck & Partner hat den Geschäftsbetrieb von Expert Hettler an Expert Octomedia verkauft. Expert Octomedia wird den Expert-Markt, einen Fachhändler für Elektronikbedarf in Südbaden, weiterführen. Der Insolvenzverwalter wurde bei der Transaktion von einem auf Distressed M&A spezialisierten Team von Theopark begleitet (Federführung: Rainer Schaaf). Expert wurde von Lehmkühler Rechtsanwälte Steuerberater (Markus Lehmkühler) beraten.

Die Sanierung der GKT Sprossen- und Spritzguß und des insolventen Glasherstellers Saxo Isotherm ist abgeschlossen. Die Insolvenzverwalter Dirk Herzig von Schultze & Braun für Saxo Isotherm und Frank Milimonka von Paul & Collegen für GKT Sprossen- und Spritzguß haben einen Investor gefunden. Der langjährige Automotive-Manager Stefan Zubcic wird beide Unternehmen übernehmen.

Das Photovoltaikunternehmen Phoenix Solar hat alle außenstehenden Minderheitenanteile an Phoenix Solar Pte, der Tochtergesellschaft in Singapur, erworben. Die Verkäufer sind ehemalige Geschäftsführer der Tochter. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Stadler Rail und die polnische Solaris Bus & Coach gründen das Joint Venture Solaris Tram. Stadler Rail ist ein Schweizer Hersteller von Schienenfahrzeugen mit mehr als 7.000 Mitarbeitern. Solaris ist ein Hersteller von Stadt- und Überlandbussen sowie Niederflurstraßenbahnen. Stadler Rail wurde von GvW Graf von Westphalen beraten (Federführung: Christian Kusulis).

Der Mechatronikkonzern Wittenstein erwirbt 100 Prozent der Aktien des Unified-Endpoint-Management-Spezialisten Baramundi Software. Dadurch solle der weitere Weg der digitalen Transformation geebnet werden, wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist. Die Baramundi Software soll ihre Geschäftstätigkeiten weiterhin eigenständig betreiben. Das Unternehmen beschäftigt über 140 Mitarbeiter. Kloepfel Corporate Finance hat Baramundi Software beraten, während Rödl & Partner (Federführung: Peter Längle) Wittenstein beratend zur Seite stand.

Im Rennen um einen milliardenschweren Auftrag der Bundeswehr schließt der Automobilzulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall ein Bündnis mit dem Elektronikkonzern Rohde & Schwarz. Die Konzerne gründen ein Joint Venture, welches sich um zwei Großaufträge der Bundeswehr bewerben soll. Laut Rheinmetall dürfte der Auftragswert im mittleren einstelligen Milliarden Euro-Bereich liegen. Rheinmetall hält die Mehrheit an dem Joint Venture, Rohde & Schwarz hält 25,1 Prozent.

Euromicron Deutschland, eine Systemhaus-Tochtergesellschaft der euromicron AG, zieht sich aus dem deutschen Telekommunikationsmarkt zurück und verkauft den Geschäftsbereich Telekommunikation an die Ostertag-Gruppe, der auch Ostertag Solutions angehört. Das Unternehmen ist in der Informationstechnologie-Branche tätig. Die Übernahme schließt die über 70 Mitarbeiter an acht Standorten ein. Euromicron Deutschland entwickelt, produziert und vertreibt Netzwerkkomponenten auf Glasfaser-, Kupfer- und Drahtlosbasis. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Info

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.

julia.schmitt@finance-magazin.de | + posts

Julia Schmitt ist Redaktionsleiterin von FINANCE-Online und Moderatorin bei FINANCE-TV. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stieg sie 2014 bei F.A.Z. BUSINESS MEDIA ein. Sie betreut die Themenschwerpunkte Wirtschaftsprüfung und Bilanzierung und ist Trägerin des Karl Theodor Vogel Preises der Deutschen Fachpresse.

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