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M&A-Deals: Rocket Internet, Bilfinger, Axel Springer

M&A-Deal in der Digitalbranche: Der Schweizer Medienkonzern Tamedia übernimmt das Internet-Auktionshaus Ricardo.
Tamedia

Tamedia schluckt Ricardo

Der Züricher Medienkonzern Tamedia übernimmt das größte Schweizer Internet-Auktionshaus Ricardo für 240 Millionen Franken (rund 229 Millionen Euro). Verkäufer ist der südafrikanische Medienkonzern Naspers. Die Ricardo-Gruppe betreibt den Online-Marktplatz ricardo.ch, die Fahrzeugplattform autoricardo.ch, die Kleinanzeigen-plattform olx.ch sowie das Online Shopping Center ricardoshops.ch. Tamedia hat in seinem Digitalportfolio bereits Angebote wie Doodle, homegate.ch, jobs.ch, Trendsales oder Zattoo. Ricardo.ch wurde im November 1999 in der Schweiz gegründet und gehörte seit 2008 zu Naspers. Sie hat inzwischen 2,3 Millionen registrierte Mitglieder und gibt einen Warenumsatz von 660 Millionen Franken (rund 629 Millionen Euro) an. Beraten wurde der Verkäufer von der M&A-Beratung Altium.

Bilfinger trennt sich von Offshoregeschäft

Bilfinger will sich von einigen Bereichen trennen. Wie der Dienstleistungskonzern bei der Ankündigung des Geschäftsberichts 2014 sagte, sollen die Aktivitäten zur Gründung von Offshore-Windkraftanlagen und im Hafenbau sowie die polnische Fertigungsstätte verkauft werden. Dieses Großprojektgeschäft entspreche nicht mehr dem Risikoprofil Bilfingers, hieß es. Die in diesem Bereich tätigen Gesellschaften erwarten für 2015 laut Bilfinger eine Leistung von rund 140 Millionen Euro. Im Zusammenhang mit der Veräußerung wird auch die Division Offshore Systems und Grids aufgelöst. Der in diesem Bereich ebenfalls geführte Freileitungsbau soll der Division Power Systems zugeordnet werden.

Außerdem verkündete Bilfinger, sich wie beabsichtigt vom Ingenieurbaugeschäft zu trennen: Das Schweizer Bauunternehmen Implenia erwirbt die in Division Construction. Sie beschäftigt knapp 1.900 Mitarbeiter und hat im Jahr 2014 eine Leistung von rund 600 Millionen Euro erbracht. Das Closing sei für Anfang März geplant. Die krisengeplagte Bilfinger hat erst vor wenigen Tagen mit Axel Salzmann einen neuen Finanzchef ernannt, die Suche nach einem neuen CEO hingegen ist nicht abgeschlossen. 

Rocket Internet kauft wieder einen Lieferdienst

Rocket Internet hat wieder zugeschlagen: Die Berliner Start-Up-Schmiede hat den Essenslieferdienst Talabat aus Kuwait übernommen. Für den Deal zahlt Rocket 150 Millionen Euro. Das Closing soll in den kommenden Wochen erfolgen. Talabat ist auch in Saudi Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Oman sowie Katar aktiv. Der Lieferservice soll in die neue Einheit eingebunden werden, in der Rocket Essenszusteller bündeln will. Erst vor wenigen Tagen pumpte Rocket über mehrere Beteiligungen rund eine halbe Milliarde Euro in Essenslieferanten. Die Pläne ehrgeizig: Die gegründete Global Online Takeaway Group soll sich laut CEO Oliver Samwer „zum globalen Marktführer im Bereich der Online- und mobilen Essenlieferdienste“ entwickeln.

PE-Investor Bridgepoint verkauft Infront

Der PE-Investor Bridgepoint findet einen Käufer für den Sportrechtevermarkter Infront Sports & Media: Für rund 1,05 Milliarde Euro wird der chinesische Mischkonzern Wanda Group neuer Eigentümer. 2014 soll Infront nach Bridgepoint-Angaben einen Umsatz von rund 800 Millionen Euro erzielt haben. Im September 2011 hatte der Investor Infront vollständig übernommen und suchte seit vergangenem Herbst wieder nach einem Käufer. Und es deutet sich noch ein Exit an: Marktgerüchten zufolge will Bridgepoint auch den Brillenhersteller Rodenstock verkaufen. 

