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M&A-Deals: Tue Gutes und rede (nicht) darüber!

Thinkstock / Getty Images

Sich anbahnende M&A-Deals sind eine anfällige Sache. Falschinformationen und „wilde“ Gerüchte können jede noch so sinnvolle Transaktion leicht scheitern lassen. Das Informationsbedürfnis des Kapitalmarktes ist erheblich weitreichender als das der übrigen Adressaten. Zugleich interpretiert der Kapitalmarkt Botschaften häufig anders als die Öffentlichkeit und die Mitarbeiter. Ein Arbeitsplatzabbau mag bei Investoren als positiv gelten, andere Stakeholder werden das anders sehen.

Damit wird der Zeitpunkt, zu dem der Kapitalmarkt über den geplanten Zusammenschluss informiert werden soll, zu einer wichtigen Frage im M&A-Prozess. Doch die Weitergabe kursrelevanter Informationen unterliegt bei börsennotierten Unternehmen einer strengen Reglementierung durch den Gesetzgeber. Er bleibt nicht dem Unternehmen überlassen und kann deshalb nur schwer aktiv optimiert werden. Doch es gibt zwei sinnvolle Zeitpunkte, zwischen denen die beteiligten Unternehmen wählen können.

Früh kommunizieren oder warten bis zum Schluss?

Ein möglicher Zeitpunkt ist bei Unterzeichnung des „Letters of Intent“, ein anderer erst, wenn  die Kontrollorgane der Unternehmen „grünes Licht“ geben.
Der „Letter of Intent“ (LOI) ist nicht mehr als eine Absichtserklärung. Bis zur eigentlichen Fusion oder Übernahme sind umfangreiche weitere Verhandlungen notwendig, die sich häufig über Monate hinziehen und manches Mal auch scheitern.

Der Nachteil: Falls die Transaktionsabsicht bereits bei Unterzeichnung des LOI veröffentlicht wurde, sind Spekulationen am Kapitalmarkt für einen längeren Zeitraum keine Grenzen gesetzt. Doch die frühe Bekanntgabe des sich anbahnenden M&A-Deals hat auch einen großen Vorteil: Die beteiligten Unternehmen müssen sich keine Gedanken über das „Durchsickern“ vertraulicher Informationen und möglichen Insiderhandel machen.

Die gesetzliche Pflicht zu publizieren greift spätestens beim Beschluss der Transaktion durch die Kontrollorgane der vorher einzeln agierenden Unternehmen. Es bis dahin zu schaffen, ohne dass ungewollt Informationen über die geplante Fusion oder Übernahme nach außen dringen, erfordert jedoch ein exzellentes Leak-Management. 

Hier kann es hilfreich sein, diese entscheidende Aufgabe einem geschulten, externen Information-Security-Manager zu übertragen, um eine ständige Informationskontrolle sicherzustellen. Neue Informationen sollten nur nach Freigabe durch die Kontrollorganeoder den Information-Security-Manager weitergeben werden. Ein erfolgreiches Leak-Management erfordert neben Daten- und IT-Sicherheitssystemen außerdem eine Sphäre der Vertraulichkeit seitens der Mitarbeiter, so dass die Daten von den Mitarbeitern nicht nur auf Basis unterzeichneter Vertraulichkeitserklärungen, sondern vor allem auch aus Loyalität diskret behandelt werden. Aber Vorsicht: Diese Attitüde zur Geheimhaltung kann sehr negative Folgen für das Image des entstehenden Gesamtunternehmens haben.

Folgen der Kommunikation für die Post-Merger-Integration

Das, was die Information des Kapitalmarkts auslöst, hat wichtige klimatische Folgen für die spätere Post-Merger-Integration. Zu Beginn der Kommunikationsmaßnahmen ist das Informationsbedürfnis des Kapitalmarkts sehr hoch. Die kommunizierten Inhalte und Ziele der geplanten Transaktion werden durch die „Financial Community“ intensiv auf Stimmigkeit, Geschwindigkeit und Ganzheitlichkeit überprüft und prägen das Bild des neuen Unternehmens in der Öffentlichkeit nachhaltig.

Sich langfristig die Unterstützung des Kapitalmarktes zu sichern, ist wichtig – nicht nur, um eine faire Bewertung und die Handlungsfähigkeit am Kapitalmarkt sicherzustellen, sondern auch, um steigende Eigenkapitalkosten zu vermeiden. Je mehr Information den Anlegern über die zukünftige Strategie und das abrufbare Potential zur Verfügung stehen, desto besser können die Investoren das Unternehmen und den M&A-Deal bewerten. Tauchen bei der Kommunikation jedoch Unstimmigkeiten auf, gerät die Transaktion noch vor den Signing in schweres Fahrwasser.

Nur wenn die Teilnehmer der „Financial Community“ und andere Adressaten umfassend und angemessen über Ziele, Strategien und Maßnahmen der Transaktion informiert werden, werden sie Vertrauen in das fusionierte Gesamtunternehmen fassen.

Info

Juliane Weyde und David Braden sind Projektmanager bei dem Beratungshaus Harald Link Mergers & Acquisitions in Hamburg.

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