ElringKlinger kauft US-Automobilzulieferer

ElringKlinger kauft den US-Automobilzulieferer M&W Manufacturing vollständig von der Eigentümerfamilie. Der Erwerb von M&W ist ein weiterer Schritt für den Expansionskurs des ElringKlinger-Geschäftsbereichs Spezialdichtungen, in dem der Konzern 2014 rund 200 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet hat. M&W beschäftigt an den beiden Standorten Warren und Roseville in Michigan rund 100 Mitarbeiter.  2015 sollen Umsatzerlöse in Höhe von 33 bis 34 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Der Kaufpreis liegt beim dem 0,8-fachen der für 2015 geplanten Umsatzerlöse und beinhaltet die Übernahme von Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 4,5 Millionen Euro, hieß es.

MT-Energie findet Käufer für Servicesparte

Das insolvente Biogas-Unternehmen MT-Energiehat mit dem PE-Investor Deutsche Private Equity (DPE) einen Käufer für seine Servicesparte gefunden. Die Verhandlungen mit den Investoren wurden von Ernst & Young begleitet, vertreten durch Robert Seiter und Julia Müsing. Der Investor hatte vor kurzem auch das Motoren-Instandsetzungsunternehmen Bücker + Essing gekauft und will um diese beiden Portfoliounternehmen herum eine Unternehmensgruppe mit dem Fokus auf Service und Instandsetzungsdienstleistungen für Biogasanlagen und Blockheizkraftwerke errichten. Und auch die Sparte Anlagebau von MT-Energie könnte kurz vor einem Verkauf stehen: Der Insolvenzverwalter Gideon Böhm von der Hamburger Kanzlei Münzel & Böhm befindet sich derzeit in Verhandlungen mit einem Investor, hieß es in einer Mitteilung.

Raiffeisen Bank verkauft Banken und Polen und Slowenien

Nach einem Verlust von rund einer halben Miliarde Euro hat die Raiffeisen Bank beschlossen, sich stärker aus dem Osteuropageschäft zurückzuziehen. So will das Wiener Institut seine Töchter in Polen und Slowenien sowie die Direktbank Zuno verkaufen, auch das Geschäft in der Ukraine und in Russland soll schrumpfen. Gleichzeitig plane die Bank Zukäufe in anderen Geschäftsfeldern, hieß es. Durch den Rückzug aus Osteuropa hofft die RBI, ihre Kapitalbasis deutlich zu stärken. Bis Ende 2017 soll die Kernkapitalquote von 10 Prozent auf 12 Prozent steigen.

M&A-Personalien

Hubertus C. Tuczek wurde in den Europäischen Senior Adviser Beirat der auf mittelständische Transaktionen fokussierten Corporate-Finance-Beratungsgesellschaft @Visory Partners in Wiesbaden berufen. Der 55-Jährige bringt vor allem in dem Bereich Automotive Interiors und Electronics Expertise mit und soll zum weiteren Ausbau des Geschäftes in dieser Branche beitragen. Zuletzt war er Geschäftsführer bei der Dräxlmaier-Gruppe, einem Systemlieferanten der Automobilindustrie.

Die Wirtschaftskanzlei Orrick, Herrington & Sutcliffe hat vier ihrer Anwälte zu Partnern ernannt. Die M&A- und Private-Equity-Spezialistin Kerstin Henrich wurde zum Equity Partner ernannt. Außerdem hat die Kanzlei drei neue National Partner: Karsten Faulhaber aus der International Arbitration Group ist auf Schiedsverfahren spezialisiert und vertritt Unternehmen in internationalen Streitigkeiten. Sven Greulich berät bei internationalen M&A-Deals und hat einen Tätigkeitsschwerpunkt in der Beratung  junger Technologieunternehmen und von Venture Capital-Investoren. Timo Holzborn ist unter anderem im Kapitalmarkt-, Bank- und Finanzrecht tätig und ist auf Transaktionen in mehreren Branchen spezialisiert, darunter Erneuerbare Energien und Emissionshandel, Banken und Versicherungen und Technologie.

Weitere M&A-Deals

Der Übernahmekampf um den Schweizer Baustoffkonzern Sika geht in die nächste Runde: Nun schalten die Erben der Gründerfamilie mit ihrer Schenker-Winkler Holding (SWH) die Schweizer Übernahmekommission ein, wie dpa berichtet. Es geht um die Frage, ob ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet werden muss, weil sie ihre Sika-Aktien an den französischen Baustoffkonzern Saint-Gobain verkauft haben. Sika teilte mit, man werde das Vorgehen von SWH prüfen. Das Sika-Management schart derzeit viele Groß- und Kleinaktionäre um sich, die die Übernahme verhindern wollen. Anfang Dezember kündigte Saint-Gobain an, die Kontrolle über Sika übernehmen zu wollen.

Die Dürr Gruppe hat über ihre Tochter Carl Schenck 100 Prozent der Anteile an der französischen Dürr Automation veräußert. Käufer ist der Münchener PE-Investor Quantum Capital Partners. Über Transaktionsdetails wurde Stillschweigen vereinbart. Dürr Automation entwickelt und montiert Fördersysteme und -techniken sowie Lagerlösungen und Ausrüstungen für die Automobil- und Fertigungsindustrie. Beraten wurde Dürr von Lincoln International.

Nach dem Erwerb des amerikanischen Bluttransfusions-Spezialisten Fenwal will Fresenius einen Teil davon offenbar weiterveräußern. Das bestätigte Fresenius der F.A.Z. Der Medizinkonzern hatte Fenwal 2012 erworben.

Der Chemiekonzern Lanxess spricht offenbar mit zwei Interessenten über deren Einstieg bei seinem schwächelnden Kautschuk-Geschäft. Wie das Handelsblatt mit Berufung auf zwei mit der Lage betraute Personen berichtet, gebe es Gespräche mit der russischen Nizhnekamskneftekhim (NKNK) und der saudi-arabischen Saudi Aramco.

Die Telekom Austria ist offenbar auf der Suche nach weiteren Zukäufen in Osteuropa. Kleinere Übernahmen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich könne man ohne weitere Kapitalerhöhung stemmen, sagte Firmenchef Hannes Ametsreiter auf der Bilanzpressekonferenz. Im Visier habe das Unternehmen dabei Wettbewerber sowie Kabelanbieter in jenen Ländern, in denen der Konzern bereits vertreten ist. Der mexikanische Milliardär Carlos Slim hält über sein Unternehmen America Movil seit 2014 rund 60 Prozent an der Telekom Austria.

Der Schweizer Private Equity-Investor Corestate wird zusammen mit Inmobiliaria Espacio, einer Projektentwicklungs- und Asset-Management-Gesellschaft mit Sitz in Madrid/Spanien, sowie mit deren Schwesterfirma OHL Desarrollos, einem führenden Projektentwickler, ebenfalls ansässig in Madrid, ein Joint Venture gründen. Über weitere finanzielle Details ist nichts bekannt.

Das Familienunternehmen Merz Pharma, tätig im Bereich Forschung, Entwicklung und Vertrieb von medizinischen Produkten für die Ästhetik und der neurologischen Bewegungsstörungen, hat 100 Prozent ihrer Anteile an Merz Dental, einem Spezialisten für zahntechnische und zahnärztliche Produkte, veräußert. Käufer ist das japanische Dentalunternehmen Shofu. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Merz Pharma erzielte mit weltweit über 2.700 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2013/14 einen Umsatz in Höhe von 994 Millionen Euro. Beraten wurde der Verkäufer von @Visory Partners. Shofu wurde durch Arqis beraten, federführend war Shigeo Yamaguchi.

Der schweizerisch-britische Rohstoffkonzern Glencore trennt sich von dem weltweit drittgrößten Platinhersteller Lonmin. Bis zur Jahresmitte soll der 23,9 prozentige Anteil im Wert von 347 Millionen Dollar an die eigenen Aktionäre abgegeben werden, berichtet dpa.

Der PE-Investor Permira setzt seinen Rückzug bei Hugo Boss fort: Die Permira-Tochter Red&Black will in einem beschleunigten Verfahren mindestens 7,35 Millionen Hugo-Boss-Aktien an institutionelle Investoren verkaufen. Das entspricht etwa 10,4 Prozent des Grundkapitals. Zudem hat Red&Black mitgeteilt, an die Gesellschaften PFC und Zignago der Familie Marzotto Boss-Aktien im Gegenwert von etwa 500 Millionen Euro verkaufen zu wollen. Dadurch wird der Red&Black-Anteil an Hugo Boss von bislang 32 auf 14 Prozent oder weniger sinken. Red&Black hatte sich bereits in den vergangenen Monaten schrittweise von größeren Hugo-Boss-Paketen getrennt. Beraten wurde Permira von Freshfields.

Das PE-Haus CVC Capital Partners übernimmt den M2M-Managed-Service-Anbieter Wireless Logic von dem PE-Investor ECI Partners, der bisher die Mehrheit an Wireless Logic hielt. Details der Transaktion sind nicht bekannt.

Die Ringspann-Gruppe, tätig im Bereich Antriebstechnik, Spanntechnik und Fernbetätigungstechnik, erwirbt das Antriebstechnikunternehmen Transmission Components mit Sitz in Südafrika vom bisherigen Inhaber. Die neue Tochtergesellschaft firmiert künftig als Ringspann Transmission Components Proprietary Limited. Beraten wurde Ringspann von Rödl & Partner.

Das US-amerikanische Softwareunternehmen Fico mit Sitz Kalifornien hat die deutsche Tonbeller mit Sitz in Bensheim erworben. Tonbeller bietet Software-Lösungen zum Schutz vor Finanzkriminalität. Fico wurde bei dieser Transaktion in den USA von Faegre Baker Daniels (Federführung: Morgan W. Burns) beraten. In Deutschland arbeitete Faegre Baker Daniels mit der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft zusammen (Federführung: Eberhard Kalbfleisch).

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) und der von ihr verwaltete DBAG Expansion Capital Fund beteiligen sich mit 20 Prozent der Aktien an Oechsler, einem Unternehmen der Kunststofftechnik mit einem Kundenschwerpunkt in der Automobilzulieferindustrie. So wird die DBAG künftig 8,4 Prozent der Oechsler-Aktien halten, der DBAG Expansion Capital Fund 11,6 Prozent. Für den Deal wenden DBAG und DBAG Expansion Capital Fund rund 27 Millionen Euro auf. Die übrigen 80 Prozent der Aktien verbleiben in den Händen der Familiengesellschafter. Das Familienunternehmen Oechsler hatte 2013 einen Umsatz von 250 Millionen Euro und beschäftigt weltweit rund 2.000 Mitarbeiter.

Der britische Onlineanbieter für Brillen, MyOptique, vergrößert sich mit der Übernahme des deutschen Onlineoptikers Netzoptiker. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. MyOptique will nach eigenen Angaben jedoch den Großteil der in der jüngsten Finanzierungsrunde eingeworbenen 43 Millionen Euro in das internationale Geschäft investieren. Bislang macht MyOptique einen Umsatz von 42 Millionen Euro.

Maxburg Capital Partners beteiligt sich schrittweise an Zooplus, einem Onlinehändler für Tierbedarf. Der auf den Mittelstand fokussierte Investor Maxburg verwaltet ein Fondsvolumen von rund 300 Millionen Euro und hält mittlerweile rund 14 Prozent an Zooplus. Maxburg hat die Anteile vom Hauptaktionär Burda übernommen und wurde von DC Adivsory beraten.

Der PE-Investor Afinum hat im Zuge einer Nachfolgeregelung den Strumpfhersteller Camano vom Eigentümer Thomas Moissl erworben. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt. Afinum hat den Deal über die Bayrische Landesbank finanziert. Diese wurde bei der Finanzierung durch die Sozietät Shearman & Sterling beraten.

Von Apax Partners beratene Fonds haben dem Investmentmanager 3i ein Angebot zur Übernahme der Mehrheit an dem Spezialchemiekonzern Azelis Group unterbreitet. Azelis wird bislang von der Atlas Holding gehalten, die die Verkaufsverhandlungen aufgenommen hat. 3i wurde von Clifford Chance unter der Federführung von Kerstin Kopp beraten.

julia.becker[at]finance-magazin.de

Info

Die wichtigsten Transaktionen der vergangenen Wochen finden Sie im Überblick auf unserer Themenseite M&A-Deals.

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